Vorspiel» Erzähl mir die Geschichte zu Ende, Vogel.« Der Rabe legte den Kopf schief.»Welche Geschichte?«»Die vom Gott Kupilas - Krummling, wie ihr ihn hier nennt. Erzähl, Vogel. Es pisst vom Himmel, mir ist kalt, ich habe Hunger und irre in der grässlichsten Gegend der Welt herum.«»Unsereins ist auch nass und hungrig«, rief ihm Skurn in Erinnerung.»Hat kaum was gefressen in letzter Zeit, grad mal einen zerquetschten Kokon dann und wann.« Diese Vorstellung hob Barricks Laune auch nicht gerade.»Erzähl einfach weiter. Bitte.« Der Rabe glättete sein verkrustetes Gefieder, jetzt schon deutlich milder gestimmt.»Na ja, wenn ihr meint. Wo war unsereins denn stehengeblieben?«»Wie er seine Urgroßmutter traf. Und sie wollte ihn lehren ...«»Ah ja. Weiß es jetzt wieder, unsereins."Ich werde dir beibringen, in den Landen der Leere zu reisen", sagte die Urgroßmutter zu Krummling,"jenen Landen, die neben allen Dingen sind und an jedem Ort, so nah wie ein Gedanke und so unsichtbar wie ein Gebet." War's das, was unsereins zuletzt erzählt hat?«»Ja, genau.«»Könnt Euch vielleicht vorher noch was zu essen beschaffen, unsereins?« Skurn war wieder bester Dinge.»ist voll von Pfeifmotten, dieses Stück Wald ...« Er sah Barricks Gesichtsausdruck.»Nun gut, Prinz ist-mir-alles-nicht-gut-genug - aber gebt bloß nicht Skurn die Schuld, wenn ihr vor lauter Magenknurren mitten in der Nacht aufwacht ...«»Krummling verbrachte lange Tage an der Seite seiner Urgroßmutter Leere, lernte allesüber die Geheimnisse ihres Landes und seiner Straßen und wurde noch weiser, als er ohnehin schon war. Er lernte viele Tricks, wie man im Land seiner Urgroßmutter reisen konnte, und sah viele Dinge, wenn niemand merkte, dass er hinschaute. Und wenn sein Körper auch verkrüppelt war und sein eines Bein kürzer als das andere, sodass sein Gang klang wie ein Wagen mit einem gebrochenen Rad, klicketti-klack, klicketti-klack, konnte Krummling schneller reisen als irgendwer sonst - selbst sein Vetter Trickser , den die Menschen Zosim nennen. Trickser war der Fixeste von der ganzen Sippe der drei Brüder, der schlaue Herr der Straßen und der Dichtkunst und der Verrückten. Der clevere Trickser hatte sogar manche von Leeres Geheimnissen ganz allein herausbekommen, aber er hatte seine Urgroßmutter auch»Alte Windstimme im Brunnen« genannt, wenn er nicht ahnte, dass sie zuhörte. Daraufhin hatte sie dafür gesorgt, dass Trickser nichts mehrüber ihr Land und dessen Seltsamkeiten lernte. Krummling aber war ihrem Herzen nahe, und ihn lehrte sie alles. Je mehr Krummling lernte, je mehr Worte und Kräfte ihm zuwuchsen, desto ungerechter fand er es, dass sein Vater getötet und seine Mutter geraubt worden war, dass seine Onkel und alle seineübrigen Verwandten in der Verbannung im Himmel saßen, während die, die ihnen das angetan hatten, und vor allem die drei mächtigsten Brüder - Perin, Kernios und Erivor, wie ihr sie nennt -, auf Erden lebten und lachten und sangen. Darüber sann Krummling lange nach, bis ihm schließlich etwas einfiel - der schlauste und listigste Plan, den es je gab. Alle drei Brüder hatten jetzt Wachen und Beschützer um sich, dieüber furchterregende Kräfte verfügten, also genügte ein einfacherÜberfall nicht. Der Wassermann Erivor hatte Wölfe des Meeres rings um seinen Thron und Giftquallen, und außerdem waren da seine Wasserkrieger, die den ganzen grünen Tag und die ganze grüne Nachtüber ihn wachten. Der Himmelsmann Perin wohnte in einem Palast auf dem höchsten Berg der Welt, umgeben von seiner Sippe, und er hatte den mächtigen Hammer Donnerschlegel, den Krummling selbst für ihn gemacht hatte und der die Welt zerschlagen konnte, wenn er nur lange genug auf sie