Der Sommer der Gaukler Roman
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Robert Hültner
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Der Sommer der Gaukler Roman
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btb Verlag
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9783641011383
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1
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CHF 2.70
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Historische Romane und Erzählungen
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German
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224
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB/PDF
Zum Mozartjahr 2006: Ein mitreißender historischer Roman um den Librettisten von Mozarts »Zauberflöte« von einem sprachgewaltigen deutschen Autor.
Ein kleines Dorf in den Bergen, eine halbe Tagesreise von Salzburg entfernt. Am Ende des 18. Jahrhunderts geht ein tiefer Riss durch seine Bewohner: den saturierten Großbauern stehen die Bergwerksarbeiter gegenüber, deren Lage sich immer mehr verschlechtert. In diese gespannte Atmosphäre platzt der genialische und brachiale Emanuel Schikaneder mit seiner Wandertheatertruppe. Er hat an den sittenstrengen Salzburger Fürstbischof Colloredo ein Gesuch geschickt, an dessen Hofe auftreten zu dürfen, doch weil die Antwort auf sich warten lässt, sitzen die Schauspieler in dem Bergdorf fest. Der unübersehbare lockere Lebenswandel der Truppe stößt bei einem Teil der Bewohner von Tag zu Tag auf größeren Widerwillen. Zudem gerät Schikaneder in Geldnot, und es wird immer schwerer, seine Schaupieler zusammenzuhalten. Seine rettende Idee: er bringt ein reißerisches Trauerspiel zur Aufführung, eine Sensation für das kleine Dorf. Doch die Geschichte von dem hartherzigen Adligen und dem geschwängerten und im Stich gelassenen Bürgermädchen führt zu Tumulten und schließlich zum Eklat. Für den letzten Akt hat der Dorfrichter heimlich die Gendarmerie in Stellung gebracht, um dem revolutionären Aufruhr mit angemessenen Mitteln bekämpfen zu können …
WIRD VERFILMT VON H. W. GEISSENDÖRFER
Robert Hültner wurde 1950 in Inzell geboren. Er arbeitete unter anderem als Regieassistent, Dramaturg, Regisseur von Kurzfilmen und Dokumentationen, reiste mit einem Wanderkino durch kinolose Dörfer und restaurierte historische Filme für das Filmmuseum. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen gehören neben historischen Romanen und Krimis auch Drehbücher (u. a. für den Tatort), Theaterstücke und Hörspiele. Sein Roman „Der Sommer der Gaukler“ wurde von Marcus H. Rosenmüller verfilmt. Für seine Inspektor-Kajetan-Romane wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem dreimal mit dem Deutschen Krimipreis und mit dem renommierten Glauser-Preis.
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(S. 188-189)
Der Prinzipal hatte sich früher als sonst verabschiedet. Einige Details der morgigen Aufführung müsse er noch überdenken, die Transformierung in eine Freiluftaufführung werfe immer unerwartete Probleme auf. Kurze Zeit später hatte sich auch Demoisell Bichler erhoben. So erschöpft wie nach diesem turbulenten Tag sei sie selten gewesen – zwei komplette Durchgänge an einem Tag, dazu noch Szenenproben – das koste schließlich Kraft. Außerdem müsse sie noch ein wenig über das Wesen ihrer Rolle sinnieren, und bei der Anlage ihres Liebesmonologs habe sie noch den einen oder anderen Zweifel.
Ob er seinen Direkteur womöglich bei der Arbeit stören würde, ob dieser vielleicht bereits zu Bett gegangen war – all das war Wallerschenk jetzt völlig egal. Als nach dem ersten Klopfen noch keine Antwort kam, hämmerte er an die Tür zu Schikaneders Kammer. Endlich ging die Türe einen Spalt weit auf. »Wallerschenk? Sie?! – Hab ich nicht Order gegeben, mich nicht mehr zu stören? Ich habe mich für die morgige Aufführung zu präparieren!« »Ich auch!«, krächzte Wallerschenk. »Ich auch!« Schikaneder trat über die Schwelle und zog die Tür hinter sich zu. »Kann man nicht eine Sekunde innere Einkehr halten? «, rief er erbost. »Was ist denn?
Hat es vielleicht wieder Differenzen gegeben? »Differenzen?!«, japste Wallerschenk. Er deutete auf sein Oberkiefer. »Da vorn wackeln mir zwei Zähn!« »Wenn Er meint, raufen zu müssen, gehts mich als Direkteur bloß was an, wenn er deswegen nicht zur Vorstellung kommen kann. Dass Sie ein bisschen zerrupft sind, sehe ich, aber stehen und sprechen können Sie noch. Sie mit Ihrer ewigen Streitsucht! Mit wem haben Sie sich schon wieder angelegt?«
»Diese blöden Dorfleut müssen bei der Probe gelinst haben, und jetzt sind sie mir bös!« »Herrgott, Wallerschenk, so stellens Ihnen doch nicht so an! Die Emotion schäumt halt hier höher auf als in den noblen Häusern. Warum nimmt Ers nicht positiv?« »Positiv?!«, keuchte Wallerschenk entgeistert. »Natürlich! Als Lob dafür, dass sein Spiel so genial ist?« »Lob tut wohl! Ich aber spürs genau konträr! Ich kann ja kaum noch einen Schritt tun, da fallen diese Narrenhäusler schon über mich her! Aber der Demoisell Bichler, bei der fehlts grad noch, dass sie ihr in der Kirche Kerzen aufstecken.« Schikaneder sah streng auf ihn herab.
»Ach, das ist es! Eifersucht! Wie unwürdig, Wallerschenk! Wie unwürdig.« »Blödsinn!« Wallerschenks Augen loderten vor Verzweiflung und Empörung. »Herr Direkteur! Ich ersuche mit aller Entschiedenheit, den Vicedom von jemand anderem geben zu lassen! Was hier vor sich geht, hat mit Kunst nichts mehr zu tun!« »Ausgeschlossen!«, donnerte Schikaneder. »Er spielt! Das ist eine ordre du directeur! Leisten Sie ihr nicht Folge, sehe ich mich gezwungen, dies als klare Insubordination, und angesichts der augenblicklichen Lage gar als Obstruktion zu werten!« Er drückte die Türklinke. »Keine weitere Diskussion! Gute Nacht.« Reflexartig klappte Wallerschenk die Lider zusammen, als die Tür vor ihm ins Schloss krachte. Während er geschlagen davonwankte, schob Demoisell Bichler die Bettdecke zurück, unter der sie sich verborgen hatte. Sie schüttelte missbilligend den Kopf. »Was der sich einbildet. Als obs sein Spiel wär, für das ihn die Dorfleut hauen.«
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