3. Momente, an die wir uns erinnern müssen
Ich kann noch genau sagen, wann ich mir das erste Mal einen Maßanzug machen ließ. Es dauerte eine Woche und ich hatte mehrere Anproben. Ich war nach Rom zu einem Kurs für Managementtrainer geschickt worden. Ich liebte diese ewige Stadt, denn dort konnte ich bekommen, was ich schon immer haben wollte: einen handgeschneiderten Anzug. Das war in den Zeiten meines hochfliegenden Erfolgs, in den Tagen, als ich Manager von Eli Lilly in Schweden war.
In den 80er Jahren kam ein Medikament mit dem Wirkstoff Benoxaprofen heraus. In England wurde es unter Opren® vertrieben.
Dieses Medikament sollte der erste Blockbuster werden. Das war das neue Modewort, das man von Hollywood aufgegriffen hatte und sich auf die hohen Einspielzahlen von Kinofilmen bezieht. Sie waren mit ihren Umsätzen von 100.000 oder einer halben Million US-Dollar nicht zufrieden. Sie wollten das große Geld. Das war übrigens zur gleichen Zeit, als die auf Erfolg getrimmten Führungskräfte an der Wall Street auftauchten.
In Erwartung des einen großen Fangs setzten sie all ihr Geld auf dieses neue Medikament, welches ein Mittel gegen Entzündungen war, um Arthritis, rheumatische Arthritis, Arthrose und all diese Krankheitsbilder zu behandeln. Bis dahin gab es nichts, was den betroffenen Menschen wirklich half. Benoxaprofen sollte „das“ Medikament werden.
Wie ich schon sagte, war ich zu dieser Zeit ihr Generalmanager in Schweden und ich sollte das Vormarketing des Medikaments vorbereiten.
Ich war sehr erfolgreich in meinem Job in Schweden. Die Vorbereitung einer Marketingstrategie für ein Medikament wie dieses bedeutete, dass ich mehr Geld brauchte. Ich sagte der Firma also, dass das kosten würde.
Sie antworteten: „Das macht nichts, gib aus, was du brauchst.“
Also gab ich Geld aus, sehr viel Geld sogar. Verglichen mit dem Budget meiner Tochtergesellschaft war es wirklich eine wahnsinnige Summe.
Das meiste davon wurde für Meinungsmacher in Schweden ausgegeben, hochrangige Physiker und Spezialisten, vor allem Schmerzspezialisten. Ich hatte eine Menge hochwertiger Geschenke vorrätig, die die Ärzte auf den verschiedenen großen Konferenzen erhielten, die wir für sie abhielten. Ich engagierte sogar berühmte Künstler, die zu den Abendessen ihre Vorstellungen gaben. Alles war so exklusiv, dass sogar die Franzosen aufmerksam wurden.
In der Zwischenzeit machten sich auch verschiedene andere Länder für die Einführung bereit, England zum Beispiel. Sie hatten sogar die Zulassung für Deutschland und fingen an, das Medikament dort zu verkaufen. Wir machten klinische Evaluationen in Dänemark. Dann wurde ich nach Rom geschickt, wo ich mir meine Anzüge machen ließ.
Nach dem Kurs, der am Freitag beendet war, flog ich über Kopenhagen zurück nach Stockholm. Als mein Flug an diesem Nachmittag in Kopenhagen landete, stiegen zwei Angestellte der Fluglinie ein und eskortierten mich in die VIP-Lounge.
Als ich dort ankam, erhielt ich eine Nachricht von Lilly Headquarters in den USA, die mich dazu aufforderten, mit niemandem über Benoxaprofen zu sprechen, nicht mit der Presse, nicht mit den Fernsehreportern oder mit sonst jemandem.
Ich war etwas besorgt, denn das war mir noch nie passiert, in keiner Firma, in der ich bisher gearbeitet hatte. Ich dachte also, ich hätte etwas Falsches gesagt oder getan und fürchtete um meinen Job. Ich war wie erstarrt.
Von Kopenhagen flog ich dann nach Stockholm und sagte zu niemandem ein Wort. Am Montagmorgen, als ich ins Büro kam, waren dort jede Menge Reporter und