einhämmerte. Und der Steinherr (Kernios, wie Euer Volk ihn nennt) hatte zwar nicht so viele Gefolgsleute, lebte aber in seiner Burg tief in der Erde inmitten der Toten und war bewehrt mit Tricks und Worten, die einem die Augen aus dem Kopf brennen oder die Knochen in brüchiges Eis verwandeln konnten. Doch eine Schwachstelle hatten alle drei Brüder, und das war die Schwachstelle, die jeder Mann hat: die eigene Frau. Denn in den Augen ihrer Frauen, so heißt es ja, sind selbst die Erstgeborenen nicht besser als irgendjemand sonst. Schon lange hatte der schlaue Krummling Freundschaftsbande zu den Frauen zweier der Brüder geknüpft: zu Nacht, die Himmelsmanns Gemahlin war, und zu Mondfrau, die von Steinmann verstoßen und dann von seinem Bruder Wassermann zur Frau genommen worden war. Beide Frauen beneideten ihre Männer um deren Freiheiten und wünschten, sie könnten auch draußen in der Welt herumlaufen, lieben, wen sie wollten, und tun, wonach ihnen der Sinn stand. Also gab Krummling jeder von beiden einen Trank, damit sie ihn ihrem Gemahl in den Weinbecher schüttete, und erklärte dazu: ?Davon werden eure Männer die ganze Nacht schlafen, ohne auch nur ein einziges Mal aufzuwachen. Und während sie in tiefem Schlaf liegen, könnt ihr tun, was euch beliebt.? Nacht und Mondfrau freuten sichüber Krummlings Geschenk und versprachen, es noch am selben Abend zu benutzen. Der dritte Bruder, der kalte, harte Steinmann, hatte Krummlings Mutter Blume - Zoria, wie ihr sagt - gefunden, als sie nach dem Ende des Krieges allein und verloren umherirrte. Er hatte sie mitgenommen, um sie zu seiner Frau zu machen, und seine bisherige Gemahlin Mondfrau in die Welt hinausgejagt. Steinmann hatte Krummlings Mutter einen neuen Namen gegeben, Helle Morgenröte, doch obwohl er sie mit Gold und Edelsteinen und anderen Gaben der schwarzen Erde schmückte, lächelte sie nie und sprach auch nicht, sondern saß immer nur da wie eine der Toten,über die Steinmann auf seinem dunklen Thron herrschte. Also ging Krummling jetzt im Dunkeln zu seiner Mutter und erzählte ihr von seinem Plan. Er musste nicht lügen, nicht vor ihr, die sie hatte mit ansehen müssen, wie ihr Gemahl getötet, ihr Sohn gepeinigt und ihre Familie verbannt wurde. Als er ihr den Trank gab, sagte sie immer noch nichts und lächelte auch nicht, küsste Krummling aber mit ihren kalten Lippen aufs Haupt, ehe sie sich abwandte und wieder in den endlosen Gängen von Steinmanns Haus verschwand. Nur ein einziges Mal noch sollte Krummling sie wiedersehen. Als alles eingeleitet war, ging Krummling zuerst zu Wassermanns Haus tief drunten im Meer. Er reiste durch die Lande seiner Urgroßmutter Leere, wie sie es ihm beigebracht hatte, damit ihn niemand in Wassermanns Haus kommen sähe. Krummling glitt an den Wölfen des Meeres vorbei wie eine kalte Strömung, und wenn sie auch ahnten, dass er in der Nähe war, vermochten sie ihn doch nicht zu packen und mit ihren scharfen Zähnen in Stücke zu reißen. Ebenso wenig konnten ihn die Giftquallen stechen - Krummling schlüpfte zwischen ihnen hindurch, als wären sie nur Seerosen. Als er schließlich Wassermann in dessen Gemach fand, von dem Trank, den ihm Mondfrau verabreicht hatte, in tiefem Betäubungsschlaf, da hielt Krummling inne, denn ihnüberkam ein sonderbares Zögern. Wassermann hatte nicht mitgetan, als die anderen beiden Brüder Krummling gepeinigt hatten, und Krummling hasste ihn nicht so sehr wie Himmelsmann und Steinmann. Aber Wassermann hatte Krieg gegen Krummlings Familie geführt. Er hatte mitgeholfen, Krummlings Mutter zur Witwe zu machen, und hatte gemeinsam mit seinen Brüdern Krummlings restliche Sippe in den Himmel verbannt. Und außerdem würde, solange Wassermann