: Heinz Grill
: Die Schatten des Schah-in-Schah Sonderband
: Karl-May-Verlag
: 9783780216083
: 1
: CHF 11.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 512
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB

"Eine alternative Fortsetzung der Bände 26 und 27 von Karl Mays Gesammelten Werken. Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar und Sir David Lindsay geraten in die Fänge der unheimlichen„Schatten&l quo; und kommen bei dieser Gelegenheit einer groß angelegten Verschwörung auf die Schliche. Grill verstand es wie Karl May aus historischen Quellen zu schöpfen und diese in den Roman einzuarbeiten. Aus Fakten und Fiktion entsteht ein buntes Szenario, das in Atmosphäre und Spannung dem großen Vorbild nicht nachsteht. Mit einem Nachwort von Christoph F. Lorenz."

18. Beim kleinen Marschall(S. 325-326)

Vor dem Haustor stand ein Mann in halbmilitärischer Gewandung, der uns einen flüchtigen Blick zuwarf. Glücklicherweise entsprachen Schafei und ich in punkto Erscheinung etwa der Statur der beiden von mirüberwältigten Diener. Wir hatten die ihnen abgenommenen Mützen tief in die Stirn gezogen und bemühten uns, den Gang der beiden Burschen nachzuahmen, der insbesondere bei dem einen, der den linken Fuß etwas nachzog, ziemlich charakteristisch war. Außerdem hatte ich Dschafar von hinten am Kragen gepackt und schob ihn vor mir her, sodass seine Gestalt die unsere verdeckte. Auf diese Weise gelang uns das Wagnis, obwohl die helle Mittagssonne schien; der Mann ließ uns ungehindert und ohne ein Wort zu reden vorbei.

„Wohin nun?“, flüsterte Dschafar mir zu. Wir mussten so leise und heimlich sprechen, weil da und dort Menschen auf der Straße herumstanden, denen eine Unterhaltung zwischen dem gefesselten Staatsgefangenen und seiner Begleitmannschaft leicht verdächtig erscheinen konnte.„Zum Marschall Mänädschik“, gab ich ebenso zurück.„Aber wo ist dieser zu finden?“„Folgt mir nur, ich werde euch führen.“ Das war leicht, da ich den Mirza immer noch mit der Rechten von hinten gepackt hielt und also hinter ihm herging. Schafei schritt an meiner Seite. Wir bewegten uns in der Mitte der schmalen Straße. Die Menschen, die wir vorhin gesehen hatten, wohl durchwegs Lakaien oder Angehörige des Hofgesindes, beobachteten uns aus einiger Entfernung, sodass unsere Verkleidung nicht leicht durchschaut werden konnte, und dies umso weniger, als der Weg, den wir zurückzulegen hatten, gar nicht weit war.

„Dieses Gebäude zu unserer Linken enthält die Wintergemächer des Herrschers und den Spiegelsaal mit dem Thronsessel“, erklärte mir der Mirza, nach wie vor mit leiser Stimme.„Das nächste dort gehört dem Marschall.“ Wir traten in dieses ein. Der Posten, der davor stand, ließ uns, als er sah, wen wir brachten, ohne einen Blick auf unsere Gesichter vorbei. Unser‚Gefangener‘ führte unsüber den Hof drei Stufen empor bis zum‚Talar‘ des Hauses. Dort standen zwei wachhabende Offiziere.

Einer von ihnen, ein Hauptmann, trat vor.„Ah, da ist Dschafar Mirza, der leuchtende Stern am Abendhimmel Irans“, höhnte er.„Bleibt hier, ich werde ihn anmelden.“ Er trat in den Saal und wir blieben bei seinem Kameraden, einem Leutnant zurück. Nach wenigen Minuten erschien der Hauptmann wieder.„Seine Gnaden derÄmir-i Tuman1 wünscht den Gefangenen zu sehen“, sagte er. Der Leutnant ergriff Dschafars Arm und schritt mit ihm der Türe zu. Ich folgte sogleich mit Schafei.

„Halt!“, rief da der Hauptmann.„Ihr beide werdet nicht mehr gebraucht. Ihr könnt gehen!“ Ich tat, als hätte ich nichts gehört und ging weiter, Schafei desgleichen. Da eilte der Hauptmann uns nach und packte mich amÄrmel.„Seid ihr taub?“, brüllte er mich an.„Ihr sollt hier bleiben, habe ich gesagt!“ Was sollten wir tun? Uns den Eintritt erzwingen? Nein. Es konnte uns mehr schaden als nützen, wenn wir zu viel Aufmerksamkeit erregten. Andererseits musste es mir Dschafars wegen geboten erscheinen, in seiner Nähe zu bleiben. Ich beschloss also, zum Schein nachzugeben, aber nur, um alsbald auf eigene Faust zum Marschall vorzudringen. Ich gab Dschafar noch einen beruhigenden Wink. Während die Tür des Saales sich hinter dem Mirza und seinem Begleiter schloss, drehte ich mich um und verließ mit Schafei das Haus.

INHALT4
1. Ein rätselhaftes Bild6
2. Die Söhne des Lot19
3. In der ‚Rubinenkuppel‘42
4. Hassan Bajender Khan61
5. In der Gewalt der Bachtijaren73
6. Zur Stadt der Säfäwiden99
7. In Verkleidung112
8. Ghulam, der Pächter133
10. Die Herren von Isfahan170
11. Auf dem Friedhof201
12. Gewalt und List214
13. Ein alter Bekannter236
14. Zusammenstoß254
15. Am ‚Saum des Sandes‘267
16. In der Kadscharenstadt293
17. Ein Wiedersehen309
18. Beim kleinen Marschall326
19. Vor dem Pfauenthron344
20. Die Geschichte der ‚Schatten‘367
21. Die ‚Rose von Schiras‘382
22. In der Synagoge399
23. Vorbereitungen428
24. Ein geheimes Treffen445
25. Das Ende des Schattenreiches454
26. Im ‚Paradies‘484
Nachwort494
Personenverzeichnis509