: Franziska Steinhauer
: Spielwiese Peter Nachtigalls siebter Fall
: Gmeiner-Verlag
: 9783839236345
: Hauptkommissar Peter Nachtigall
: 1
: CHF 9.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 416
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Eine männliche Leiche auf einem Feld in der Niederlausitz - als menschliche Vogelscheuche an ein hölzernes Kreuz gebunden - ruft Hauptkommissar Peter Nachtigall auf den Plan. Kurze Zeit später wird ein zweiter Toter entdeckt, diesmal am Elbufer in Dresden. Beide Opfer waren beruflich im Frauenfußball engagiert. Aus mysteriösen Botschaften wird zudem klar: Es soll weitere Morde geben. Alles deutet darauf hin, dass die Taten mit der anstehenden Frauenfußball-WM in Deutschland in Zusammenhang stehen ...

Franziska Steinhauer ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt seit 1993 in Cottbus. Nach dem Abitur studierte sie Pädagogik. Seit 2004 arbeitet sie als freie Autorin. Die Schwerpunkte ihrer literarischen Tätigkeit sind Kriminalromane und Kurzgeschichten, in und um Cottbus und den Spreewald. 2014 hat sie außerdem ein Studium in Forensik (M.Sc.) an der Technischen Universität Cottbus abgeschlossen. Das hierdurch erworbene Wissen setzt sie ein, um die in ihren Krimis beschriebenen kriminaltechnischen Untersuchungen und die Rekonstruktion von Tathergängen realitätsgetreu darzustellen. Ihre psychologisch ausgefeilten Kriminalromane ermöglichen tiefe Einblicke in das pathologische Denken und Agieren des Täters. Mit Geschick verknüpft sie mörderisches Handeln mit Lokalkolorit und dem Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen.

3


»Eine Leiche in einem Feld! Glaubst du wirklich, das ist ein Mordopfer?«, fragte Albrecht Skorubski skeptisch. »Wahrscheinlich doch eher Drogen. Ein Bett im Kornfeld und dann eine zu hohe Dosis …«

»Der Arzt hat deutliche Anzeichen für einen nicht natürlichen Tod gefunden, meinte der Kollege vor Ort. Wir werden es ja gleich sehen.« Peter Nachtigall blickte seinen Freund besorgt an.

Die unnatürliche Blässe des anderen war ihm schon seit einigen Tagen aufgefallen.

»Geht es dir nicht gut?«

»Wie kommst du auf so was? Nein, alles in Ordnung. Nur schlecht geschlafen. Ist ja eigentlich ganz normal, bei der Hitze!«

Der Wagen holperte neben der Bahnstrecke entlang.

»Im Grunde kann der Tote noch nicht lange dort liegen.« Skorubski schob das Basecap auf dem inzwischen völlig kahlen Schädel hin und her. »Der Bauer kommt doch sicher regelmäßig vorbei. Und wenn jemand ins Feld läuft, bleiben die Spuren noch lange sichtbar.«

»Wenn er nicht vermisst wurde, kann die Leiche dort womöglich schon eine ganze Weile liegen«, murmelte Nachtigall nachdenklich. »Es sind noch Ferien.«

»Sag mal, Peter, ist dir nicht viel zu heiß in deinem schwarzen Outfit? Also ich könnte das gar nicht ertragen!«

»Mir ist nicht zu warm.« Nachtigall band seinen sommergekürzten Zopf wieder neu. »Es ist nur eine Frage der Gewöhnung!«

Michael Wiener, der jüngste Kollege in Nachtigalls Team, trat ruhelos von einem Fuß auf den anderen. »So was habt ihr noch nicht gesehen!«, begrüßte er die beiden aufgeregt.

»Ach komm! Was wir schon gesehen haben, ist doch gar nicht zu übertreffen!«, widersprach Albrecht Skorubski entschieden.

Nachtigall warf einen forschenden Blick in Wieners Gesicht. »Nicht schon wieder!«

Wiener grinste schief. Er wusste, sein Chef konnte den Anblick von Toten nur schwer ertragen und hatte – seiner Meinung nach – ein generelles Problem mit der Vorstellung, dass Menschen sterben konnten, besonders dann, wenn jemand nachgeholfen hatte.