auf Erden wandelte, das Blut von Feuchtes Sippe, Krummlings Feinden, fortleben. Also bestand Krummlings Gnade darin, dass er Wassermann nicht weckte, damit er seinem Los ins Auge sähe, sondern einfach nur eine Tür zu einem Teil von Leeres Landenöffnete, wo niemand je gewesen war, einem geheimen Ort, den selbst seine Urgroßmutter vergessen hatte, und den schlafenden Wassermann da hindurchstieß. Als Erivor der Wassermann aus der Welt verschwunden war, machte Krummling die Tür wieder zu. Er verließ das unterseeische Haus auf seinen geheimen Wegen undüberlegte, ob er sich Himmelsmann oder Steinmann als nächsten vornehmen sollte. Von den drei Brüdern war Himmelsmann der stärkste und grausamste, und er hatte sich zum Herrn aller Götter gemacht. Er herrschte in seinem Palast auf dem Berg namens Xandos - Stab -, und dieser Götterhof schützte ihn wirksamer als alle Mauern. Seine Söhne Jägersmann, Reitersmann und Schildträger waren fast so stark wie er, und auch seine Töchter Weisheit und Wildnis konnten fast jeden Krieger besiegen, erst recht aber einen Krüppel wie Krummling. Insofern wäre es sinnvoll gewesen, Himmelsmann in seiner gewaltigen Festung als Letzten anzugreifen. Aber tatsächlich war es der kalte, stumme Steinmann und nicht sein zorniger Bruder, den Krummling am meisten fürchtete. Also reiste er auf Leeres Wegen zum Berg Stab, und Feuchtes gesamte Sippe fühlte seine Gegenwart, vermochte ihn aber weder zu sehen, noch zu hören oder zu riechen. Nur Jägersmann der Scharfäugige und Wildnis die Flinkfüßige ahnten ungefähr, wo er war. Die grausame, schöne Wildnis rannte hinter Krummling her, bekam ihn aber nicht richtig zu fassen und riss nur ein Stück von seinem Hemd ab. Jägersmann schoss einen magischen Pfeil ab, der tatsächlich die verborgenen Wege erreichte, die Krummling ging, und sein Ohr kerbte, sodass ihm Blut auf die Schulter und die elfenbeinerne Hand tropfte. Doch aufhalten konnten ihn beide nicht, und gleich darauf war er in Himmelsmanns Palast, wo der Hausherr von dem Trank in tiefem Schlaf lag. ?Wach auf!?, schrie er den schlafenden Himmelsmann an. Sein Feind sollte wissen, was ihm geschah, und durch wen. ?Wach auf, Poltermaul - dein Ende ist da!? Himmelsmann war sehr stark, auch nach Krummlings Trank noch. Er sprang von seinem Lager auf, ergriff seinen mächtigen Hammer Donnerschlegel, der so groß war wie ein Heukarren, und schwang ihn. Doch er verfehlte Krummling und zerschmetterte sein eigenes Riesenbett. ?Mach dir nichts draus?, erklärte ihm Krummling. ?Dieses Bett brauchst du nicht mehr. Bald wirst du in einem anderen schlafen - einem kalten Bett an einem kalten Ort.? Himmelsmann brüllte Krummling an, er sei ein Verräter, und schleuderte dann seinen Hammer mit der ganzen Kraft seines mächtigen Arms. Wäre ein anderer als Krummling sein Ziel gewesen, ganz gleich, ob Gott oder gewöhnlicher Mann, hätte ihn Donnerschlegel in Stücke gehauen und die Stücke zu Kohle verbrannt. Doch der Hammer verharrte mitten im Flug. ?Glaubst du, ich würde dir eine Waffe schmieden, die du gegen mich gebrauchen könntest??, fragte ihn Krummling. ?Du nennst mich einen Verräter, aber du hast meinen Vater - deinen eigenen Bruder - heimtückisch angegriffen und getötet. Jetzt bekommst du, was du verdienst.? Und Krummling kehrte Himmelsmanns Hammer gegen den Gott selbst, und das Dröhnen der Schläge war wie Donnerhall. Himmelsmann Perin rief nach seiner Familie und seinen Gefolgsleuten, damit sie ihm zu Hilfe kämen. Alle, die auf dem Berg Stab wohnten, eilten herbei. Doch Krummlingöffnete eine Tür zu Leeres Landen, und ehe Himmelsmann noch ein Wort sagen konnte, hieb er wieder mit dem gewaltigen Hammer nach ihm und