: Lucia Esther Momo Rita Müller
: Hochbegabte Schülerinnen und Schüler. Möglichkeiten der Identifikation und Förderung
: Grin Verlag
: 9783638579148
: 1
: CHF 33.50
:
: Bildungswesen
: German
: 117
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Examensarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik, Note: 1,0, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit richtet sich in erster Linie an (zukünftige) Lehrkräfte, da Hochbegabung im schulischen Umfeld den Schwerpunkt der Betrachtungen und Analyse darstellt. Darüber hinaus sollen Eltern hochbegabter Kinder auf Möglichkeiten der Identifikation und Förderung aufmerksam gemacht werden. Der Anteil hochbegabter Kinder und Jugendlicher liegt in Deutschland bei 2-3 Prozent pro Jahrgang. Geht man von einer Klassenstärke von 25 bis 30 Kindern aus, so folgt, dass rechnerisch gesehen in ungefähr jeder zweiten Schulklasse ein hochbegabtes Kind sitzt. Hochbegabung ist demnach ein durchaus präsentes Phänomen in den Schulen, mit dem es sich auseinander zu setzen lohnt. Ziel dieser Arbeit ist zuächst, jene Fragen zu klären, die sich im Zusammenhang mit dem oftmals unreflektiert verwendeten Begriff der Hochbegabung ergeben. Neben einer Begriffsbestimmung und der Systematisierung unterschiedlicher Hochbegabungsdefinitionen sollen ausgewählte Modelle der Hochbegabung vorgestellt werden. Im Anschluss wird dargelegt, welche Eigenschaften typisch für das Verhalten hochbegabter Kinder und Jugendlicher sind. In der Tat unterscheiden sich intellektuell hochbegabte Schülerinnen und Schüler in einer Reihe von Merkmalen von ihren durchschnittlich begabten Altersgenossen. Hieraus können sich verschiedene Schwierigkeiten schulischer, persönlicher und sozialer Art ergeben. Es wird daher auf mögliche Problemfelder, wie schulische Unterforderung und Minderleistung, eingegangen. In den folgenden Abschnitten dieser Arbeit werden Möglichkeiten der Identifikation und Förderung hochbegabter Schülerinnen und Schüler angesprochen. Neben der Bedeutung und Notwendigkeit von Diagnose werden Überlegungen zu deren Zeitpunkt und möglichen Fehlern dargelegt. Schließlich sollen verschiedene Verfahren zur Identifikation Hochbegabter vorgestellt und bewertet werden. Im anschließenden Kapitel zur Hochbegabtenförderung soll zunächst geklärt werden, weshalb hochbegabte Kinder und Jugendliche überhaupt einer Förderung bedürfen. Nach einigen allgemeinen Überlegungen die Förderung betreffend, sollen mögliche Förderformen für hochbegabte Schülerinnen und Schüler dargelegt und bewertet werden. Ziel ist eine Darstellung dessen, was bereits möglich ist, vielerorts aber schlichtweg mangels Information oder Engagement nicht umgesetzt wird. Ingesamt soll dazu beigetragen werden, hochbegabte Kinder und Jugendliche besser verstehen, erkennen und fördern zu können

III. Merkmale im Verhalten hochbegabter Kinder und Jugend- licher und mögliche Problemfelder


 

Intellektuell hochbegabte Kinder und Jugendliche unterscheiden sich in einer Reihe von Merkmalen von ihren durchschnittlich begabten Altersgenossen. Hieraus können sich Probleme in zwei Bereichen ergeben. Zum einen interne Probleme durch eine fehlende Synchronisation der motorischen und seelischen mit der kognitiven Entwicklung und zum anderen externe Probleme durch Erwartungen der Mitmenschen, die sich nur am Alter des Kindes orientieren (vgl. Fels 1999, S. 70). Bei stetiger schulischer Unterforderung besteht darüber hinaus die Gefahr der schulischen Minderleistung.

 

1. Merkmale hochbegabter Kinder und Jugendlicher


 

Die im Folgenden erläuterten Charakteristika (vgl. hierzu Fels 1999, S. 72; BMBF 2003, S. 23 ff.; Fischer et. al. 2005, S. 5 ff.) dürfen zwar als wissenschaftlich fundiert betrachtet werden, doch soll daran erinnert werden, dass bei kaum einem hochbegabten Kind oder Jugendlichen alle Eigenschaften gleichzeitig auftreten. Denn Hochbegabte sind keine homogene Gruppe, sondern können sehr unterschiedliche Profile zeigen.

