KAPITEL 2
Türk löste den Gurt. Baier parkte das Einsatzfahrzeug am Straßenrand und folgte seinem Kollegen über den unbefestigten Platz. Ein Fenster des 80er-Jahre-Wohnblocks auf der gegenüberliegenden Straßenseite öffnete sich.
Es war still. Die heiße Luft bewegte sich nicht, zwischen den Bauten stand der süßlich bittere Geruch von Dung und tierischem Schweiß. Auf dem Platz, der dem Zirkus zugeteilt worden war, würden in einigen Monaten die Aushubmaschinen anrücken, die taube Brache abschaben und sich in unfruchtbaren Schotter wühlen. Noch vor den ersten Nachtfrösten stünde bereits das Eisengeflecht des Kellerfundaments in der Grube, und im darauf folgenden Herbst würden die ersten Firmenschilder angeschraubt werden, »Consulting«, »X und Partner real estate« oder »Psychotherapeutische Gemeinschaftspraxis, Termine nach Vereinbarung«.
Baier zog den Hosenbund hoch.
»Es stinkt.«
Türk gab keine Antwort. Er war stehen geblieben.
»Hörst du was, Ali?«
»Was soll ich hören?«
»Die Anruferin hat doch behauptet, dass hier am laufenden Band Viecher misshandelt werden sollen.«
»Hat sie. Und?«
»Was tut ein Viech, wenn es gequält wird? Es schreit.«
Baier gab ihm Recht. Er grinste.
»Aber nach dem Theater, das die am Telefon gemacht haben muss, sind wahrscheinlich schon alle zu Tode geprügelt worden.«
Die Planen des Hauptzeltes hingen schlaff im Gestänge. Die Beamten traten näher. Neben dem Publikumseingang war eines der Seitenteile hoch gezogen. Dennoch herrschte im Inneren des Zeltes fast undurchdringliche Dunkelheit.
»Wer da?«, rief Türk. Das Quietschen eines Scharnieres antwortete, jemand schien eine Käfigtür zu schließen. Eine Gestalt löste sich aus der Finsternis, ein Büschel Heu in der Hand. Sie blieb abwartend stehen.
»Was gibt?«
Die Stimme des Mannes verriet Abwehr.
Türk fragte nach dem Chef.