schleuderte ihn in die offene Tür. Leeres Lande zogen an Himmelsmann wie ein Windsog, aber Himmelsmann hielt sich mit aller Kraft seiner mächtigen Hände am Fußboden fest. Er ließ nicht los, vermochte sich aber auch nicht aus Leeres Reich wieder in die Welt zu ziehen. Als Krummling das sah, lächelte er, ging zurück zur Tür von Himmelsmanns Gemach,öffnete sie und versteckte sich dahinter. Alleübrigen Götter und Göttinnen des Berges, Weisheit und Schildträger und die ganze Sippe, stürmten herein. Als sie ihren Herrn in solcher Gefahr sahen, rannten sie zu ihm, packten ihn an den Armen und wollten ihn wieder hereinziehen, doch Leeres Zauber war so stark, dass sie nicht dagegen ankamen. Während sie sich mühten, trat Krummling aus seinem Versteck und zu dem dürren Gott Greistum, der zuhinterst stand. Greistum hatte Himmelsmann gar nicht zu fassen bekommen, aber er zog an Weisheit, die an Jägersmann zog, der wiederum Himmelsmanns Hand umklammerte. ?Ich erinnere mich wohl, wie du auf den Leichnam meines Vaters gespuckt hast?, sagte Krummling zu Greistum, hob dann die bronzene Hand und die elfenbeinerne Hand und gab dem Alten einen Stoß. Greistum stolperte vorwärts und fiel gegen Weisheit, die wiederum gegen Jägersmann fiel, und die ganze Schar, die ihrem Herrn zu Hilfe geeilt war, taumelte in Leeres Lande. Da löste sich auch Himmelsmanns Griff, und sie stürzten ins kalte Dunkel, alle miteinander. Krummling lachte, als er sie fallen sah, lachte noch lauter, als sie brüllten und Verwünschungen ausstießen, und lachte am allerlautesten, als sie verschwunden waren. Er hatte lange an all dem Bösen getragen, das sie ihm getan hatten, und verspürte kein Mitleid. Einer von Himmelsmanns Sippe jedoch war nicht herbeigeeilt, um seinem Herrn zu helfen. Das war Trickser, der nie etwas tat, was er anderenüberlassen konnte. Als er sah, was geschehen war - dass Himmelsmann, der stärkste aller Götter, besiegt und verbannt worden war -, da bekam Trickser es mit der Angst. Er rannte aus dem Palast der Götter, seinen Vater Steinmann zu warnen. Und als Krummling schließlich von dem hohen Berg Xandos hinabstieg und zu Steinmanns Haus lief, war der flinke Trickser schon vor ihm dort angelangt. Krummling hatte nicht wie geplant dieÜberraschung auf seiner Seite, und als er ans mächtige Tor von Steinmanns Haus kam, fand er es verschlossen und verriegelt und von vielen Kriegern bewacht. Doch das konnte Krummling nicht aufhalten. Auf Wegen, die nur er und seine Urgroßmutter kannten, stahl er sich an den Kriegern vorbei, bis er schließlich vor dem Gemach von Steinmann selbst stand. Trickser hatte seinen Vater gewarnt und wollte sich gerade davonschleichen, aber Krummling stellte ihn, und es kam zum Kampf. Krummling packte Trickser um die Kehle und ließ nicht wieder los. Trickser verwandelte sich in einen Stier, eine Schlange, einen Falken und selbst in eine Flamme, doch Krummling ließ ihn immer noch nicht los. Schließlich gab Trickser auf, nahm wieder seine eigentliche Gestalt an und bettelte um sein Leben. ?Ich habe ja versucht, deine Mutter zu retten?, winselte Trickser. ?Ich habe versucht, ihr zur Flucht zu verhelfen. Und ich war doch immer dein Freund! Als alle anderen gegen dich waren, habe ich für dich gesprochen. Und als sie dich verjagten, habe ich dich da nicht aufgenommen und dir Wein zu trinken gegeben?? Krummling lachte. ?Du wolltest meine Mutter für dich, und du hättest sie dir genommen, wäre sie nicht geflohen. Du hast nicht für mich gesprochen, du hast für niemanden Partei ergriffen - so machst du es immer, damit du dich dann auf die Seite des Siegers schlagen kannst. Und mich aufgenommen und mir Wein gegeben hast du nur, um mich betrunken