Während meiner akuten Krebsbehandlung, also in Chemo- und Strahlentherapie, hatte ich schmerzlich lernen müssen, den für mich völlig fremden und zumeist kalten Klinikbetrieb einer gigantischen universitären Einrichtung auszuhalten, ihn gar »schlucken« zu können – denn ich brauchte ja die Medizin. Was mir während dieser ganzen Zeit am meisten gefehlt hatte, war Menschlichkeit. Der schäbige Bau, die hässlichen, düsteren Gänge und trostlosen Wartezimmer störten mich nicht so sehr. Dagegen konnte ich etwas tun, mich ablenken, Bücher lesen, Musik hören. Wenn ich zum Beispiel auf den langen Fluren saß und wartete, bis ich für eine Untersuchung aufgerufen wurde, konnte ich mit meiner Freundin reden. Das seelenlose Miteinander aber, ob in der Sprache, der Gestik oder in der Haltung vieler Menschen, die in der Klinik arbeiteten und mich betreuten, war für mich in zahlreichen Augenblicken unerträglich. Manchmal wollte ich ausreißen und in die Welt hinausschreien: »Tut etwas dagegen!«
Häufig stellte ich mir die Frage, wie das arbeitende Personal dieses Betriebsklima überhaupt aushalten konnte. Oder gab es etwa ein Bündnis gegen uns, die wir Krebspatienten und so schwer krank waren? Nicht selten empfand ich mich sogar als den größten Störenfried, vor allem dann, wenn ich nach Erklärungen bezüglich me