Handbuch der Gesundheitspsychologie und Medizinischen Psychologie
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Jürgen Bengel, Matthias Jerusalem
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Handbuch der Gesundheitspsychologie und Medizinischen Psychologie
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Hogrefe Verlag Göttingen
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9783840918438
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1
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CHF 47.90
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Psychologie
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German
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621
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Renommierte Expertinnen und Experten geben in diesem Handbuch in über 60 Beiträgen einen umfassenden Überblick über zentrale Themen der Gesundheitspsychologie und der Medizinischen Psychologie. Das Handbuch informiert über die Grundlagen der Gesundheitspsychologie und der Medizinischen Psychologie sowie über Einflussfaktoren auf Gesundheit und Krankheit, wie z.B. Protektiv- und Vulnerabilitätsfaktoren, Gender, Stigmatisierung und berufliche Bedingungen. Einen weiteren Schwerpunkt des Bandes bilden die Gesundheitsförderung und Prävention: Hierzu werden u.a. aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Kompetenzförderung und Empowerment, Alkoholkonsum, Ernährung und Gewichtskontrolle, Rauchen und Freizeitverhalten referiert. Zudem werden Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation, beispielhaft auch anhand ausgewählter Krankheits- und Störungsbereiche wie Tumorerkrankungen oder HIV und AIDS, beschrieben. Schließlich werden komplexe Themengebiete und Arbeitsfelder wie Lebensqualität, Migration, Mitarbeiterzufriedenheit und Burnout, Reproduktionsmedizin und Transplantationspsychologie dargestellt. Das Handbuch zeichnet sich durch gute Lesbarkeit und klare Didaktik aus und ist daher als Nachschlagewerk für Psychologen und Mediziner sowie für Angehörige verschiedener Nachbardisziplinen und Berufsgruppen geeignet. Außerdem kann es Verwendung für die Lehre in den Studiengängen Psychologie und Medizin sowie zur Prüfungsvorbereitung in den einzelnen Studienabschnitten finden. Aus dem Inhalt: Grundlagen Körperliche Prozesse und Gesundheit, Verhalten und Gesundheit, Objektive und subjektive Gesundheit Einflussfaktoren auf Gesundheit und Krankheit Selbstwirksamkeit, Optimismus, Erwartungen und Überzeugungen, Soziale Unterstützung, Informationsverarbeitung, Risikowahrnehmung, Symptomwahrnehmung und Hilfesuchverhalten, Gender, Stress und Stressbewältigung, Stigmatisierung, Berufliche Bedingungen, Soziales Lebensumfeld etc. Gesundheitsförderung und Prävention Kompetenzförderung und Empowerment, Sport und Bewegung, Ernährung und Gewichtskontrolle, Drogengebrauch, Sexualverhalten, Aggressivität und Gewalt,Verhalten im Straßenverkehr, Zahnhygiene, Freizeitverhalten, Exzessive Mediennutzung, Prävention auf der Ebene von Gruppen und Organisationen (Paare, Familien, Schulen, Betriebe) etc. Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation Krankheitsverhalten, Aufklärung und Diagnosemitteilung,Therapeut- atient- Beziehung, Psychologische Diagnostik bei körperlichen Erkrankungen, Belastungs- und Anpassungsstörungen, Komorbidität und Multimorbidität, Patientenschulung und Psychoedukation, Krisenintervention und psychologische Beratung, Strukturelle Rahmenbedingungen der Gesundheitsversorgung, Ausgewählte Krankheits- und Störungsbereiche etc. Komplexe Themengebiete und Arbeitsfelder Healthism und Wellness, Mitarbeiterzufriedenheit und Burnout, Arbeit und Arbeitslosigkeit, Humangenetik, Medizinische Eingriffe und Operationsstress, Sterben und Tod etc.
IV Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation
(S. 357-358)
Krankheitsverarbeitung
Coping with Sickness
Fritz A. Muthny& Jürgen Bengel
1 Einleitung
Ein Unfall, eine Verletzung, eine Erkrankung und auch eine Diagnosestellung bzw. eine Diagnosemitteilung stellen eine Belastung für die Betroffenen dar. Der Begriff Krankheitsverarbeitung bezeichnet die Reaktionen auf die Belastungen durch eine Erkrankung (siehe auch&rarr, Belastungs- und Anpassungsstörungen). Der kranke Mensch ist mit besonderen Belastungen konfrontiert, einerseits durch die Erkrankung selbst, andererseits durch die Reaktionen seines Umfelds. Die"Krankenrolle", nach Parsons (1964) ist dadurch gekennzeichnet, dass die Erkrankung die Erfüllung wichtiger Aufgaben einschränkt, gleichzeitig neue Verpflichtungen aber auch Entlastungen schafft. Der Kranke wird in der Regel während seiner Erkrankung von sozialen Rollenverpflichtungen befreit und nicht für seine Situation verantwortlich gemacht. Als Patient soll er Anstrengungen zur Genesung unternehmen und fachkundige Hilfe aufsuchen.