zu machen und aus mir herauszubekommen, wie man all die magischen Dinge macht, die ich für Himmelsmann und die anderen gefertigt hatte, aber meine Elfenbeinhand hat mich beschützt, indem sie den Becher zerbrach, deshalb scheiterte dein Plan.? Er hob Trickser am Hals hoch und trug ihn in Steinmanns Gemach. Krummling fürchtete den Herrn der dunklen Erde immer noch, aber er wusste, dass er es so oder so zu Ende bringen wollte. Steinmann Kernios traute niemandem, deshalb hatte er den Trank von Krummlings Mutter nicht getrunken. Er stand bereit, in seiner fürchterlichen grauen Rüstung, den schrecklichen Speer Erdstern in der Hand. Er war im Vollbesitz seiner Kräfte und in seinem eigenen Palast. Doch vor allem hatte er noch eine weitere Waffe, und als Krummling auf Leeres Wegen sein Gemach betrat, zeigte er sie ihm. ?Hier ist deine Mutter?, sagte Steinmann, ?die ich in mein Haus aufgenommen habe und die es mir mit Verrat vergolten hat.? Steinmann hielt Helle Morgenröte fest gepackt, die Speerspitze an ihrer Kehle. ?Wenn du dich mir nicht ergibst und dich nicht mit eben jenen Zaubern Leeres, die dir erlaubten, meine Brüder zu töten, hier und jetzt selbst bindest, wird sie vor deinen Augen sterben.? Krummling rührte sich nicht. ?Deine Brüder haben mehr Gnade erfahren, als sie meiner Familie zuteilwerden ließen. Sie sind nicht tot, sie schlafen nur in kalten, leeren Landen, wie auch du es bald tun wirst.? Steinmann lachte. Sein Lachen, so heißt es, war wie Wind aus einer Gruft. ?Und das soll besser sein als der Tod? Für immer im Leeren zu schlafen? Wie dem auch sei, dir wird solche Gnade, wie du es nennst, nicht zuteilwerden. Du wirst dich selbst vernichten, oder aber deine Mutter wird ihr Leben lassen, und dann töte ich dich ohnehin.? Krummling hob Trickser hoch, der noch immer im Griff seiner Bronzehand um Atem rang. ?Und was ist mit deinem Sohn?? Steinmanns Stimme war wie das garstige Grollen eines Erdbebens. ?Ich habe viele Söhne. Wenn ichüberlebe, kann ich noch weitere zeugen. Wenn nicht, ist mir gleich, wer michüberlebt. Mach, was du willst.? Krummling warf Trickser von sich. Eine ganze Weile sahen er und Steinmann sich an wie Wölfe, die sichüber einem erlegten Tier belauern, beide nicht willens, den ersten Schritt zu tun. Da fasste Krummlings Mutter plötzlich mit zitternden Händen die scharfe Speerspitze, schnitt sich damit selbst die Kehle durch und sank in einem Blutschwall auf den Boden von Steinmanns Gemach. Steinmann zögerte nicht. Während Krummling noch auf seine Mutter starrte, die am Boden ihr Leben aushauchte, warf der Herr der schwarzen Erde den mächtigen, blutverschmierten Speer genau auf Krummlings Herz. Krummling versuchte, Erdstern zu gebieten, aber Steinmann hatte die Waffe mit seinen eigenen mächtigen Zauberworten belegt, und Krummling hatte keine Gewaltüber sie. Ihm blieb gerade noch die Zeit, einen Schritt zur Seite zu tun, in Leeres Lande. Der Speer flog an ihm vorbei und traf die Wand mit solcher Wucht, dass der halbe Palast einstürzte und alle Lande ringsum erzitterten und erbebten. Als Krummling wieder aus Leeres Straßen hervortrat, stürzte sich Steinmann auf ihn. Sie rangen lange Zeit, während um sie herum der Palast zusammenbrach. So gewaltig war ihre Stärke und so erbittert ihr Ringen, dass das Gestein der Erde selbst zertrümmert und zermalmt wurde, die Felsgipfel herabstürzten und zu Staub zerfielen, das Land sich senkte und das Meer von allen Seiten hereinbrach, sodass sie schließlich auf einer Steininsel mitten im Wasser kämpften. Schließlich hielten sie sich gegenseitig an der Kehle. Steinmann war stärker, und Krummling blieb nichts anderesübrig, als wieder in die Wege des