Deutschsprachige Literatur
Beginnen wir mit den»Klassikern« der deutschen Literatur, an die Sie sich mit Sicherheit alle erinnern:
Johann Wolfgang von Goethe
(1749–1832, 1782 in den Adelsstand erhoben)
Mit wem sollte ein Kapitelüber deutsche Literatur beginnen, wenn nicht mit Johann Wolfgang von Goethe! Er war ein außerordentlich produktiver Mann, seine gesammelten Werke umfassen 60 Bände (Dünndruck!). Dabei war er keineswegs»nur« Schriftsteller. Zum einen hatte er von 1776 bis 1832 ein Amt als einer der höchstbezahlten Beamten im Herzogtum Weimar inne, zum anderen unternahm er zahlreiche und vielfältige naturwissenschaftliche Forschungen. Er entwickelte beispielsweise eine Farbenlehre und entdeckte den Zwischenkieferknochen des Menschen.
Aus der Fülle der Goethe-Werke die wichtigsten– oder auch nur berühmtesten– auszuwählen, ist schwierig. Hier ein Versuch:
Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand
(1773, Schauspiel)
Ausgangspunkt des Konflikts ist das Verhältnis zwischen Götz von Berlichingen und einem intriganten Freund, der den Kaiser dazu bewegt, von Berlichingen gefangen zu setzen. Dieser kann fliehen und lässt sich von den aufständischen Bauern (siehe Bauernkrieg) zu ihrem Anführer wählen. Letztlich aber verweigern sie ihm den Gehorsam, Götz verliert alles und stirbt im Gefängnis. Götz von Berlichingen ist eine historische Figur. Im Gegensatz zum literarischen wurde der»echte« Götzüber 80 Jahre alt und verließ die Burg Jagsthausen, wo die Freiherren von Berlichingen noch heute leben, nur selten. Einer der populärsten Flüche der deutschen Sprache geht auf dieses Theaterstück zurück:»Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!« (Ja, Sie haben richtig gelesen: Bei Goethe stehtim, nichtam.)
Die Leiden des jungen Werther
(1774, Briefroman)
Werther verliebt sich auf einem Ball in Lotte, die aber vergeben ist und seine Liebe außerdem nicht erwidert. Er reist ab und nimmt in einer anderen Stadt eine Stelle bei Hofe an, findet sich dort aber nicht zurecht und quittiert den Dienst. Er will Lotte wiedersehen– die aber ist inzwischen verheiratet und lehnt jeden Kontakt zu ihm ab. Als er einsehen muss, dass er sie niemals für sich wird gewinnen können, erschießt er sich. Der Roman gilt als das entscheidende Werk des Sturm und Drang.
Iphigenie auf Tauris
(1779, Drama)
Die Handlung folgtüber weite Strecken der antiken Vorlage von Euripides: Iphigenie ist die Tochter des Agamemnon und der Klytemnästra sowie die Schwester des Orest. Die Familie ist vom Unglück verfolgt: Erst opfert der Vater die Tochter den Göttern (sie wird aber gerettet); Jahre später ermordet Klytemnästra den Gatten, woraufhin Orest die Mutter tötet. Als durch eine sprichwörtliche Verkettung ungünstiger Umstände auch Orest sterben soll, nimmt die Handlungüberraschenderweise eine glückliche Wendung: Obwohl sie dieser vom Schicksal geschlagenen Familie entstammen, kommen Iphigenie und Orest mit dem Leben davon.
Torquato Tasso
(1780, Drama)
Schauspiel um den Dichter Torquato Tasso, der am Hof des Herzogs Alfons II. von Ferrara lebt. Torquato hat ein Werk fertiggestellt undüberreicht es dem Herzog. Wenig später taucht mit dem Politiker Antonio ein Konkurrent auf. Er setzt Tassos Idealismus den Realitätssinn eines Staatsmannes entgegen und reizt Tasso damit dermaßen, dass dieser schließlich den Degen zieht. Der Herzog verbannt ihn deswegen auf sein Zimmer. Tasso muss erkennen, dass Antonio bei Hofe wichtig ist, er hingegen nicht– was ihn schließlich dazu bewegt, nach Rom abzureisen. Torquato Tasso war ein italienischer Dichter des 16. Jahrhunderts, er ist also eine historische Figur.
Hermann und Dorothea
(1798, Versepos in Hexametern)
Die Handlung schildert die Folgen der Französischen Revolution für eine rechtsrheinische deutsche Kleinstadt, sie kontrastiert deren Ordnung und Beschaulichkeit mit der Anarchie in der Folge der Revolutionswirren. Der Deutsche Hermann, Sohn der wohlhabenden Wirtsleute am Ort, verliebt sich in das schöne Flüchtlingsmädchen Dorothea, die beiden werden ein Paar.
Wilhelm Meisters Lehrjahre
(1795/96, Roman)
Gilt als Inbegriff des Bildungsromans. Der Kaufmannssohn Wilhelm Meister verlässt sein bürgerliches Elternhaus und schließt sich dem Theater an. Dort geht er Liebesbeziehungen zu verschiedenen Frauen ein (wohlgemerkt: nacheinander!), die alle auch in andere Beziehungen verstrickt sind. Eine von ihnen bittet ihn auf dem Sterbebett, ihren ehemaligen Geliebten Lothario zu finden. Dieser bringt Meister dazu, die Welt des Theaters zu verlassen, am Ende kann Meister dank vieler Zufälle die Frau heiraten, die er schon lange liebt. Der RomanWilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden (ab 1807, erweiterte Fassung 1829) ist e