Die Liebesangst Roman
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Anne B. Ragde
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Die Liebesangst Roman
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btb Verlag
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9783641040284
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1
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CHF 2.70
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Erzählende Literatur
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German
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288
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB/PDF
Über Liebe, Sex und alles, was dazugehört
Ingunn, 39, äußerst attraktiv und erfolgreich, ist eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben. Sie kann jeden Mann haben, den sie will, und sie nimmt sich auch jeden, der ihr gefällt. Hauptsache, es sind keine Gefühle im Spiel! Denn Ingunns größte Angst ist es, verlassen zu werden; sie will diejenige sein, die verlässt. Doch dann lernt sie durch Zufall Tom kennen und verliebt sich auf der Stelle in ihn – für Ingunn ein Dilemma, beherrschte doch bisher der Kopf und nicht der Bauch ihre Gefühle und ihr Handeln. Auch wenn sie sich noch so sehr dagegen sträubt, Toms ernst gemeinten Avancen nachzugeben, kann sie die Veränderung in ihrem Leben nicht aufhalten. Als sie auch noch erfährt, dass sie schwanger ist, bekommt ihre sonst so professionelle Hülle endgültig Risse …
Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens und wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit ihren Romanen »Das Lügenhaus«, »Einsiedlerkrebse« und »Hitzewelle« gelang ihr einer der größten norwegischen Bucherfolge aller Zeiten. Nachdem Anne B. Ragde zunächst angekündigt hatte, die Lügenhaus-Serie nicht weiterzuschreiben, erscheint nach »Sonntags in Trondheim« und »Die Liebhaber« mit »Rückkehr« das große Finale der auch in Deutschland gefeierten Buchserie.
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14
(S. 38-39)
Irgendwann glaubte sie, gar nicht mehr aufältere Männer zu stehen. Sie wollte sie immer jünger und straffer und ausdauernder. Junge Männer hatten glattrasierte, seidenweiche Pornomurmeln, waren am Oberarm tätowiert, und sie hatten einen iPod, den sieüberall herumliegen ließen, gern auf dem Badezimmerboden, während sie duschten, iPods waren offenbar wasserdicht. Als sie anfing, sich ernsthaft Sorgen um ihre sexuelle Regression zu machen, lernte sie glücklicherweise den Shell-Mann kennen, einen uralten Kerl, der mehrere Tankstellen in Møre besaß. Er war weitüber fünfzig, und sie hatte ihn per E-Mail gefragt, ob er Viagra brauche, um in Fahrt zu kommen.
Er stritt es energisch ab. Und es stimmte. Er gab ihr den Glauben zurück, in sexueller Hinsicht nicht von dem abzuweichen, was als»normal« bewertet wurde. Dennoch geriet sie beim Anblick junger Männer ständig in Versuchung. Auch stellten diese ihre Bilder immer gleich ins Netz, sie musste nicht extra danach fragen. Und die jungen Kerle lehntenältere Frauen durchaus nicht ab, sie wussten aus Erfahrung, dass Mädchen ihres Alters lange nicht so freizügig waren wie erfahrene Frauen. Zum Aufreißen hielt sie sich an dieüblichen Netforen. Ab und zu versuchte sie es auch auf MILF, aber sie antwortete nie den Jungs, die sich dort herumtrieben.
Letztendlich war ihr dort alles zu konkret und taktlos, zu sehr Porno. Außerdem identifizierte sie sich nicht mit den Frauen, die sich dort fotografieren ließen, dazu war sie eigentlich noch zu jung. In den gängigen Foren wimmelte es nur so von jungen Männern. Sie füllten ihr Profil nicht mit Floskelnüber idiotische Ausflüge in Wald und Wiese oder damit, dass sie den Kilimandscharo und den Mount Everest bestiegen hatten.
Sie prahlten nicht damit, nur maßvoll Alkohol zu konsumieren, und faselten nicht irgendetwasüber exotische Länder, die sie bereits bereist hatten oder noch gern besuchen würden. Auch gaben sie nicht damit an, was für ein großes Boot oder welchen leistungsstarken Torschlusspanikkubikmotor sie fuhren, wie es dieälteren Kandidaten gerne taten. Am wenigsten gefiel es Ingunn, wennältere Männer im Intro lang und breit beschrieben, wie oft sie in der Woche trainierten. Sie nannten konkrete Zahlen für ihre Trainingsgewohnheiten, sie fand das jämmerlich. Wollten sie damit sexuelle Leistungsfähigkeit andeuten? Etwasüber ihr Aussehen sagen? Oderüber mutmaßliche Lebensdauer und niedrigere Versicherungsprämien?
Die jungen Männer hingegen wussten genau, was sie wollten. Das war den Bildern im Netz anzusehen, dem Blick und dem angedeuteten Lächeln. Meist waren es amateurhafte MMS-Bilder, mit dem Handy und ausgestrecktem Arm aufgenommen, oft im Badezimmer, wo das Licht das beste war. Sie sahen ganz einfach geil aus. Sie sahen aus, als würden sie in der nächsten Sekunde in jemanden eindringen, glücklich, erwartungsvoll, furchtlos und zum Bersten mit Sperma gefüllt; unsterblich, mit ihren jungen Körpern und Flüssigkeiten: Schweiß, Sperma, Speichel."