Das war natürlich alles viel, viel schneller geschehen, als es erzählt werden kann, doch in solchen Fällen werden die Augenblicke zu Sekunden und die Sekunden zu Minuten und der Geist des Menschen arbeitet so rasch, dass zehn Entschlüsse sich in der Zeit folgen, die sonst ein einziger Gedanke erfordert.
Die drei mutigen Männer hatten keine Zeit, sich zu überzeugen, ob der Löwe tot sei. Obgleich ihre Aufmerksamkeit zunächst auf ihn gerichtet gewesen war, hatten sie doch ein zweites Brüllen, das gleich nach dem Krachen der Gewehre von fern erschollen war, nicht überhören können. Der Slowak war aufgesprungen, Abu Dihk ebenfalls. Sie lauschten, sie vernahmen die Stimme eines zweiten Löwen. Diese erklang aber nicht in einzelnen Abständen wie diejenige des ersten, sondern sie ertönte ununterbrochen fort, nicht so mächtig, nicht mit so donnerndem Schall, sondern in dumpf keuchender Wut; es war ein bissiges, nach Blut lechzendes Stöhnen, aus dem von Zeit zu Zeit ein knirschender Gaumenlaut hervorbrach wie eine verderblich züngelnde Flamme aus verborgener Glut. Man hörte dieser Stimme deutlich an, dass das Tier sich in raschen Sätzen näherte.
Da dort, wo die drei standen, das Feuer ausgelöscht worden war, befanden sie sich im dunklen Schatten des Felsens und konnten von den Arabern und Dschelabis nicht gesehen werden, und die Letzteren wussten also nicht, welchen Verlauf der Angriff des Löwen genommen hatte.
„Allah il Allah!“, hörte man die Stimme des Schechs. „Assad Bei, der Herdenwürger, hat alle drei ermordet und liegt nun bei ihren Leichen, um sie aufzufressen. Er hatte seine Frau bei sich, welche die Schüsse hörte und nun herbeigestürzt kommt, um ihm zu helfen. Sie wird sich auf uns werfen und uns zerreißen. Eure Leiber sind verloren, aber rettet eure Seelen, indem ihr mit mir die Sure Jesin betet und dann auch die Sure der Gläubigen, welche die dreiundzwanzigste des Korans ist!“
„Schweig!“, rief Schwarz ihm zu. „Wir leben und der Löwe ist tot. Durch dein Geschrei machst du seine Sultana auf dich aufmerksam und sie wird dich fassen!“
„Allah kehrim – Gott ist gnädig!“, antwortete der Feigling. „Ich bin still! Aber schießt sie tot, die Sultana; schießt auch sie tot, damit sie mit ihrem Mann dahin fahre, wo die Hölle am schrecklichsten ist!“
Obgleich Schwarz dem Schech geantwortet hatte, war er bemüht, jeden Augenblick auszunützen. Er zog zwei Patron