1.2 Der Darm
Der Mensch begeht leider täglich Selbstmord - mit Messer und Gabel ...
Der Tod sitzt im Darm!
Prof. Sauerbruch
Wenn man von Selbstheilung- bzw. dem Immunsystem spricht, kommt man um die besondere Rolle des Verdauungssystems, insbesondere des Darms, nicht herum.
Die medizinische Wissenschaft geht davon aus, dass achzig Prozent des menschlichen Immunsystems im Darm liegen. Deshalb soll die Rolle des Darms hier einmal gesondert erläutert werden.
Der menschliche Darm eines Erwachsenen ist rund sieben bis neun Meter lang, hat wenige Zentimeter Durchmesser und Millionen Zotten.
Er schlängelt sich wie eine Riesenschlange durch den menschlichen Körper. Durch die Millionen in den Darm hineinragenden Zotten entsteht eine Darmoberfläche von rund vierhundert Quadratmetern.
Im Laufe eines normalen Lebens gehen etwa dreißig Tonnen Speisen, fünfzigtausend Liter Flüssigkeiten, unzählige Schadstoffe, Erreger, Bakterien, Pilze und andere Mikroben durch den Darm. Brauchbare Stoffe nimmt er auf, Schadstoffe, Erreger und andere schädliche Einflüsse wehrt er ab, wenn er gesund ist und seine Abwehrkapazitäten nichtüberschritten werden. Durch enorme Oberfläche ist er aber auch leicht angreifbar. Vierhundert Quadratmeter, das sind rund hundert Mal so viel Fläche wie die menschliche Haut, müssen erst einmal verteidigt werden.
Die Hauptfunktion des Darms ist die Verdauung. Hierbei wird Nahrung in verwertbare Bestandteile zerlegt undüber die Darmoberfläche vom Blut aufgenommen. Die Nahrung verbleibt ca. vierundzwanzig Stunden im Verdauungstrakt bis sie verdaut ist und ausgeschieden werden kann. Die Aufenthaltszeit im Magen beträgt ca. vier Stunden, im Dünndarm bleibt die Nahrung ca. sechs Stunden, rund sieben Stunden Dickdarm- und etwa sieben Stunden Mastdarmaufenthalt. Kohlenhydrate werden relativ schnell zerlegt, Fette brauchen am längsten.
Die Verdauung wird von mehr als hundert Millionen Nervenzellen gesteuert. Von der Speiseröhre bis zum Mastdarm existiert quasi ein eigen-ständiges Nervensystem. Es ist genauso aufgebaut wie das zentrale Nervensystem, die gleichen Zelltypen, Botenstoffe und Andockstationen.
Es existiert so etwasähnliches und: wie ein„Bauchhirn“, das die Zusammensetzung der Nahrung analysiert, die Abwehr gegen Bakterien, Viren, Pilze und andere Mikroben organisiert, die Zuführung von Hormonen und Verdauungssekreten steuert und bei Störungen des Gleichgewichts das Gehirn benachrichtigt bzw. alarmiert. Das Gehirn greift in die Verdauungsprozesse nicht ein, es wird nur informiert.
Das ist auch gut so, denn wenn man alle Verdauungsvorgänge wahrnehmen würde, könnte man kaum noch andere Handlungen ausführen, weil man ständig mit der Verdauung zu tun hätte. Allein die Peristaltik, das Durchschleusen der Nahrung durch den Verdauungstrakt würde zu permanenter Ablenkung von anderen Tätigkeiten führen.
Forscher haben z.B. einen Meerschweinchendarm in eine Nährlösung gelegt. Sie untersuchten ihn, weil er dem menschlichen sehrähnelt. Und es zeigte sich, der Darm bewegte sich rhythmisch. Alle Funktionen des Darms liefen völlig isoliert vom Gehirn ab. Das Nervensystem des Darms erkennt sogar, welche Speisen sich im Darm befinden. Er stimmt seine Bewegungen daraufhin ab. Leicht verdauliche Speisen passieren schnell den Darm, gebratenen Speck schaukelt er vor und zurück, bis die Fettbombe ordentlich zerlegt ist.
Der Darm ist ein selbständiges Wunderwerk. Die Transportvorgänge und die Steuerung der Muskelzellen im Darm steuert das Bauchhirn, ohne dass der restliche Organismus davon Kenntnis nimmt. Erst Störungen des Systems nimmt der Körper als Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung wahr. An erster Stelle sind hier falsche Ernährung, dann Stress und mangelnde Bewegung zu nennen.
Die große Darmoberfläche bedeutet einen enormen Schwachpunkt. Diese Fläche ist gleichzeitig auch mögliche Angriffsfläche für allerlei Mikroben und Giftstoffe. Hier ist die Front, wo das Immunsystem seinen Hauptkampf ausficht.
Nicht umsonst sitzen deshalb schätzungsweise siebzig bis achtzig Prozent der Abwehrzellen des Körpers in der Darmschleimhaut. Das Hauptimmunsystem des Menschen sitzt im Darm!
Hier werden auch die zur Abwehr benötigten Eiweißstoffe, die sogenannten Immunglobuline, produziert. Sie dienen vor allem zur Abwehr von Fremdkörpern auf den Schleimhäuten. Dieses Abwehrsystem baut sich der Mensch im Laufe seines Lebens immer weiter auf. Das Immunsystem lernt.
Im Darm befinden sich Billionen von Mikroorganismen, die mehr als fünfhundert verschiedene Arten umfassen. Das sind mehr Mikroben im Darm als der Mensch Zellen im Körper hat.
Sie dienen unter anderem der Nahrungsaufbereitung, dem Aufschluss wichtiger Nährstoffe und Unterstützung des Immunsystems. Ohne diese Mikroben würde der Mensch keine zwei Wochenüberleben. Er würde jämmerlich zugrunde gehen. Funktioniert die Symbiose Darmmikroben-Mensch, geht es dem Menschen gut.
Wird diese Da