: Robert Hültner
: Das schlafende Grab Kommissar Türks erster Fall
: btb Verlag
: 9783641030902
: 1
: CHF 2.70
:
: Spannung
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In München gastiert der Zirkus"Cirque Gitane". Atemberaubende Reiterspiele und akrobatische Darbietungen begeistern das Publikum. Da wird einer der Artisten in seinem Wagen ermordet. Sein Partner, wie der Tote Angehöriger einer ungarischen Sinti-Familie, verschwindet spurlos. Joseph Türk, Kommissar bei der Kripo München, nimmt die Ermittlungen auf. Sie führen ihn zunächst zu einem unauffälligen Häuschen in Trudering, wo ein weiterer Toter auf ihn wartet - und schließlich zu einem Jahre zurückliegenden Verbrechen, das jetzt in großem Stil gesühnt werden soll ... Robert Hültner ist einer der profiliertesten Krimiautoren Deutschlands. Er ist vielfach preisgekrönt und hat mit seinen Inspektor-Kajetan-Krimis aus den zwanziger Jahren einen Klassiker geschaffen."Das schlafende Grab" ist Auftakt einer neuen Serie rund um den Münchner Kommissar Türk.

Robert Hültner wurde 1950 in Inzell geboren. Er arbeitete unter anderem als Regieassistent, Dramaturg, Regisseur von Kurzfilmen und Dokumentationen, reiste mit einem Wanderkino durch kinolose Dörfer und restaurierte historische Filme für das Filmmuseum. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen gehören neben historischen Romanen und Krimis auch Drehbücher (u. a. für den Tatort), Theaterstücke und Hörspiele. Sein Roman „Der Sommer der Gaukler“ wurde von Marcus H. Rosenmüller verfilmt. Für seine Inspektor-Kajetan-Romane wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem dreimal mit dem Deutschen Krimipreis und mit dem renommierten Glauser-Preis.

KAPITEL 2


Türk löste den Gurt. Baier parkte das Einsatzfahrzeug am Straßenrand und folgte seinem Kollegen über den unbefestigten Platz. Ein Fenster des 80er-Jahre-Wohnblocks auf der gegenüberliegenden Straßenseite öffnete sich.
Es war still. Die heiße Luft bewegte sich nicht, zwischen den Bauten stand der süßlich bittere Geruch von Dung und tierischem Schweiß. Auf dem Platz, der dem Zirkus zugeteilt worden war, würden in einigen Monaten die Aushubmaschinen anrücken, die taube Brache abschaben und sich in unfruchtbaren Schotter wühlen. Noch vor den ersten Nachtfrösten stünde bereits das Eisengeflecht des Kellerfundaments in der Grube, und im darauf folgenden Herbst würden die ersten Firmenschilder angeschraubt werden, »Consulting«, »X und Partner real estate« oder »Psychotherapeutische Gemeinschaftspraxis, Termine nach Vereinbarung«.
Baier zog den Hosenbund hoch.
»Es stinkt.«
Türk gab keine Antwort. Er war stehen geblieben.
»Hörst du was, Ali?«
»Was soll ich hören?«
»Die Anruferin hat doch behauptet, dass hier am laufenden Band Viecher misshandelt werden sollen.«
»Hat sie. Und?«
»Was tut ein Viech, wenn es gequält wird? Es schreit.«
Baier gab ihm Recht. Er grinste.
»Aber nach dem Theater, das die am Telefon gemacht haben muss, sind wahrscheinlich schon alle zu Tode geprügelt worden.«
Die Planen des Hauptzeltes hingen schlaff im Gestänge. Die Beamten traten näher. Neben dem Publikumseingang war eines der Seitenteile hoch gezogen. Dennoch herrschte im Inneren des Zeltes fast undurchdringliche Dunkelheit.
»Wer da?«, rief Türk. Das Quietschen eines Scharnieres antwortete, jemand schien eine Käfigtür zu schließen. Eine Gestalt löste sich aus der Finsternis, ein Büschel Heu in der Hand. Sie blieb abwartend stehen.
»Was gibt?«
Die Stimme des Mannes verriet Abwehr.
Türk fragte nach dem Chef.