: Andrea zur Nieden
: Der Alltag der Mönche. Studien zum Klosterplan von St. Gallen Studien zum Klosterplan von St. Gallen
: Diplomica Verlag GmbH
: 9783836617161
: 1
: CHF 40.00
:
: Mittelalter
: German
: 502
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Der Alltag in einem mittelalterlichen Klosterübt auf uns noch immer den Reiz des Geheimnisvollen und Unbekannten aus. Dort lebten die Bewohner nach eigenen Regeln und Richtlinien, zu denen viele Zeitgenossen keinen Zugang hatten. Zeugnisse dieser Zeit sind Chroniken, Urkunden, Pläne und Bauwerke, die bis heute nochüberliefert und erkennbar sind. Diese bedeutenden Vermächtnisse der klösterlichen Kultur geben uns einen Hauch von der Vergangenheit wieder und rufen gleichzeitig unzählige Fragen hervor. Wie haben wir uns den alltäglichen Betrieb um die Klosterkirche im frühen Mittelalter vorzustellen? Welcher Anblick bietet sich dem Besucher, der das Kloster zum ersten Mal betritt? Wie lebten die Bewohner dort? Wie sah ihr Alltag aus? Das sind grundlegenden Fragen, die uns hier interessieren und die nun diese Untersuchung zu beantworten versucht.

Als Grundlage der Bearbeitung steht ein neuer methodischer Ansatz im Vordergrund, bei dem dasäußere Erscheinungsbild eines Klosters in der Zeit zwischen 800 und 1100 als Informationsträger fungiert. Die Erschließung der funktionalen Lebenszusammenhänge erfolgt von der Topographie der Anlage aus. Das Erscheinungsbild eines Klosters setzt unsüber Wesenszüge und Organisation des Alltags der Bewohner in Kenntnis, legt das Zusammenspiel der verschiedenen Lebensbereiche innerhalb der Abtei und die unmittelbare Lebensumwelt der Mönche offen. Dazu dient hier der Klosterplan von St. Gallen. Anhand des"St. Galler Klosterplans" soll der Bauplan eines Großklosters studiert und mit Leben erfüllt werden. Jeder Raum und jeder Wirkungsbereich in einem frühmittelalterlichen Großkloster, alle seine Bewohner in ihrem Tätigkeitsfeld bilden das Objekt der Darstellung. Im Zentrum der Untersuchung findet sich demnach der Mönch und sein Wirkungskreis. Es geht um die unmittelbare Umwelt der Mönche, die Lage sowie den Aufbau des Klosters und um die internen und externen Verflechtungen eines mittelalterlichen Großklosters. Die Erschließung des"St. Galler Klosterplans" erfolgt in der Weise, dass ein fiktiver Besucher imaginiert wird, mit dessen Augen das Kloster wahrgenommen wird. Dieser fiktive Besucher soll das Kloster vor den inneren Augen des Lesers entstehen lassen.

Die historische Alltagsforschung als eine Forschungsrichtung in der Geschichtswissenschaft situiert sich im Spannungsfeld interdisziplinärer Ansätze und Methoden. Ein unmittelbarer Forschungsgegenstand ist dabei die individuelle Ausprägung der Lebensverhältnisse und des Lebensgefühls in vergangenen Epochen. Die Veranschaulichung des Alltags der Menschen, in unserem Fall der Mönche, geschieht von einer anthropologischen Grundlage aus. Die Einzelbeispiele aus den Quellen bilden, miteinander verbunden ein facettenreiches Abbild, in dem wir die frühmittelalterlichen Lebensumstände in einem Großkloster erkennen können. Das Resultat dieser Untersuchung ist eine einfache, greifbare, aber quellengestützte Beschreibung.

Kapitel 5.3.1 Schreiben und Schreiber:

Über dem Eingang zum Skriptorium des Klosters Fulda las der Besucher einen Vers, den Alkuin für ein Gedichtübernommen hatte:„Fodere quam vites melius est scribere libros“.

Konzentriert schwang der Schreiber die Feder und formte präzise jeden einzelnen Buchstaben des Werkes. Nur mit Pergament und Griffel bewaffnet, arbeitete er rastlos im Skriptorium an seinem Pult, umgeben vom Geruch der Farben, die der Maler neben ihm für die Initialen eines weiteren Werkes verwendete. Der wissbegierige Besucher durfte die Schreib

Inhaltsverzeichnis4
Einleitung8
1. Der St. Galler Klosterplan24
1.1. Forschungsstand24
1.2. Die Widmung im Plan27
1.3. Darstellung des Plans28
1.4. Beschreibung des Plans30
1.5. War der Plan auf Funktionalität ausgerichtet?31
1.6. Idealplan oder realer Bauplan?32
1.7. Vergleichbare Klosteranlagen zum Plan34
1.8. Reformen und Regeln36
2. Das Handwerk in den großen Abteien39
2.1. Im Klosterplan39
2.2. Die Werkstatt im Kloster42
2.3. Das Kunsthandwerk der Mönche62
2.4. Das Bauhandwerk im Kloster67
2.5. Das Textilhandwerk75
2.6. Über den Arbeitsbegriff der Mönche79
Exkurs: Die Grundherrschaft des Klosters88
3. Klosterkirche125
3.1. Im Klosterplan125
3.2. Kirchenbauten in St. Gallen und zeitgenössischen Klöstern130
3.3. Über den Eifer der Äbte in Fulda, Reichenau und Cluny136
3.4. Ein Blick in das Heiligtum140
3.5. Die Brüder feiern die Messe144
3.6. Memoria oder der Toten gedenken150
3.7. Heiligenverehrung und Reliquienkult164
3.8. Der Friedhof169
3.9. Ein Todesfall174
4. Die Abtspfalz182
4.1. Im Klosterplan182
4.2. Im Haus des Abtes184
4.3. Die Brüder versammeln sich zur Wahl186
4.4. Der Abt199
4.5. Abt und Konvent, eine schwierige Beziehung?219
5. Das Klaustrum225
5.1. Im Klosterplan225
5.2. Der Kapitelsaal230
5.3. Das Dormitorium234
5.4. Wärmeraum, Waschraum und Bäder242
5.5. Der ideale Mönch, der makellos lebt und das Rechte tut245
5.6. In Amt und Würden260
5.7. Im Refektorium268
5.8. Die Fastenordnung278
5.9. Die Küche und der Vorratsraum282
6. Die Bildungseinrichtungen der Brüder286
6.1. Im Klosterplan287
6.2. Die Bibliothek288
6.3. Das Skriptorium298
6.4. Die Klosterschule312
6.5. Das Noviziat338
Exkurs: Ein kleines Paradies - Der Garten der Mönche351
7. Christus dienen - Die sozialen Einrichtungen der Brüder361
7.1. Das Hospital im Klosterplan361
7.2. Die Klostermedizin368
7.3. Die Gästeunterkünfte im Klosterplan386
7.4. Die Gäste treffen ein395
7.5. Arme bewirten (RB 4,14) - Arme und Armenfürsorge404
7.6. Der Dienst der Fußwaschung im Kloster414
7.7. Die praktizierte Armenfürsorge in St. Gallen und Cluny415
Zusammenfassung418
Quellen- und Literaturverzeichnis423
Anhang487