: Karl May
: Euchar A. Schmid
: Der blaurote Methusalem Eine lustige Studentenfahrt nach China, Band 40 der Gesammelten Werke
: Karl-May-Verlag
: 9783780215406
: 1
: CHF 6.10
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: Hauptwerk vor 1945
: German
: 512
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwischen Dieben, die Götterbilder stehlen, Beamten, die gegen klingende Münze einsperren und auch wieder laufen lassen, und gefährlichen Dschunkenpiraten spielt diese humorvolle wie auch spannende Erzählung. Karl May zeichnet in ihr ein farbenprächtiges Bild vom damaligen China. Die vorliegende Erzählung spielt in der ersten Hälfte der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts

Hongkong heißt bei den Chinesen Hiang-Kiang und ist eine bergige Insel, die rechts vor dem Eingang des Mündungsgolfes des Tschu-kiang liegt. Es besitzt einen der besten Häfen des chinesischen Reiches und kann als das englische Gibraltar des Ostens angesehen werden. Die Hauptstadt ist Viktoria. Sie ist ganz europäisch gebaut, hat breite Straßen, schöne große Häuser, großartige Warenspeicher und elegante Villen. Wer chinesisches Leben kennenlernen will, wird sich hier nicht verweilen, sondern die erste Gelegenheit benutzen, nach Kanton zu gehen, was ja auch die Absicht des ‚blauroten Methusalem‘ war.

Als dieser mit seinen Begleitern das Hotel erreichte, hörten sie aus dem Innern die laute, zornige Stimme Turnersticks erschallen. Sie traten in die Restaurationsstube und sahen da den Kapitän, umgeben von den in langen, blauen Gewändern steckenden Kellnern und mehreren Polizisten. Diese Letzteren stammen meist aus Vorderindien, tragen dunkelblaue Uniformen und rote Turbane und sind mit kurzen Keulenstäben bewaffnet.

Diese Leute hörten die Erzählung des Seemanns an, konnten aber nichts verstehen, da er nicht dazu zu bringen war, Englisch zu sprechen. Er stieß die ihm im Wege Stehenden beiseite, eilte auf den Methusalem zu und sagte: „Es ist unerhört, wirklich unerhört! Erst zwingt man mich, in der wohlbezahlten Sänfte zu laufen, und dann, als ich mich darüber beschweren will, kann kein einziger dieser Eingeborenen Chinesisch verstehen. Es ist zum Verzweifeln!“

„Sie irren sich, Kapitän, wenn Sie diese Leute für Eingeborene halten“, belehrte ihn der Angeredete. „Sprechen Sie doch Englisch, so wird man Sie verstehen.“

„Englisch? Fällt mir gar nicht ein! Wenn ich mich in China befinde, so bediene ich mich der Sprache des himmlischen Reiches. Ich kann verlangen, dass man mich versteht, mich, einen Mandarin von achtzehnhundert Sapeken!“

„Sie sind doch nicht in China, sondern in England, Hongkong ist englische Besitzung.“

„Das weiß ich wohl; aber ich verlange, dass man auch hier sich meiner Sprachkenntnisse erfreue. Wissen Sie, was mir passiert ist?“

„Ja. Es hat Ihnen beliebt, in einer Sänfte Dauerlauf zu üben.“

„Beliebt? Wollen Sie mich auch noch foppen? Gezwungen hat man mich, hinterlis