: Colin Cotterill
: Dr. Siri und seine Toten Kriminalroman
: Manhattan
: 9783641025045
: Dr. Siri ermittelt
: 1
: CHF 8.00
:
: Spannung
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Exotisches Laos, rätselhafte Todesfälle und die originellste Ermittlerfigur des Krimigenres
Dr. Siri Paiboun hatte bislang eigentlich nur mit lebenden Patienten zu tun. Doch nun wird er mit seinen 72 Jahren noch zum einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos ernannt - als letzter verbliebener Genosse mit medizinischem Hintergrund. Es bleibt ihm keine Wahl, als sich ohne jedes Fachwissen, aber mit der Unterstützung zweier ebenso unqualifizierter Assistenten, an seinem ersten Fall zu versuchen: Frau Nitnoy, die Gemahlin eines Parteibonzen, ist bei einem Essen des Frauenverbands plötzlich verstorben, und Dr. Siri argwöhnt, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging. Mit Hilfe eines alten französischen Lehrbuchs, vor allem aber mit viel Witz und Intuition macht er sich daran, die Sache unter die Lupe zu nehmen. Prompt gerät Dr. Siri selbst in Gefahr, doch zum Glück kann er auf zahlreiche Helfer zählen wie seinen alten Freund und Parteigenossen Civilai, die Chemielehrerin Oum und die Sandwichverkäuferin Tante Lah, die Dr. Siri jeden Mittag mit ihren Köstlichkeiten versorgt - und ein Auge auf ihn geworfen hat ...

Colin Cotterill, in London geboren, begab sich nach einer Ausbildung zum Englischlehrer auf eine lange Weltreise. Mittlerweile lebt er in Chumphon, Thailand. Seine in Laos angesiedelte Krimireihe um Dr. Siri wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.
2
DIE GATTIN DES GENOSSEN KHAM
Selbst in den schlimmsten Zeiten von Vientiane wurde der alte Steinofen unweit der Moschee jeden Morgen um drei Uhr angeheizt, um das beste Brot im ganzen Land zu backen. Drei barbrüstige Männer schürten das Holzfeuer, kneteten den Teig zu langen Rollen und legten sie auf rostige schwarze Eisenbleche. Hygienisch war das nicht. Aber viele ihrer Kunden glaubten, ebendiese Mischung aus Staub, Ruß, Schweiß und Rost mache Tante Lahs Baguettes zu den leckersten in ganz Vientiane. Ihre drei Söhne holten die heißen Laibe mit bloßen, in alte graue Tücher gewickelten Händen aus dem Ofen und luden sie auf ihren Karren.
Jeden Morgen um sechs rollte Tante Lah ihr süß duftendes Brot zur Straßenecke vor der schwarzen Stupa. Gegen halb acht hatte sie gewöhnlich alles verkauft und holte die zweite Fuhre aus der Bäckerei. Die schob sie zur Setthathirat Ecke Nong Bon Road, wo sich die meisten Regierungsstellen befanden. Inzwischen hatte sich der Baguettekarren in einen Sandwichstand verwandelt. Beamte auf dem Weg zur Arbeit hatten die Wahl zwischen Kondensmilch, Sardinen und gesalzenem Büffelfleisch, und Tante Lah bereitete das Gewünschte zu und garnierte es liebevoll, während ihren Kunden das Wasser im Mund zusammenlief.
Ein Sandwich mit allen Extras aber wartete, sorgfältig in Pergamentpapier gewickelt, jeden Tag auf ihren ganz besonderen Kunden. Siri brauchte nichts zu bestellen. Er aß einfach, was Tante Lah ihm hergerichtet hatte. Es schmeckte immer anders und immer köstlich. Er bezahlte sie am Ende jeder Woche, und sie verlangte nie mehr als denüblichen Preis.
Wenn Siri zu beschäftigt war, um sich das Sandwich selbst zu holen, schickte er Dtui, die behauptete, die Enttäuschung der alten Dame spüren zu können, noch bevor sie die Straßeüberquert hatte.
»Seien Sie nicht albern.«
»Doch, im Ernst. Sie ist in Sie verknallt.« Mindestens vier von Siris fünf Litern Blut schossen ihm ins Gesicht. Kichernd reichte Dtui ihm sein Mittagessen.
»In meinem,äh... in unserem Alter verliebt man sich nicht mehr.«
»Warum?«
»Darum.«
»Blödsinn.«
»Wie bitte?«
»Somchai Asanajinda sagt, solange das Herz für einen schlägt, kann es auch für zwei schlagen.«
»Dann ist Somchai Asanajinda mit Sicherheit kein Arzt.«
»Haben Sie in Ihren komischen Höhlen etwa keine Filme gesehen? Somchai Asanajinda ist wahrscheinlich der berühmteste Filmstar Thailands.«
»Ach ja? Wie kann es berühmte Filmstars geben in einem Land, in dem es keine berühmten Filme gibt?«
»Und ob es dort berühmte Filme gibt. Zumindest in Thailand kennt sie jeder. Die Thais machen wunderbare Filme.«
»Nichts als Schießereien und billige Romanzen.«
»Na also. Ich wusste doch, dass Sie sie sich heimlich anschauen. Somchai ist zwar uralt, spricht aber immer noch von Liebe und Leidenschaft.«
»Wie alt ist er denn, vierzig?«
»Über fünfzig.«
»Meine Güte. Ein Wunder, dass erüberhaupt noch lebt.«
»Außerdem sind Romanzen ganz und gar nicht billig. Liebe kann man sich nicht kaufen, nicht für alles Geld der Welt.«
Siri blickte von seinem Bericht auf, der von Rechtschreibfehlern wimmelte. Dtui hatte ihm den Rücken zugekehrt und sah durch die beiden noch verbliebenen Lamellen der Fensterjalousie. Sie schien gekränkt, auch wenn man ihr das von hinten nicht unbedingt ansah. Soviel er wusste, war sie noch nie mit einem Mann zusammen gewesen. Dank ihrer hohen Ansprüche waren ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt gleic