: Simon Hass
: Ganztagsschulen und Frauenerwerbstätigkeit. Eine quantitativ-empirische Pilotstudie
: Diplomica Verlag GmbH
: 9783836603836
: 1
: CHF 29.30
:
: Gesellschaft
: German
: 192
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Die theoretischen Schwerpunkte der hier veröffentlichten Studie sind die Darstellung und Analyse der Ganztagsschulpolitik unter den Fragestellungen der Policy-Analyse. In einem Forschungsteil wird eine durchgeführte empirische Pilotstudie und deren Ergebnisse vorgestellt. Untersucht wird hier der Zusammenhang zwischen der Einführung von Ganztagsschulangeboten und der Erwerbstätigkeitsentwick ung von Müttern.Über diese neuartige Entwicklung ist die empirische Evidenz dürftig, dies weist auf einen Bedarf an verstärkter Beobachtung und Untersuchung hin.

Thema sind demnach die Entwicklungen in gesellschaftlichen Bereichen, die von der derzeit stattfindenden bildungspolitischen Offensive betroffen sind. Von besonderem Interesse ist hier das Zusammenspiel der IZBB-Politik mit ihrer Zielfunktion Ganztagsschulen einzuführen, mit den Rahmenbedingungen für Frauen, Berufstätigkeit, Kinder und Familie zu vereinbaren. Die hier vorgestellte empirische Explorativstudie beruht auf vier Thesen, die sich mit dem besagten Phänomen beschäftigen. Eine spürbare Auswirkung der Ganztagsschulen auf das Erwerbsverhalten der Mütter wir hierbei angenommen. Die Forschungshypothesen wurden in einem vollständigen Forschungszyklus einer quantitativenÜberprü fung unterzogen. In der Untersuchung wurden mit einem standardisierten Interview fast 900 Mütter entsprechend befragt (Instrument im Anhang der Arbeit). Neben Ergebnissen zum Zusammenhang zwischen Ganztagsschule und Frauenerwerbsbeteiligung existieren Erkenntnisseüber Strategien bei der Arbeitsplatzsuche, die subjektive Wahrnehmung der Erfolgsaussichten bei der Arbeitssuche sowie der von den Müttern wahrgenommene Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und der Vereinbarkeit von Familienarbeit und Berufstätigkeit.

Der Theorieteil befasst neben der IZBB-Politik mit den zentralen parteipolitischen Forderungen anhand einer Analyse der Parteiprogramme, ebenso wird auf die IZBB-Politik des Bundes und Baden-Württembergs eingegangen, sowie verschiedenartige politische Motive behandelt, die die Einführung von Ganztagsschulangeboten beeinflussen. Hinzu kommen Ergebnisse der Akzeptanzforschung und eine Kurzdarstellung der Positionen wichtiger gesellschaftspolitischer Akteure.

Eine weitere theoretische Zielsetzung der Arbeit ist es, die IZBB-Politik mithilfe der Policy-Analyse zu typologisieren sowie Wirksamkeit, Implementationsstrategien, Motive und Wirksamkeit der IZBB-Policy zu diskutieren. Ein weiterer Theorieblock gibt Einblicke in die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unter denen sich die Einführung von Ganztagsschulangeboten vollzieht. Hierzu gehören Aspekte der familiensoziologischen Entwicklung, die derzeitigen Strukturen der Frauenerwerbstätigkeit, gesellschaftliche, sozial- und familienpolitische, sowie verschiedene makro- und mikroökonomische Rahmenbedingungen, die mit der Erwerbstätigkeit von Frauen in Verbindung stehen. Diese Themenbereiche sind die theoretischen Grundlagen für das oben angeführte Forschungsprojektüber den Zusammenhang von Ganztagsschulangeboten und Müttererwerbstätigk it selbst.

Kapitel 2.3, Grundlegung einer kritischen Evaluation:

Dass die von der Bundesregierung aufgelegte IZBB-Politik in ein nationales Konsensprojekt mündete, ist unbestritten. Obwohl die bildungspolitischen Verantwortlichkeiten traditionell in den Ländern liegen, sah sich die Bundesregierung nach PISA in der Pflicht, die Probleme des deutschen Bildungswesens offensiv anzugehen. Sieüberschritt dabei den föderalistischen Tatsachenbestand der bildungspolitischen Kompetenzverteilung.

Die politischen Handlungen in der Not der damaligen Stunde hatten zudem zweierlei Funktionen. Die erste Funktion war sicherlich von derÜberzeugung und Anstrengung geleitet, durch die Ganztagsschulpolitik das Bildungswesen mit seiner wichtigen gesellschaftlichen Funktion zu stabilisieren.

Andererseits nutzte die IZBB-Politik, die auch eine etwas aktionistische Komponente bereithält, der Festigung der Legitimation der rot-grünen Bundesregierung. Durch die sehr zügige Problemdefinition und die Entwicklung eines Handlungsprogramms sollte die Reformfähigkeit und die eigene Unentbehrlichkeit betont werden. Die angespannte Situation nach PISA wurde vom Bund als eine strategisch vorteilhafte Situation aufgenommen und dazu genutzt, sich bei der in derÖffentlichkeit sehr wohl im Bewusstsein befindlichen Bildungspolitik als sehr relevanter Akteur, ja sogar als den eigentlichen Impulsgeber, zu inszenieren.

