1. Kapitel
VORAHNUNGEN UND TRÄUME
»Wann fängst du an, Jack?«, fragte Cathy und legte sich zu ihm ins Bett.
Er war froh, dass es sein eigenes Bett war. So luxuriös das New Yorker Hotel auch gewesen sein mochte, es war und blieb ihm fremd, und überhaupt hatte er genug von seinem Schwiegervater, seiner Penthouse-Wohnung an der Park Avenue und seiner schrecklich aufgeblasenen Art. Okay, Joe Miller hatte gut neunzig Millionen auf der Bank und in diversen Depots, ein Vermögen, das unter der neuen Präsidentschaft noch kräftig zunahm, aber es reichte jetzt langsam.
»Übermorgen«, antwortete er. »Ich will nach der Mittagspause mal kurz vorbeischauen, nur um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.«
»Du solltest ein bisschen Schlaf nachholen«, sagte sie.
Genau da saß der Haken, wenn man mit einer Ärztin verheiratet war, dachte Jack so manches Mal. Einer solchen Frau ließ sich nicht viel verheimlichen. Sie hatte mit einer sanften Handberührung Körpertemperatur, Pulsfrequenz und wer weiß was noch erfasst, ließ aber von ihrer Diagnose genauso wenig durchblicken wie ein Pokerprofi von seinem Blatt.
»Ja, es war ein langer Tag.« In New York war es gerade erst kurz vor fünf am Nachmittag, doch sein »Tag« hatte um einiges länger gedauert als normale vierundzwanzig Stunden. Es wäre wirklich besser, wenn er lernen würde, im Flugzeug zu schlafen. Nicht, dass er unbequem gesessen hätte. Er hatte das vom Staat bezahlte Ticket zu einem Ticket für die erste Klasse umgetauscht und die Differenz aus eigener Tasche dazugezahlt, aber das würde er durch die Vielflieger-Bonuspunkte schon bald wieder zurückgewonnen haben. Großartig, dachte Jack. Auf den Flughäfen von Heathrow und Dulles war er demnächst bestimmt bekannt wie ein bunter Hund. Nun, immerhin hatte er einen neuen schwarzen Diplomatenpass, blieb also vor den üblichen Sicherheitskontrollen und dergleichen verschont. Offiziell war er der US-Botschaft Grosvenor Square in London zugeteilt, gleich gegenüber jenem Gebäude, in dem Eisenhower während des Zweiten Weltkriegs ein eigenes Büro unterhielt. Seinem diplomatischen Status verdankte Ryan eine Reihe von Vollmachten, die ihn über die Gesetze stellten und gewissermaßen zum Supermann machten. Er würde