 

Zu den Merkmalen des Lernens und Denkens hochbegabter Kinder und Jugendlicher zählt eine schnelle Auffassungsgabe, überdurchschnittliche Intelligenz und ein gutes Gedächtnis. Sie lesen zumeist viel, intensiv und mit breitem Interesse. Dabei bevorzugen sie Bücher, die deutlich über ihre Alterstufe hinausgehen. Aus diesem Grund besitzen viele Hochbegabte einen ungewöhnlichen Wortschatz für ihr Alter. Bereits im Kindesalter verfügen sie über eine ausdrucksvolle, ausgearbeitete und flüssige Sprache. In einzelnen Bereichen haben sie aufgrund der ausgeprägten Fähigkeit, sich Fakten schnell merken zu können, zudem ein enormes Detailwissen. Bei schwierigen Aufgaben gelingt es ihnen leicht, die zugrunde liegenden Prinzipien zu durchschauen. Sie bearbeiten daher bevorzugt abstrakte und komplexe Inhalte oder Problemstellungen und zeichnen sich durch kreatives Problemlösen aus. Da hochbegabte Kinder und Jugendliche viele Details oder Nebengedanken in die Überlegungen mit einbeziehen, laufen sie jedoch Gefahr, dabei Struktur und Überblick zu verlieren. Ihre Arbeitsweise wird häufig als penibel, fast perfektionistisch, beschrieben. Dem eigenen Tempo oder Ergebnis stehen sie eher kritisch gegenüber, denn sie setzen sich hohe Leistungsziele und wollen Aufgaben mit einem Minimum an Anleitung lösen.

 

In der Schule wirken hochbegabte Kinder und Jugendliche oftmalsgeistig abwesend oder drängen auf ständige eigene Wortmeldungen. Sie hinterfragen bevorzugt Sinnzusammenhänge. Mit Erklärungen wie „das ist halt so“ oder „das machen wir später“ zeigen sie sich deutlich unzufrieden. Trotz richtiger Lösungen ist es ihnen öfter nicht möglich, die eigenen Denkwege anzugeben. Bei Routineaufgaben haben sie viele Flüchtigkeitsfehler und arbeiten mitunter sehr langsam. Hochbegabte verhalten sich bei Langeweile teilweise störend und aufmerksamkeitsheischend. Auf Lärm reagieren sie relativ empfindlich.

 

Das Sozialverhalten hochbegabter Kinder und Jugendlicher ist zumeist durch eine Orientierung an Älteren oder Erwachsenen geprägt. Sie besitzen eine gute Kommunikationsfähigkeit und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die Meinungen von Autoritäten wie Lehrern oder anderen Erwachsenen akzeptieren sie erst nach kritischer Prüfung und mischen sich oftmals wertend in Konflikte ein. Gegenüber politischen und sozialen Problemen verfügen sie über großes Einfühlungsvermögen und Aufgeschlossenheit. Gerne beschäftigen sie sich mit Begriffen wie Recht und Unrecht, Gut und Böse. Sie neigen zu Individualismus und dazu, schnell über Situationen bestimmen zu wollen. Generell beschäftigen sich hochbegabte Kinder und Jugendliche gerne mit sich und sind eher zurückgezogen. Aus diesem Grund ist ihre Akzeptanz bei Gleichaltrigen oftmals polarisiert.

 

2. Mögliche Problemfelder


 

Aus den zuvor beschriebenen Merkmalen kann eine Reihe von Entwicklungsproblemen resultieren, die im persönlichen, sozialen oder auch schulischen Bereich angesiedelt sind. Selbstverständlich stößt nicht jedes hochbegabte Kind auf diese Probleme, doch sie treten bei Hochbegabten gehäuft auf. Es ist daher wichtig, den Zusammenhang der zwischen möglichen Problemfeldern und Hochbegabung zu kennen um entsprechend gegenwirken zu können.

 

2.1. Dyssynchronien


 

Die Entwicklungsaufgaben des Kindesalters lassen sich in mehrere Persönlichkeitsaspekte aufteilen, die den Bereichen Kognition, Emotion, Motorik, Affekt und Sozialverhalten zugeordnet werden können (vgl. Fels 1999, S. 7