Es gelang ausgesprochen gut, den Anschein einer Politik der Zukunftsorientierung aufzubauen und zu verfestigen. Gauger sieht, dass das vor allem von der Bundesregierung und den SPD-regierten Ländern entfachte Interesse an der Ganztagsschule aus den Ergebnissen der PISA-E-Studie stammt, die den Bankrott der SPD-Schulpolitik belegt, denn jedes Mal sei ein deutliches Leistungsgefälle zwischen Unions-geführten und SPD-geführten Ländern festzustellen gewesen.

So sollte durch die IZBB-Politik vor dem Hintergrund der PISA-Ergebnisse vor allem vom eigenen Versagen abgelenkt werden. Der Inszenierung macht sich die Politik zum Beispiel auch durch die Erfolgsmeldungen aus den Ländern Sachsen und Thüringen verdächtig, als die Ummünzung der bestehenden Gesamtschulen mit Ganztagsschulangebot als ein politischer Erfolg der IZBB-Politik präsentiert wurde.

Manche Skeptiker argumentieren auch, dass die derzeitige Ganztagsschulpolitik keine pädagogisch motivierte Schulreform sei, sondern die Einführung von Ganztagsschulen als Reaktion auf soziale Missstände und jugendpolitische Problemlagen in Großstädten sowie als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen wie Alleinerziehende, Erwerbstätigkeit von Müttern und Erziehungsdefizite hin forciert würde.

Die pädagogischen Argumentationsstränge seien erst im Nachholverfahren von der Politik eingesetzt worden. Die Diskussionen um das„Versagen der Gegenwartsschule“ seien lediglich„Mittel zum Zweck“, um die defizitären gesellschaftlichen Bedingungen nun in der„Reparaturwerkstatt“ Ganztagsschule abzufedern.

Die Wirksamkeit des einges

Inhalt3
Einleitung6
I. Teil10
1 Ganztagsschulen in der aktuellen Diskussion10
1.1 Historische Aspekte und Diskurs der letzten Jahre10
1.2 Bildungspolitische Positionen der politischen Parteien13
1.3 IZBB – Finanzhilfeprogramm des Bundes zum Ausbau von Ganztagsschulen25
1.4 Versorgung mit Ganztagsschulen vor und nach IZBB27
1.5 Ganztagsschulpolitik der baden-württembergischen Landesregierung28
1.6 Politische Motive zur Einführung von Ganztagsschulen30
1.7 Gesellschaftliche Akzeptanz und Nachfrage von Ganztagsschulen36
1.8 Stellungnahmen über die Ausweitung von Ganztagsschulen bei anderen gesellschaftspolitischen Akteuren44
1.9 Kritische Reflexion der Ganztagsschule durch die Erziehungswissenschaft48
1.10 Kritische Reflexion der Ganztagsschule durch die Rechtswissenschaft52
2 Einführung von Ganztagsschulen unter Fragestellungen der Policy-Analyse53
2.1 Definitionen und Begriffserklärungen53
2.2 Typologisierung der Ganztagsschulpolitik74
2.3 Grundlegung einer kritischen Evaluation85
II. Teil93
3 Familiensoziologische Entwicklungen in der Postmoderne93
4 Strukturdaten der Frauenerwerbstätigkeit97
4.1 Deutschland98
4.2 Europa101
5 Gesellschaft, Politik, Ökonomie und Frauenerwerbstätigkeit104
5.1 Gesellschaft und Frauenerwerbstätigkeit105
5.2 Politik und Frauenerwerbstätigkeit106
5.3 Mikroökonomische Betrachtungen zur Frauenerwerbstätigkeit110
5.4 Szenarien einer zukünftigen Entwicklung für Deutschland112
III. Teil118
6 Der Zusammenhang zwischen Ganztagsschulen undFrauenerwerbstätigkeit – Stand der Forschung118
7 Forschungsprojekt zur Überprüfung des Zusammenhangsvon Ganztagsschulen und Frauenerwerbstätigkeit121
7.1 Anlage der empirischen Untersuchung122
7.2 Sample125
7.3 Methodische Vorgehensweise und Forschungsdesign127
7.4 Durchführung der Feldforschung131
8 Ergebnisse der empirischen Untersuchung132
8.1 Mütter mit existierendem Ganztagsschulangebot133
8.2 Kontrollgruppe mit antizipiertem Ganztagsschulangebot134
8.3 Alleinerziehende Mütter136
8.4 Andere Konstellationen137
8.5 Die Strategien der Arbeitssuche138
8.6 Weitere Nebenbedingungen und Faktoren der Frauenerwerbsbeteiligungsentwicklung145
9 Kritische Reflexion der empirischen Befunde149
9.1 Der Zusammenhang zwischen Ganztagsschule und Frauenerwerbstätigkeit149
9.2 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt161
9.3 Die Erfolgsaussichten arbeitssuchender Mütter164
9.4 Die Vereinbarkeit von Familie, Ganztagsschulangeboten undBerufstätigkeit169
10 Zusammenfassung und Fazit174
Literaturverzeichnis179
Anhang189