: Lars-Oliver Gusig, Arne Kruse, Thomas Baumann et al.
: Fahrzeugentwicklung im Automobilbau Aktuelle Werkzeuge für den Praxiseinsatz
: Carl Hanser Fachbuchverlag
: 9783446424685
: 1
: CHF 21.30
:
: Maschinenbau, Fertigungstechnik
: German
: 278
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Die Automobilindustrie ist der umsatzstärkste Wirtschaftszweig in Deutschland. In den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Hersteller und Zulieferer werden branchenweit 18 Mrd. EUR für neue Fahrzeugkonzepte, Antriebstechnologien und Komponenten aufgewendet. Für den nachhaltigen Erfolg dieses Industriezweigs ist die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Produktentwicklungssysteme eine entscheidende Voraussetzung.
Dieses Lehrbuch bietet erstmals eine kompakte Gesamtdarstellung der Entwicklungsaktivitäten in der Automobilindustrie. Anhand der heute eingesetzten Produktentstehungsprozesse werden systematisch die einzelnen Aktivitäten und Methoden vorgestellt. Von der Strategiephase, der Markt- und Wettbewerbsanalyse, dem Target Costing, verschiedenen Kreativitätstechniken bis zum Projektmanagement und der Produktionsprozessoptimierung werden aktuelle Werkzeuge detailliert dargestellt.
Zahlreiche Abbildungen und Beispiele zeigen die Umsetzung in der Praxis. DurchÜbungsaufgaben zu den einzelnen Kapiteln kann das Buch sowohl vorlesungsbegleitend als auch zum Selbststudium eingesetzt werden.

3 Definitionsphase (S. 39-40)

3.1 Aufgaben der Definitionsphase

In der Definitionsphase von Fahrzeugentwicklungsprojekten werden die inhaltlichen Grundlagen für alle folgenden Aktivitäten gelegt. Dieser Bereich erfährt seit einigen Jahren eine deutliche methodische Aufwertung, da Fehler, die bei der Vorgehensplanung und der Zielbeschreibung des Produktes gemacht werden meist erst kurz vor dem Serienanlauf, also etwa zwei bis drei Jahre später bemerkt werden und dann nur mit hohem zusätzlichen Kapazitäts- und Kostenaufwand korrigiert werden können. Trägt man die Kostenanteile der an der Produktentstehung beteiligten Bereiche getrennt nach Kostenverursachung und nach Kostenfestlegung auf, erkennt man, dass die frühen Definitionsphasen in der Entwicklung zu einem Großteil für die späteren Kosten verantwortlich sind, aber selber kaum Kosten verursachen (Bild 3.1). Die erstenÜberlegungen zur Produktpositionierung und die strategischen Planungen zum Projektablauf werden meist von kleinen Planungsgruppen bearbeitet, die selber nur einen sehr geringen Kostenanteil verursachen. Erst in den späteren Phasen, wenn große Abteilungen von Konstrukteuren Zeichnungen an CAD-Systemen erstellen, Prototypen gebaut und getestet werden wird der Großteil der Entwicklungskosten verausgabt. Um spätereÄnderungskosten zu minimieren und die Termine für die Markteinführung nicht zu gefährden ist es sinnvoll die Projektund Produktrahmenbedingungen sorgfältig zu klären.

Für die Fahrzeugentwicklung sind hier vier Bereiche von großem Interesse:

Produktpositionierung:
Das neue Fahrzeug muss im bestehenden Markt eindeutig positioniert und sowohl zu Wettbewerbern als auch zu eigenen Baureihen klar abgegrenzt werden. Dazu müssen die Marktsituation, aber auch die Verhaltensmuster der Kunden bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden.

Interkulturelles Management:
Sollen die Produkte auf globalen Märkten positioniert werden oder Entwicklung und/oder Produktion teilweise im Ausland erfolgen, müssen die jeweiligen kulturellen Eigenarten frühzeitig berücksichtigt werden um spätere Akzeptanzprobleme zu vermeiden.

Strategisches Management:
Das neue Produkt muss sich in die strategische Ausrichtung des Unternehmens oder die operative Planung des Bereiches eingliedern. Dazu ist es notwendig, sowohl den Prozess der Strategieableitung für Unternehmen grundsätzlich zu verstehen und die Positionierung der eigenen Produkte methodisch zu unterstützen.

Anforderungsmanagement:
Sind die Märkte analysiert worden und die strategische Ausrichtung des Unternehmens definiert worden, müssen die Eigenschaften des zukünftigen Fahrzeugs aus einer kundenorientierten, eher qualitativen Beschreibung in klar quantifizierbare technische Eigenschaftenübersetzt und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Die Definitionsphase beinhaltet eine Vielzahl von Teilschritten (vgl. Kapitel 2) und benötigt je nach Neuheitsgrad der Baureihe mindestens sechs Monate bis zu etwa zwei Jahren und findet meistens schon drei bis fünf Jahre vor Serienanlauf statt.