Der von Mechanic (1962) geprägte Begriff des"Krankheitsverhaltens", ("illness behavior",) bezieht sich weniger auf die gesellschaftliche Bedeutung der Erkrankung, sondern umfasst, individuumsbezogen, alle Reaktionen der betroffenen Person auf eine Erkrankung bzw. ein Symptom:Wahrnehmung des Symptoms, kognitive und emotionale Bewertung und Folgehandlungen im Sinne von Hilfesuche oder Selbstbehandlung (oder auch deren Ausbleiben). Im Gegensatz dazu werden Verhaltensweisen, die unabhängig von Erkrankungen den Erhalt bzw. die Förderung der Gesundheit anstreben, als Gesundheitsverhalten bezeichnet. Hierbei ist zu beachten, dass auch erkrankte Personen Gesundheitsverhalten zeigen können (Schwarzer, 2004,&rarr, Gesundheit: körperliche, psychische und soziale Dimensionen).
Der Umgang mit körperlichen Erkrankungen stellt ein zentrales Forschungsinteresse der Gesundheitspsychologie und der Medizinischen Psychologie dar. Die Krankheitsverarbeitung kann entscheidende Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben. In der Onkologie beispielsweise gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Formen der Krankheitsverarbeitung wie"Kampfgeist",, aber auch"Verleugnung",, den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können. Aus den Erkenntnissen über Krankheitsverarbeitung und -verhalten hofft man, effektive Möglichkeiten für Prävention, Nachsorge und psychotherapeutische Arbeit mit chronisch körperlich Kranken ableiten zu können."
Inhalt
6
Vorwort
12
I Grundlagen
14
Körperliche Prozesse und Gesundheit
16
Verhalten und Gesundheit
35
Gesundheit: körperliche, psychische und soziale Dimensionen
47
II Einflussfaktoren auf Gesundheit und Krankheit
60
Selbstwirksamkeitserwartung
62
Optimismus
69
Erwartungen und Überzeugungen
75
Soziale Unterstützung
81
Positive und negative Affektivität
87
Ziele
93
Selbstregulation des Gesundheitsverhaltens
99
Defensive und vigilante Informationsverarbeitung
107
Risikowahrnehmung und Risikokommunikation
114
Symptomwahrnehmung und Hilfesuchverhalten
123
Gender
131
Stress
140
Stigma und Stigmabewältigung
148
Berufliche Bedingungen
157
Besondere Lebensabschnitte
165
III Gesundheitsförderung und Prävention
174
Ressourcenförderung und Empowerment
176
Alkoholkonsum
189
Körperliche Aktivität
197
Ernährung und Gewichtskontrolle
205
Rauchen
213
Konsum illegaler Drogen
221
Sexualverhalten
231
Aggression und Gewalt
240
Verhalten im Straßenverkehr
250
Kritische Sonnenexposition und Sonnenschutzverhalten
258
Stressbewältigung
266
Zahnhygiene
274
Schlaf
282
Freizeitverhalten
292
Exzessive Mediennutzung
299
Prävention im Kindes- und Jugendalter
308
Prävention im Alter
318
Prävention in Familie und Partnerschaft
329
Prävention in Schulen
338
Prävention in Organisationen
347
IV Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation
356
Krankheitsverarbeitung
358
Medizinische Entscheidungsfindung, Therapeut-Patienten-Beziehung und Patientenbeteiligung
369
Behandlungsmotivation
379
Psychologische Diagnostik bei körperlichen Erkrankungen
388
Psychologische Behandlung bei körperlichen Erkrankungen
398
Strukturelle Rahmenbedingungen der Gesundheitsversorgung in der Rehabilitation, im Liaisondienst und im Bereich der Selbsthilfe
405
Belastungs- und Anpassungsstörungen
417
Tumorerkrankungen
428
Chronischer Schmerz
435
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
445
Erkrankungen der Atmungsorgane
451
Gastroenterologische Erkrankungen
460
HIV und AIDS
468
V Komplexe Themengebiete und Arbeitsfelder
474
Lebensqualität: Die Bedeutung von Selektion, Optimierung und Kompensation
476
Healthismus und Wellness
485
Arbeit und Arbeitslosigkeit, Mitarbeiterzufriedenheit und Burnout
496
Migration, Kultur, Gesundheit
510
Humangenetische Beratung
520
Reproduktionsmedizin
530
Medizinische Eingriffe und Operations-stress
541
Transplantationspsychologie
552
Sterben, Tod und Verlusterleben
565
Die Autorinnen und Autoren des Bandes
576
Autorenregister
588
Sachregister
610