: Barbara Demel
: Karrieren von Expatriates und Flexpatriates Eine qualitative Studie europaweit tätiger ManagerInnen aus Österreich
: Rainer Hampp Verlag
: 9783866185586
: 1
: CHF 31.10
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: Astronomie
: German
: 435
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Was verstehen Sie unter Karriere? Wann fühlen Sie sich in Ihrer Karriere erfolgreich? Was beeinflusst Ihre Karriere? Wonach streben Sie in Ihrer Karriere? Diese Fragen sind in der Karriereforschung bekannt. Empirische Ergebnisse für einige signifikante Gruppen der heutigen Arbeitswelt, wie Personen mit internationalen Karrieren, sind allerdings rar. Im Zentrum der vorliegenden, qualitativen Studie, die sich mit Wahrnehmungen und Auffassungen von Karriere und Karriereerfolg beschäftigt, stehen Expatriates, die für mindestens ein bis fünf Jahre im Ausland arbeiten und wohnen, und Flexpatriates, die häufig und regelmäßig beruflich ins Ausland fliegen. Konkret werden Konzeptionen von Karriere und Karriereerfolg, mit Augenmerk auf die Dualität subjektiver und objektiver Dimensionen, kontextuelle Einflussfaktoren sowie individuelle Karrieremotive und -aspirationen erhoben. Da alle Befragten in Dual-Career Couples leben, wird zudem das Spannungsfeld zwischen Karriere und Privatleben berücksichtigt. Nachdem das international mobile Sample in ost- und westeuropäischen Ländern tätig ist, wird regionsbezogenen Unterschieden zusätzlich Achtung geschenkt. Um Besonderheiten von Ex- und Flexpatriates hervorzuheben, werden beide Gruppen mit sogenannten Non-Internationals verglichen, die beruflich in keiner Weise international mobil sind. Insgesamt zeigt sich, dass Karriere und Karriereerfolg zunehmend subjektorientiert und unabhängig von organisationalen Strukturen verstanden wird. Die Person selbst kristallisiert sich als zentrale Dimension und Einflussgröße heraus. Durch den qualitativen Vergleich können besondere Charakteristika der drei Subsamples verdeutlicht werden: Zusammenfassend erweisen sich Flexpatriates, die bisher empirisch noch wenig erforscht sind, als sehr spezifische Gruppe. Expatriates und Non-Internationals sind sich in der Gegenüberstellungüb rraschendähnlich.

Barbara Demel, studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre an der WU Wirtschaftsuniversität Wien, wo sie anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Interdisziplinären Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich Orientiertes Management (IVM) tätig war. Ihr Doktoratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften schloss Frau Demel im Juni 2009 mit Auszeichnung ab. Als Postdoc und Research Associate der IVM beschäftigt sie sich vorrangig mit interkulturell unterschiedlichen Auffassungen von Karriere und Karriereerfolg, mit Karriereaspirationen und verschiedenen Ausprägungen internationaler Mobilität.

4. Sample und Methode (S. 125-126)


Methodologisch liegt dieser Arbeit das interpretative Paradigma zugrunde (Lamnek, 1988). Die Welt wird nicht als objektiv gegeben betrachtet, sondern vielmehr als subjektiv interpretierbar undüber individuelle, kognitive und soziale Prozesse konstruiert (u.a. Young& Collin, 2004: 375).

Um tiefgehenden Einblick in das Selbst- und Wirklichkeitsverständnis sowie die„Lebensentwürfe, Deutungsmuster und Interaktionskonstellationen“ (Hurrelmann, 1991: 361) des vorliegenden Samples (siehe Kapitel 4.1) zu bekommen, wurde ein qualitativer Zugang gewählt, als qualitativ-verstehender Ansatz im Gegensatz zum quantitativ-erklärenden (Mayring, 2003: 17- 18). Ersterer„versteht sich dabei immer dahingehend, Gegenstände, Zusammenhänge und Prozesse nicht nur analysieren zu können, sondern sich in sie hineinzuversetzen, sie nachzuerleben oder sie zumindest nacherlebend sich vorzustellen“ (Mayring, 2003: 17). Während bei der qualitativen Forschung das Besondere, das Einmalige und Individuen im Vordergrund stehen, setzen quantitative Forscher am Allgemeinen, an Prinzipien, Regeln oder Gesetzen an; im Zentrum stehen die statistische Verarbeitung von Daten, Quantifizierbarkeit und Hypothesenprüfung (Heinze, 2001: 17). Zu den Aufgaben qualitativer Analyse zählen hingegen vor allem Theorieund Hypothesengenerierung, die Durchführung von Pilotstudien, Vertiefungen, Einzelfall- und Vergleichsstudien sowie von Klassifizierungen (Mayring, 2003: 21-22).