Vorwort6
Autorenprofile7
Inhaltsverzeichnis9
1 Einführung12
1.1 Fahrzeugbau12
1.2 Produktentwicklung13
Literatur zu 115
2 Prozesse in der Fahrzeugentwicklung17
2.1 Produktentstehungsprozesse18
2.2 Projektmanagement22
2.2.1 Projektmanagementprozesse22
2.2.2 Herausforderungen in Projekten der Fahrzeugentwicklung27
2.2.3 Status von Fahrzeugentwicklungsprojekten28
2.2.4 Besonderheiten des Projektmanagements in Fahrzeugentwicklungsprojekten30
2.2.5 Gestaltungsfaktoren im Projektmanagement32
2.3 Business Case Management35
2.4 Prozess-Methoden-Matrix37
Literatur38
3 Definitionsphase40
3.1 Aufgaben der Definitionsphase40
3.2 Produktpositionierung am Beispiel der Emotionalisierung41
3.2.1 Einordnung der Produktpositionierung42
3.2.2 Aktuelle Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie42
3.2.3 Herausforderungen der Positionierung43
3.2.4 Verhaltenswissenschaftliche Ansätze bei Kaufentscheidungen von Automobilen45
3.2.5 Emotionalisierung von Produkten46
3.2.6 Emotionale Positionierung in der Automobilindustrie48
3.2.7 Weiterentwicklung der emotionalen Positionierung49
Fragen zu 3.250
Literatur zu 3.250
3.3 Interkulturelle Aspekte von Projektmanagement50
3.3.1 Internationalisierung der Produktentwicklung50
3.3.2 Studien zu interkulturellen Aspekten53
3.3.3 Notwendigkeit des Beherrschens interkultureller Komponenten bei der Projektarbeit56
3.3.4 Temporäre interkulturelle Aspekte in zeitlich begrenzten Projekten56
3.3.5 Permanente interkulturelle Aspekte in Unternehmen59
3.3.6 Handlungsmöglichkeiten auf Unternehmensebene61
3.3.7 Umsetzung auf der persönlichen Ebene63
3.3.8 Schlussfolgerungen für die internationalen Aspekte64
Fragen zu 3.364
Literatur zu 3.364
3.4 Strategisches Management65
3.4.1 Grundlagen des Strategischen Managements65
3.4.2 Methoden zur Situationsanalyse68
3.4.3 SWOT-Analyse71
3.4.4 Verwandte Analysemethoden und Konzepte73
3.4.5 Praxisbeispiele76
Fragen zu 3.477
Literatur zu 3.477
3.5 Anforderungsmanagement77
3.5.1 Anforderungen im Entwicklungsprozess77
3.5.2 Erstellen von Anforderungslisten79
3.5.3 Bewertung von Anforderungen81
3.5.4 Dokumentation von Anforderungen83
3.5.5 Darstellen von Anforderungen über eine QFD-Analyse85
3.5.6 QFD-Beispiel Abschleppöse87
Fragen zu 3.589
Literaturzu3.589
4 Konzeptphase90
4.1 Aktivitäten in der Konzeptphase90
4.2 Marktforschung in der Fahrzeugentwicklung92
4.2.1 Problemstellung92
4.2.2 Qualitative Marktforschung93
4.2.3 Besonderheiten in der Automobilindustrie93
4.2.4 Aktueller Stand94
4.2.5 Methoden95
4.2.6 Anwendung im Entwicklungsprozess97
4.2.7 Wettbewerbsvergleichsfahrten in der frühen Konzeptphase der Fahrzeugentwicklung98
4.2.8 Car Clinics in der Fahrzeugentwicklung103
4.2.9 Lautes Denken106
Fragen zu 4.2109
Literatur zu 4.2109
4.3 Wettbewerbsanalyse110
4.3.1 Definition und Abgrenzung110
4.3.2 Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie110
4.3.3 Operative Wettbewerbsanalyse durch Benchmarking113
4.3.4 Wettbewerbsanalyse in der Automobilindustrie116
4.3.5 Zusammenfassung und Ausblick118
Fragen zu 4.3118
Literatur zu 4.3118
4.4 Lieferantenmanagement119
4.4.1 Verbindungen zwischen OEM-Lieferanten119
4.4.2 Lieferantenmanagement122
4.4.3 Entwicklungspartnerschaften123
4.4.4 Synchronisation OEM-Zulieferer126
4.4.5 Zusammenfassung128
Fragen zu 4.4128
Literatur zu 4.4128
4.5 Wissensmanagement als Instrument im Produktentstehungsprozess129
4.5.1 Einleitung129
4.5.2 Wissensmanagement129
4.5.3 Abgrenzung der Begriffe Wissen und Informationen130
4.5.4 Nutzeneffekte des Wissensmanagements130
4.5.5 Kritische Erfolgsfaktoren des Wissensmanagements131
4.5.6 Probleme beim Wissenstransfer132
4.5.7 Instrumente des Wissenstransfer132
4.5.8 Praxisbeispiel Community of Practice –DaimlerChrysler135
Fragen zu 4.5136
Literatur zu 4.5136
4.6 Target Costing136
4.6.1 Grundlagen des Target Costings137
4.6.2 Ablauf eines Target-Costing-Projektes