Dunkels zu entweichen, aber Steinmann ließ nicht los und wurde mitgerissen. Während sie durchs Leere stürzten, bog Steinmann Krummlings Rücken durch, bis er ihm beinah das Rückgrat brach. Krummling konnte nicht mehr atmen und nicht mehr denken, so mörderisch war Steinmanns Griff. ?Jetzt schau mir in die Augen?, sagte Steinmann. ?Dann wirst du ein Dunkel sehen, das größer ist als alles, was Leere je erschaffen oder auch nur erdenken könnte.? Beinah wäre das Krummlings Ende gewesen, denn hätte er dem Herrn der Schwarzen Tiefen in die Augen gesehen, wäre er in den Tod hinabgezogen worden, doch er wandte den Blick ab und grub die Zähne in Steinmanns Hand. Das war ein solcher Schmerz, dass Steinmann seinen Griff lockerte und Krummling ihn ganz abschütteln konnte. Und Steinmann fiel und fiel ins trübe, kalte Dunkel. Krummling wanderte eine Zeitlang benommen und verwirrt in den entlegensten Teilen von Leeres Landen umher, doch schließlich fand er zu Steinmanns Haus zurück, wo der Leichnam seiner Mutter lag. Er sank neben ihr auf die Knie, merkte dann aber, dass er nicht weinen konnte. Stattdessen berührte er die Stelle, wo sie ihn geküsst hatte, beugte sich dannüber die Tote und küsste ihre kalte Wange. ?Ich habe die vernichtet, die dich vernichtet haben?, erklärte er ihrem reglosen Körper. Ohne Vorwarnung durchfuhr ihn ein schrecklicher Schmerz, als Steinmanns mächtiger Speer sich in seine Brust bohrte. Krummling kam taumelnd auf die Beine. Trickser trat aus dem Schattendunkel, wo er sich versteckt hatte. Der Gott der boshaften Streiche lachte und sprang fröhlich umher. ?Und jetzt habe ich dich vernichtet?, rief Zosim der Trickser. ?Alle Großen außer mir sind tot, und ich allein herrsche jetztüber die ganze Welt und die sieben mal sieben Berge und die sieben mal sieben Meere!? Krummling griff mit der Bronzehand und der Elfenbeinhand an den Speer Erdstern, der ihn gefällt hatte. Die mächtige Waffe ging in Flammen auf und verbrannte zu Schlacke. ?Ich bin nicht vernichtet?, sagte Krummling, obgleich schwerverwundet. ?Noch nicht ... noch nicht ...?« Erst als sich das Schweigen so lange hinzog, dass er schon merkte, wie er einnickte, sah Barrick auf.»Vogel? Skurn? Was geschah dann?« Er riss die Augen auf.»Wo bist du?« Gleich darauf kam einüberwiegend schwarzes Etwas mit schwerem Flügelschlag aus dem ewiggrauen Himmel herab, im Schnabel irgendein grässliches Gezappel.»mmm«, sagte das schwarze Etwas, während ihm noch die Mehrzahl der Beine vergeblich strampelnd aus dem Schnabel hing.»Fein. Erzählt es Euch später zu End, unsereins. Hat nämlich ein ganzes Nest von denen hier entdeckt. schmecken genau wie tote maus, eh sie zu aufgebläht ist und platzt. soll unsereins Euch auch ein, zwei davon holen?«»O Götter«, stöhnte Barrick und wandte sich angeekelt ab.»Wo immer ihr seid, ob lebendig oder tot, bitte, gebt mir Kraft.« Für so viel Dummheit hatte der Rabe nur ein verächtliches Schnauben.»Um Kraft zu beten, reicht nicht. Essen muss man, wenn man bei Kräften bleiben will.« 3 Im Seidenwald Der soterische Gelehrte Kyros wiederum berichtet, ein alter Kobold habe ihm erklärt, die Götter seien»uns hierher gefolgt« (nämlich aus einer ursprünglichen Heimat»jenseits der Meereswasser«). Eine Abhandlungüber die Elbenvölker Eions und Xands Ich habe einen Plan, Vogel.« Barrick Eddon löste eine weitere Dornenranke Widerhaken für Widerhaken von seinem Arm.»Einen sehr klugen Plan. D u findest mir einen Weg, der mich nicht durch jeden einzelnen Dornenbusch von ganz Zwielichtlerland führt ... und ich werde deinen hässlichen kleinen Schädel nicht mit einem Stein zermalmen.« Skurn h&&«&&«&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&&<> |