Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung Ein konzeptioneller Vorschlag
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Karim P. Fathi
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Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung Ein konzeptioneller Vorschlag
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Diplomica Verlag GmbH
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9783836611312
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1
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CHF 27.10
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Wirtschaft
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German
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88
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kein Kopierschutz/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Im Zeitalter der Globalisierung wird die Konfliktbewältigung eine immer wichtigere Kompetenz, die in den letzten Jahren eine große Vielfalt unterschiedlicher Methoden mit wachsender Professionalisierung mit sich brachte. Hieraus erwächst nicht nur die Einsicht, dass eine Welt immer komplexerer Konflikte neuer Methoden der Konfliktbewältigung bedarf. Zunehmend sind auch Ansätze von Nöten, die unübersichtliche Vielfalt bestehender Methoden zu integrieren. Im Rahmen der vorliegenden Studie werden Möglichkeiten untersucht, repräsentative Ansätze aus der Konflikttransformation (Johan Galtungs Transcend-Methode), des Konfliktmanagement (Friedrich Glasl) und der Konfliktlösung (Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg) in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Welchen Beitrag leisten die unterschiedlichen Methoden für Theorie und Praxis im Allgemeinen? Welche Grenzen haben die jeweiligen Methoden und wie können sie einander ergänzen? Den theoretischen Rahmen für ein holistisches Grundgerüst liefert der Integrale Ansatz von Ken Wilber, der mit seiner 'Theorie von Allem' erste souveräne Schritte in einen im Entstehen begriffenen Holismusdiskurs beschreitet. Unter Wilbers Prämisse, dass eine menschliche Einsicht nie zu 100% falsch sein kann, könnte der bislang wenig beachteten Epistemologie eine neue Stellung in der Friedensforschung zukommen. Wo aber liegen die Grenzen und insbesondere die Möglichkeiten des Integralen Ansatzes bei der epistemologischen und heuristischen Integrierung unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung? Worin bestehen Anreize für eine weiterführende holistisch ausgerichtete Forschung? Erste Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die vorliegende Studie von Karim Fathi.
Karim Patrick Fathi, Diplom-Sozialwirt und M.A. Friedens- und Konfliktforscher. Sozialökonomischer Studiengang an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik, Abschluss 2004 als Diplom-Sozialwirt. Masterstudium an der Philipps-Universität Marburg, Abschluss 2007 als M.A. Friedens- und Konfliktforscher. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit gehören u.a. die Friedens- und Konfliktforschung aus einer philosophischen Perspektive und die Integrierung politischer und akademischer Debatten.
Kapitel 3.3, Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg: Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) gründet sich auf die kommunikative Fähigkeit, selbst unter herausfordernden Umständen menschlich zu bleiben. Bei der AnwenderIn impliziert dies die antrainierte Fertigkeit Konfliktsituationen sorgfältig zu beobachten, den zugrunde liegenden Bedürfnissen aller Beteiligten auf die Spur zu kommen und diese Inhalte wertungsfrei und klar auszudrücken. Durch diese Umgestaltung des sprachlichen Ausdrucks und der eigenen Art zuzuhören, werden die alten Muster von Widerstand, Abwehr und gewalttätigen Reaktionen auf ein Minimum reduziert). Die Kommunikation soll also dahingehend geändert werden, dass aus gewohnheitsmäßigen, automatischen Reaktionen bewusste Antworten werden. Als sog. 'Sprache des Lebens' ist dieser Ansatz an und für sich nichts Neues. Es geht vielmehr darum, sich an das zu erinnern, wofür die zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war. Auf ihrer tiefsten Ebene ist die GFK eine 'ständige Mahnung' die eigene Aufmerksamkeit in eine Richtung zu lenken, in der die Wahrscheinlichkeit steigt, das zu bekommen, wonach man selbst sucht. Daher ist die GFK nicht an die direkte Kommunikationskultur westlicher Gesellschaften gebunden, sondern universell in jedem kulturellen Kontext anwendbar. Vier Komponenten der 'life-alienating Communication': Die GFK unterscheidet vier Formen einer Kommunikation, die aus einer ignoranten Haltung gegenüber den Gefühlen und Bedürfnissen der Konfliktbeteiligten resultiert: Die Kritik impliziert alle Formen, die auf eine Beleidigung, Diagnose, Anprangern, Wertung, Tadel oder Heruntermachen des Kommunikationspartners hinauslaufen. Beispiele: 'Das Problem mit Dir ist...'