Die Auswahl des 1962 veröffentlichten Romans La muerte de Artemio Cruz von Carlos Fuentes, im Deutschen auch erschienen unter dem Titel Nichts als das Leben, geht meinerseits zunächst auf das Interesse an dem international renommierten Autor und zudem Neugierde auf die, mir bekannte, extravagante Struktur des Roman zurück. Entstanden 1960/61, kurze Zeit nach der kubanischen Revolution, ist La muerte de Artemio Cruz die kritische Abrechnung des Autors mit den Ergebnissen der bürgerlichen Revolution in Mexiko, es ist die schwierige Suche nach einer mexikanischen Identität und gleichzeitig das Werk, mit dem Fuentes den Durchbruch zu weltliterarischer Anerkennung erzielte. Grund hierfür war nicht nur die Thematik, sondern vor allem auch die Struktur des Romans, die Erzählweise des Autors, der mit innovativen Techniken wie Fragmentierung, verschiedenen Perspektiven des inneren Monologes, sowie Zeit- und Sprachexperimenten etwas gänzlich Neues im Bereich der modernen Narrativik im Lateinamerika der sechziger Jahre geschaffen hat. Fuentes Werk präsentiert sich dem Leser also nicht nur in Hinsicht auf die Thematik in einer bemerkenswerten Komplexität und Vielschichtigkeit. Aufgrund dessen gestaltet sich die Wiedergabe des Romans nicht ganz einfach. Nach einigen einführenden Erläuterungen zum Autor Carlos Fuentes, die ich für das Verständnis seines Werkes als wichtig erachte, werde ich mich daher zunächst der komplizierten Struktur des Romans widmen, um im Anschluss, gegen die Erzählchronologie des Textes, den Inhalt wiederzugeben. Im Folgenden werde ich anhand von den schon von Octavio Paz aufgebrachten vier Ebenen, der Zeit, der Sprache, dem Mythos und der Geschichte (Sauter de Maihold 1995: 97), auf die Interpretationsmöglichkeiten, br />derer es unzählige zu geben scheint, eingehen, um dann mit einer Bewertung des Werkes vorliegende Arbeit zu beschließen. |