In Bezug auf die vorliegende Arbeit sieht die Autorin die erwähnten Grundgedanken der qualitativen Forschung als erfüllt an: In der zentralen Forschungsfrage– Wodurch unterscheiden sich Expatriates und Flexpatriates im Hinblick auf ihre Konzeptionalisierung von Karriere und Karriereerfolg? (siehe Kapitel 1.1)– wird bereits klar, dass Individuen, deren erfahrbare Wirklichkeit mit individuellen Einstellungen und Werten, im Vordergrund stehen und keine Gesetze oder gesetzesähnliche Aussagen. Es geht um die„Analyse der Innenseite individuellen Erlebens“ (Heinze, 2001: 28). Im Fokus stehen noch zu wenig erforschte Konzeptionalisierungen von Karriere und Karriereerfolg, das Nachvollziehen individueller Maßstäbe, Einflussfaktoren und Aspirationen sowie das Verstehen unteschiedlicher Zusammenhänge im Spannungsfeld zwischen Arbeit und Privatleben (siehe Sub-Forschungsfragen Kapitel 1.1). Ein vielschichtiges Zusammenspiel wird analysiert. Dafür eigenen sich qualitative Ansätze insbesondere, denn„qualitative Sozialforschung ist immer dann zu empfehlen, wenn der Gegenstand komplex, unübersichtlich, teilweise oder ganz unbekannt ist oder auch, wenn er zwar einfach erscheint, aber vermutlich komplexer ist“ (Heinze, 2001: 27). Zudem finden sich zentrale Aufgaben qualitativer Studien in der vorliegenden Arbeit wieder. Die Untersuchung ist als Vergleichsstudie (siehe u.a. Flick, 2004: 254) konzipiert, weist in einigen Aspekten Pilotcharakter auf (vor allem bezüglich Karriere- und Erfolgskonzeptionalisierungen sowie im Hinblick auf das Sub-Sample der Flexpatriates) und soll der Vertiefung, Erweiterung und Generierung von Theorie dienen.

Trotz Angemessenheit der Methode für den Forschungsgegenstand, ist der Autorin die Kritik an qualitativer Forschung durchaus bewusst. Vor allem eine stärkere Beeinflussung des Forschungsgegenstandes durch den Forscher, eine mangelnde intersubjektive Nachvollziehbarkeit und ungenügende Verallgemeinerbarkeit aufgrund kleinerer Stichproben sowie ein niedrigeres Maß an Standardisierung bei Vergleichsstudien werden qualitativen Studien angelastet (siehe u.a. Mayring, 2003: 18, auch im Vorwort; Flick, Kardorff,& Steinke, 2004: 25). Dennochüberwiegen für die Autorin die Vorzüge des qualitativen Ansatzes. Qualitative Forschung ist in ihren Zugangsweisen zu den untersuchten Objekten offener, und ihnen gelingt eine bessere Annäherung (Flick et al., 2004: 17). Durch den hohen Grad an Differenziertheit und Vielgestaltigkeit wird auch Wirklichkeitsnähe und Lebendigkeit erreicht (Heinze, 2001: 25). Durch sie kanndie Perspektive der Betroffenen eingenommen und die subjektiven und sozialen Konstruktionen ihrer Welt eher verstanden und im Weiteren berücksichtigt werden. Während quantitative Forscher für die Konzipierung ihrer Messinstrumente die hinreichende Klärung des Forschungsgegenstandes benötigen und voraussetzen, ist die qualitative Forschung offen für Neues, Unbekanntes, für unterschiedliche Erfahrungswelten (Flick et al., 2004: 17). Zudem wird versucht, Güte und Reliabilität auch in der vorliegenden qualitativen Erhebung bestmöglich zu erreichen (siehe Kapitel 4.3.3).

