2. Nützliche Konzepte
„Das Schöne ist ebenso nützlich wie das Nützliche.“
Victor Hugo
Je mehr unterschiedliche Wahrnehmungskonzepte für eine Problemlösung in Betracht gezogen werden, desto größer ist die Veränderungswahrscheinlichkeit in Bezug auf eine stabile Lösung. Denn vielleicht ist alles ganz anders. Eine andere Perspektive einzunehmen ist die Aufforderung zur Erkenntnis einer neuen Ordnung, eines neuen Erklärungsschemas, das Türen zu Lösungen öffnet und neue Ideen generiert. Die scheinbare Offensichtlichkeit, warum etwas ein Problem ist oder wo die Ursachen dafür zu suchen sind, führt häufig genug in die Irre. Es folgen einige Konzepte, um zu neuen Analysen und Lösungen zu kommen. Keines dieser Konzepte beansprucht Allgemeingültigkeit, sie ermöglichen aber einen Blick auf Veränderung, der hilfreich, ordnend und klärend wirkt. Vielfalt bringt Lösungen, denn die Lösung lauert überall. Und neu hinzusehen lohnt sich. Andere Fragen als sonst zu stellen hat schon so manches Problem gelöst.
2.1 Mikro- und Makroveränderungen
Anthropologen machten die Beobachtung, dass innerhalb einer Kultur manche Dinge leicht geändert werden können, andere dagegen äußerst resistent gegenüber Innovationen sind. Die heftigsten Widerstände auf technologischem, wirtschaftlichem, sozialem oder psychologischem Gebiet erfahren Vorschläge, die mit der Veränderung von etwas zusammenhängen, das für „heilig“ gehalten wird. Sobald der Eindruck entsteht, diese Veränderungen berührten bestehende Werte, Einstellungen oder Selbstdefinitionen (Identität), ist mit Schwierigkeiten in Form von verdeckter „Sabotage“ bis hin zu offenem Widerstand zu rechnen.
Auf der Ebene der Verhaltensweisen und Fähigkeiten sind Veränderungen jedoch relativ leicht zu erreichen. Wenn es um das einfache Erlernen von Verhaltensweisen, Bedienungsanweisungen, Rechenvorgängen oder Ähnliches geht, genügt oft ein spezielles Fachtraining oder eine On-the-job-Einführung in die neuen Abläufe. Diese Mikroveränderung (Verhaltens- und Fähigkeitenebene) wird nach einer kurzen Orientierungsphase schnell und ohne größere Schwierigkeiten in die bestehenden Arbeitsabläufe integriert und oft als Verbesserung oder Arbeitserleichterung rasch akzeptiert. Erfordert die Veränderung jedoch eine Einstellungsänderung oder gar das Infragestellen der Selbstdefinition, handelt es sich um eine Makroveränderung (Einstellungs-, Werte-, Identitätsebene), für die andere Bedingungen herrschen.
Mikroveränderungen | Makroveränderungen |
Ein Beispiel: Die Teilnahme an einem Computerkurs ist so lange kein Problem, wie es jemandem nur um das Erlernen einer neuen Software geht. Bedeutet das Bedienen des Computers jedoch etwas anderes, zum Beispiel dass die gute, alte Handwerksarbeit nichts mehr wert ist und der eigene Arbeitsplatz eigentlich überflüssig, werden Ebenen angesprochen, die sich mit einfachem gutem Zureden nicht erreichen lassen. Dann ist der Softwarekurs zu kompliziert, die Software unbrauchbar und die Arbeit strotzt vor Fehlern.
Erlebt der Einzelne die Bedrohung von Autonomie, das Infragestellen geltender Werte und Normen und den Verlust von Selbstwert und Anerkennung, sind dies deutliche Hinweise auf Veränderungen auf der Makroebene. Führungskräfte beziehungsweise Veränderungshelfer oder -berater, die in Unternehmen für Makroveränderungen (zum Beispiel Visionsimplementierung, neues Image, Umstellung auf Teamarbeit, Bereichsverlagerungen, Fusionen etc.) zuständig sind, wissen, wie herausfordernd der Umgang damit ist. Die neue Philosophie ist schnell propagiert. Die dafür notwendigen Veränderungen in der Selbstdefinition und die Schaffung neuer Werte und Einstellungen sind dann der schwierigere Teil der Aufgabe, der seine Zeit und Kompetenz braucht. Denn um den Wandel eines Unternehmens nicht nur auf Hochglanzpapier zu dokumentieren, muss sich ja die Umsetzung in jeder Ebene jedes einzelnen Mitarbeiters wiederfinden.
Es gilt: Je hartnäckiger sich ein Problem hält, das eigentlich einfach zu lösen wäre, umso eher ist es kein Sachproblem.
2.2 Die psycho-logischen Ebenen
Ein sehr brauchbares Konzept, um Veränderungen ausgehend von den Mikro- und Makroveränderungen zu verstehen und zu gestalten, ist das Modell der psycho-logischen Ebenen. Bei dem hier vorgestellten Modell handelt es sich um ein Raster, ein mögliches Diagnoseschema, eine Interventionsgrundlage, einen Hypothesenpool und mehr, um anstehende oder ablaufende Veränderungen bei Einzelnen, Teams und ganzen Unternehmen besser einordnen und verstehen zu können. Die Nützlichkeit des Konzepts steht dabei im Vordergrund, nicht die Wissenschaftlichkeit.
Aufbauend auf Arbeiten von Gregory Bateson, der das Le