»Teilweise skelettiert. Der Schädel ist eindeutig menschlich. Viel ist nicht mehr übrig. Jemand hat eine Leiche als Vogelscheuche aufs Feld gestellt«, erklärte er knapp.

Es dauerte einige Sekunden, bis sich diese sperrige Information verarbeiten ließ.

Wenige Schritte später starrte Peter Nachtigall entgeistert auf das, was die Tiere übrig gelassen hatten. Wiener hatte wirklich nicht übertrieben.

Eifrige Krabbeltiere überall, beleidigte Krähenvögel, die von den Strommasten und den näher gelegenen Bäumen Bosheiten in ihre Richtung schrien.

Einen hysterischen Moment brauchte er, um sich darüber klar zu werden, dass das hartnäckige Kribbeln an seiner Wade nur Einbildung war. Es kostete ihn alle Selbstdisziplin, die er aufzubringen vermochte, nicht einfach kehrtzumachen und wegzufahren.

»Das meiste haben wohl die Vögel angerichtet. Die Witterung der letzten Tage spielt natürlich auch eine Rolle. Wäre es feuchter gewesen, würden Sie hier nur noch Maden finden – aber so. Sie sehen ja …«, plapperte ein Gesicht, das Nachtigall völlig fremd war. »Die Maden haben unter der Kleidung Schutz gesucht.«

»Peter Nachtigall, Kriminalpolizei Cottbus. Und wer sind Sie?«

»Dr. Brand. Arzt vom Dienst. Todesursache kann der Rechtsmediziner vielleicht noch irgendwie ermitteln, aber ich könnte mir vorstellen, nur mit größten Schwierigkeiten.« Dr. Brand neigte sich näher zu Nachtigall hinüber und flüsterte vertraulich: »Ich bin ja von Haus aus Ophthalmologe. Und Augen sind ja … tja. Aber ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass es hier keinen Zweifel daran geben kann, dass dieser Mensch tot ist. Ich habe wenig Erfahrung damit, den Tod festzustellen, das gehört nun mal nicht unbedingt in mein Fachgebiet als Augenarzt. Und es wäre ja schon mehr als peinlich, wenn ich behaupte, jemand sei verstorben und am Ende treffe ich ihn zwei Wochen später im Blechen Carré beim Einkaufsbummel. So was Ähnliches ist einem Kollegen von mir tatsächlich passiert.«

Peter Nachtigall atmete tief durch.

Und bereute es sofort. Der Gestank war beinahe un­erträglich.

Er presste sich ein Taschentuch fest auf Mund und Nase.

Dieser Arzt ging ihm auf die Nerven. So sehr, dass er sich schon beinahe Dr. Manz, den jungen Notarzt, dem er ­gelegentlich an Tatorten begegnete und mit dem es auch nicht immer einfach war, an den Fundort wünschte.

»Wenn er ein sich schnell abbauendes Gift bekommen hat, wird man wohl einen Mord gar nicht mehr nachweisen können. Weichteilverletzungen wird der Gerichtsmediziner auch nicht mehr identifizieren können.« Der Augenarzt wiegte bekümmert den Kopf. »In diesen amerikanischen Serien …«

»Sie gehen also davon aus, dass der Körper völlig intakt war, als er hier«, Nachtigalls Adamsapfel hüpfte nervös, während der Ermittler nach einer passenden Formulierung suchte, »zur Schau gestellt wurde?« Dieser Fundort war ein einziger Albtraum.

Wahrscheinlich wäre es am besten, wenn Dr. Pankratz, der Rechtsmediziner, vorbeikommen könnte, um sich dieses Arrangement anzusehen, überlegte der Hauptkommissar und winkte Michael Wiener heran, der sich mit einer blassen, jungen Frau unterhielt.

»Wer ist das?«

»Anette Faun. Sie hat die Leiche gefunden.«

»Gefunden? Zufällig?« Das konnte eigentlich nicht stimmen, wurde Nachtigall sofort klar. Vom Weg aus war nicht zu erkennen, dass ein Skelett im Anzug der Scheuche steckte. »Das klären wir noch.« Er drehte sich zu Albrecht Skorubski um. »Ruf bitt

18
210
314
427
534
650
754
8105
9118
10132
11140
12150
13165
14168
15174
16176
17187
18192
19195
20216
21228
22243
23255
24261
25264
26284
27290
28295
29300
30304
31322
32336
33357
34370
Danksagung373