4. Tag: Aufgaben, Gedanken und überall Zettel, wie behalte ich den Überblick?
Wissenschaftler fanden heraus, dass uns täglich 60.000 Gedanken durch den Kopf gehen. Beruhigend ist, dass nur etwa 5.000 davon neue sind. Damit Wichtiges nicht vergessen wird, zieren oft Haftnotizen Bildschirme, Pinnwände oder Eingangstüren. Je nachdem, wie lange sie dort schon hängen, fallen sie von alleine ab oder werden schlicht überlesen.
In der Formulierung „... nicht vergessen!“ liegt schon eine ungünstige Selbstprogrammierung. Das Gehirn kann ein „nicht“ nicht filtern. Denken Sie jetzt nicht an eine Zitrone. Ist es Ihnen gelungen?
Leichter wird der Überblick mit zettelfreiem Arbeiten. Sieht doch allein optisch schon viel ordentlicher an Ihrem Arbeitsplatz aus. Unordnung begünstigt nämlich „Aufschieberitis“ (Prokrastination). Aufgeschobene Entscheidungen sorgen für Stapel, für Haftnotizen als Denkzettel, für Stau. Aufgaben aufzuschieben kann an der inneren Stimme liegen, die Ihnen zuruft: „Mach das perfekt!“, „Streng dich an!“, „Beeil dich!“ oder: „Mach es den anderen recht!“. Kommt Ihnen einer dieser Sätze besonders bekannt vor? Schauen wir uns den Antreibersatz Perfektion näher an. Wann ist eine Aufgabe so gut erledigt, dass gut gut genug ist? Perfektion ist aufwendig, sie bindet Energie und wirkt wie eine Erledigungsblockade. Niemand ist immer und in allem perfekt. Keine Sorge – falls Sie von Prokrastination befallen sind, kommen Sie auch ohne Psychiater zurecht. Begegnen Sie Ihrer inneren Stimme mit einer neuen Strategie und mit Erlaubenssätzen.
Antreibersatz: Sei perfekt! Erlaubenssatz: Niemand ist perfekt, auch ich darf Fehler machen.
| – Setzen Sie sich für Leistungen und Genauigkeit realistische Standards. – Prüfen Sie die Detailtiefe: Ist es notwendig (welche Not wenden Sie ab), die Aufgabe so detailliert zu bearbeiten?
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Antreibersatz: Streng dich an! Erlauben Sie sich den Gedanken: Ich erreiche mein Tagesziel einfach, indem ich mir Zeit nehme, Pausen mache und auf mich mehr achte.
| – Gehen Sie verantwortungsvoll mit Ihrer Tagesenergie um. – Arbeiten Sie mit einer realistischen Aufgabenliste.
– Behalten Sie Ihr Tagesziel im Auge. – Halten Sie Ihre Arbeitszeit ein, statt Überstunden aufzubauen. – Genießen Sie Ihre Freizeit. |
Antreibersatz: Beeil dich! Erlaubenssatz: Ich darf mir Zeit nehmen und auch Pausen machen. Manches darf auch länger dauern.
| – Zerlegen Sie große Aufgaben in Abschnitte. – Planen Sie Termine angemessen, setzen Sie sich Zwischenziele. – Nehmen Sie Tempo raus, sprechen Sie beispielsweise bewusst langsam. |
Antreibersatz: Mach es anderen recht! Erlaubenssatz: Ich darf meine Bedürfnisse und Standpunkte ernst nehmen. Ich bin o. k., auch wenn jemand unzufrieden mit mir ist. Ich darf es auch mir recht machen.
| – Fragen Sie den anderen, was er erwartet, statt die Ausarbeitung zu erraten. – Bitten Sie andere um einen Gefallen. – Lernen Sie Nein-Sagen (das kommt am neunten Tag). – Setzen Sie freundlich und bestimmt Grenzen. |
11. Immer wieder Letzte-Minute-Aufträge – wie gehe ich mit meiner Aufschieberitis um?
Und wieder ist ein Tag vorbei – die Steuererklärung ist immer noch nicht erledigt. „Morgen, ja, gleich morgen werde ich mich darum kümmern!“ Wie oft haben Sie sich das schon versprochen?
Lästiges wird nicht besser, schöner, kleiner, wenn es hinausgeschoben wird. Je länger Lästiges verschoben wird, desto schwerer fällt es, damit anzufangen.
Sie haben es mit Ihrem „inneren Schweinehund“ zu tun und eigentlich hat er eine positive Absicht. Positiv? Ja, er will Sie vor Überanstrengung und langweiligen Arbeiten schützen. Er hat die Aufgabe des Komfortzonenbewachers übernommen. Deshalb lässt er sich auch so viele Ablenkungen einfallen: schnell mal E-Mails prüfen und bearbeiten – ist ja wichtig –, dann kurz mal in Facebook oder Xing schauen – nur nichts verpassen –, kurz jemanden anrufen – schon ist das Tagesende erreicht.
Fragen Sie sich nach Ihrem übergeordneten Ziel. Wenn Sie schon diese Arbeit machen, für welches übergeordnete Ziel (z. B. Eigenheim abgezahlt in x Jahren) ist es lohnenswert, das weiterhin zu tun? Mit Zielen und wie Sie diese gehirngerecht formulieren beschäftigen wir uns am fünften Tag.
Was wäre möglich, wenn Sie die Steuererklärung, die Präsentation, den Vortrag ... schon heute fertig hätten? Wie würde sich die erledigte Aufgabe anfühlen? Womit würden Sie sich dann gerne beschäftigen?
12. Wie gehe ich mit meiner Tageskröte um?
Versuchen Sie es mit der Salami-Taktik – täglich ein Scheibchen des Gesamtprojekts und am Ende ist „die Steuererklärung gegessen“ statt vergessen. Zerlegen wir die Steuererklärung in Teilprojekte. Wie wäre es, heute mit der Anlage Werbungskosten zu beginnen. Für den nächsten Tag nehmen Sie sich als Ziel, die Anlage Sonderausgaben fertigzustellen. Jetzt ist für Sie leichter überschaubar, wann das Gesamtprojekt „Einkommensteuererklärung“ erledigt ist. Auch Ihr innerer Schweinehund wird Sie bei überschaubaren Arbeitsvorhaben eher gewähren lassen als Sie abzuhalten. Durch diese Variante von einzelnen kleinen Teilprojekten erreichen Sie schnell Zwischenziele, die alle zusammen schließlich am Ende den erfolgreichen Abschluss des Gesamtprojektes ergeben. Der psychologische Trick: Sie kommen Ihrem Ziel Stück für Stück näher.