Auf weiterführende Diskussionen zur Unterscheidung zwischen qualitativer und quantitativer Forschung und jeweiliger Kritik soll an dieser Stelle zitativ verwiesen werden (u.a. Bortz& Döring, 2002: 294 ff.).

In diesem Kapitel werden nun zunächst das Sample und die Kriterien der Sampleauswahl vorgestellt und begründet (siehe Kapitel 4.1). Im Anschluss folgt die Erläuterung der qualitativen Erhebungsmethode (siehe Kapitel 4.2) und des gewählten Analyseverfahrens (siehe Kapitel 4.3). Abschließend wird auf die Gütekriterien in der qualitativen Forschung eingegangen (siehe Kapitel 4.3.3). In jedem Abschnitt wird direkter Bezug zur vorliegenden Arbeit genommen.

4.1. Sample


Die gesamte Studie umfasst zwei zentrale Teilsamples anösterreichischen Managern: Expatriates, die für einen bestimmten Zeitraum (ca. 1 - 5 Jahre) im Ausland wohnen, und Flexpatriates, die regelmäßig und häufig ins Ausland fliegen (für detailliertere Definitionen siehe Kapitel 2.4).

Vorwort6
Inhaltsübersicht8
Inhaltsverzeichnis10
Tabellenverzeichnis13
Abbildungsverzeichnis15
1. Einleitung16
1.1. Einführung und Forschungsfrage16
1.2. Aufbau der Arbeit19
2. Stand der Forschung21
2.1. Karriereforschung – Eine Einführung21
2.2. Karriere27
2.2.1. Begriffsabgrenzung27
2.2.2. Forschungsschwerpunkte und Entwicklungen28
2.3. Karriereerfolg53
2.3.1. Begriffsabgrenzung53
2.3.2. Entwicklungen und Forschungsschwerpunkte53
2.4. Globale Karriere und internationale Mobilität65
2.4.1. Begriffsabgrenzung65
2.4.2. Forschungsschwerpunkte und Entwicklungen66
2.5. Dual-Career Couples88
2.5.1. Begriffsabgrenzung88
2.5.2. Entwicklungen und Forschungsschwerpunkte90
3. Theoretisch-konzeptioneller Rahmen98
3.1. Forschungsleitende Theorien und Konzepte98
3.1.1. Karriere und Karriereerfolg99
3.1.2. Einflussfaktoren auf Karriere und Karriereerfolg107
3.1.3. Dual-Career Couples und das Spannungsfeld zwischen (internationaler) Karriere und Privatleben112
3.2. Zusammenführendes Modell123
3.3. Forschungsleitende Annahmen127
3.3.1. Konzeptionalisierung von Karriere und Karriereerfolg128
3.3.2. Wahrgenommene Einflussfaktoren auf Karriere und Karriereerfolg131
3.3.3. Individuelle Karrieremotive und -aspirationen135
3.3.4. Das Spannungsfeld Karriere – Privatleben137
3.3.5. Zusammenschau zentraler Annahmen139
4. Sample und Methode140
4.1. Sample141
4.2. Datenerhebung – das Leitfadeninterview146
4.3. Datenauswertung – die qualitative Inhaltsanalyse148
4.3.1. Zusammenfassende Inhaltsanalyse148
4.3.2. Kategoriensystem149
4.3.3. Gütekriterien151
4.4. Methodischer Steckbrief153
5. Ergebnisse154
5.1. Karriere155
5.1.1. Kategorien zu Karrierekonzeptionen156
5.1.2. Gesamtes Sample159
5.1.3. Expatriates162
5.1.4. Flexpatriates163
5.1.5. Vergleich Expatriates ver