. Die Verneinung eigener Verantwortung resultiert aus der Unkenntnis der Kommunizierenden über ihre eigenen Gefühle, Gedanken und Handlungen. Stattdessen wird die Verantwortung auf Faktoren wie z.B. die Handlungen anderer, unkontrollierbare Impulse, Gruppenzwang, die vorherrschenden Rollenzwänge etc. abgewälzt. Beispiele: 'Ich habe es getan, weil ich es machen musste', ' ...weil es mir befohlen wurde', ' ...weil es immer so war' etc. Forderungen, verstanden als Ansinnen, die eine Form von Tadel oder Strafe implizieren, wenn sie vom Kommunikationspartner nicht erfüllt werden, sind ebenfalls fern von der 'Sprache des Lebens'. Das Konzept, dass Handlungen eine Belohnung oder Bestrafung 'verdienen' ist eine weitere Form der 'life alienated communication'. Vier Komponenten der Gewaltfreien Kommunikation: Ebenso fußt die GFK auf vier Komponenten. Bei der Anwendung der GFK sind zwei Kommunikationsvarianten zu unterscheiden: zum einen formuliert die AnwenderIn in Bezug auf sich, wie es ihr geht und was ihr Leben bereichern könnte. Zum anderen nimmt die AnwenderIn in Bezug auf ihr Gegenüber, empathisch an wie es ihm geht (ohne Kritik) und was sein Leben bereichern würde; beides ohne Wertung oder Forderung: Beobachtungen: Es wird beobachtet, was in der Situation tatsächlich geschieht. Die Kunst besteht darin, dem Gegenüber diese Beobachtung ohne Bewertung mitzuteilen. In Bezug auf die AnwenderIn würde dies z.B. mit den Worten 'wenn ich (sehe, höre)...' eingeleitet werden, in Bezug auf den Gegenüber z.B. 'als Du (gesehen, gehört hast)...'. Gefühle: Es wird ausgesprochen wie sich die AnwenderIn bzw. ihr Gegenüber fühlt in Verbindung mit der wahrgenommenen Handlung. Anwender: '...fühle ich mich/ bin ich...'; Gegenüber: '... hast Du Dich ... gefühlt / warst Du...'. Bedürfnisse: Es werden die Bedürfnisse artikuliert, die hinter diesen Gefühlen stehen. AnwenderIn: '...weil ich (brauche, gerne hätte, möchte, ...)...'; Gegenüber: '...weil Du (brauchst, gerne hättest,...)...'. Bitten: Es wird um das gebeten bzw. es wird empathisch vom Gegenüber angenommen, was das Leben der beiden Beteiligten bereichern würde. AnwenderIn: 'Und würdest Du bitte...'. Gegenüber: 'Und hättest Du gerne, dass ich...'.
Möglichkeiten der Integration unterschiedlicher Methoden mediativer Konfliktbearbeitung Ein konzeptioneller Vorschlag
1
Inhaltsverzeichnis
3
Tabellenverzeichnis
5
Abbildungsverzeichnis
5
Abkürzungsverzeichnis:
6
I. Einleitung
7
II. Theoretische Eingrenzung und Klärung von Begriffen
9
2.1. Theoretische Eingrenzung
9
2.2. Klärung von Schlüsselbegriffen
9
III. Kurzdarstellung der unterschiedlichen Methodiken zur Konfliktbewältigung
12
3.1. Konfliktmanagement nach Friedrich Glasl
12
3.1.1. Generelle Komponenten und Wirkungsrichtungen der Interventionen
12
3.1.2. Indikatoren für eine flexible Strategie- und Rollenwahl
14
3.1.2.1. Aktueller Eskalationsgrad
15
3.1.2.2. Konflikttypus
18
3.1.2.3. Kulturelle, gesetzliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
21
3.1.2.4. Rahmenvorgaben
21
3.2. Transcend nach Johan Galtung
21
3.2.1. Theoretische Grundlagen
22
3.2.2. Konfliktintervention im Konfliktlebenszyklus
24
3.2.3. Konfliktbewältigung durch Konflikttransformation
26
3.2.4. Die Dialog-Methode nach Gudrun Kramer und Wilfried Graf
28
3.3. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg
29
3.4. Zwischenfazit
31
IV. Überlegungen zur Integration der vorgestellten Methoden in ein theoretischesGesamtkonzept
32
4.1. Integraler Ansatz nach Ken Wilber
32
4.1.1. Methodologie
33
4.1.2. Quadranten
34
4.1.2.1. Vier Geltungskriterien
35
4.1.2.2. Acht Horizonte
37
4.1.3. Ebenen
39
4.1.4. Entwicklungslinien
43
4.1.5. Typen
44
4.1.6. Zustände
45
4.1.7. Konfliktdimensionen im Integralen Ansatz
45
4.2. Epistemologische Integration der vorgestellten Methoden
46
4.2.1. Konfliktmanagement nach Glasl
46
4.2.2. Transcend nach Galtung
48
4.2.3. Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg
51
4.2.4. Epistemologische Überschneidungen und Ergänzungen der Methoden
52
4.3. Vorschläge zur heuristischen Integration der vorgestellten Methoden
58
4.3.1. Umfassende Integration unterschiedlicher Herangehensweisen der Konfliktintervention
59
4.3.1.1. Integration unterschiedlicher Interventionsmethoden in ein vertikalesSchema
59
4.3.1.2. Horizontale Integration unterschiedlicher Interventionsmethoden
60
4.3.2. Breitenwirksame Integration mediativer Interventionsansätze
63
V. Kritische Würdigung und Fazi
70
5.1. Allgemeine Kritik am Integralen Ansatz
70
5.2. Konkrete Kritik am Integralen Ansatz
71
5.3. Fazit
72
5.4. Ausblick
73
Quellenverzeichnis:
74