: Rainer Silbereisen, Marcus Hasselhorn
: Entwicklungspsychologie des Jugendalters (Enzyklopädie der Psychologie : Themenbereich C : Ser. 5 ; Bd. 5)
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840905926
: 1
: CHF 135.60
:
: Theoretische Psychologie
: German
: 976
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Renommierte Expertinnen und Experten bieten in diesem Band einen umfassendenÜberblick&uum ;ber die internationalepsychol gische Forschung zum Jugendalter. Neben biologischen und psychologischen Grundprozessen werden die vielfältigen Kontexte der Jugendentwicklung behandelt. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit der Entwicklung von Kompetenz und mit Fehlanpassungen und ihren Folgen.

Themen des Bandes sind u.a.: Biologische Veränderungen während der Pubertät, Veränderung kognitiv-motivationaler Grundlagen des Handelns, Gleichaltrige, Schule, Ausbildung und Arbeit, Identität, Neue Medien, Autonomie, Sexualität, Alkohol und Drogen, Soziale Beziehungen und Armut.

Die Herausgeber:
Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen. Studium an den Universitäten Münster und TU Berlin. 1975 Promotion. 1978 Habilitation. Seit 1994 Inhaber des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie der Friedrich-Schiller-Universit& uml;t Jena.

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, geb. 1957. 1977-1983 Studium der Psychologie und Pädagogik in Göttingen und Heidelberg. 1986 Promotion. 1993 Habilitation. Seit 1997 Leiter der Abteilung Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie am Georg-Elias-Müller Institut für Psychologie der Universität Göttingen. Seit 2007 Leiter der Arbeitseinheit Bildung und Entwicklung am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main.

2. Kapitel Kognitive Entwicklung im Jugendalter Eva Dreher und Michael Dreher (S. 55)

1 Einführung
Die Veränderung kognitiver Fähigkeiten zählt zu den zentralen Merkmalen der Entwicklung im Jugendalter. Die Forschungsgeschichte hierzu umfasst kaum mehr als sechs Jahrzehnte, sie dokumentiert jedoch ein breites Spektrum an Fragestellungen, die vom strukturellen und funktionalen Wandel individueller Erkenntnisfähigkeit bis hin zu Teilaspekten des Denkens und der Bewusstheit reichen. Der Gegenstand der„Kognition" lässt sich zunächst allgemein kennzeichnen als Aspekte des Intellekts, die sowohl Prozesse der Konstruktion, Aneignung, Veränderung, Handhabung und Nutzung von Wissen (vgl. Byrnes, 2003, Overton, 1991, Bjorklund, 1999) umfassen.

Mit„Bewusstheit" werden kognitive Prozesse einer Metaperspektive unterstellt, die als planende, kontrollierende und regulierende Instanz fungiert (vgl. Keating, 2004, Steinberg, 2005). Die Darstellung der kognitiven Entwicklung zwischen Kindheit und Erwachsenenalter orientiert sich an den zentralen theoretischen Ansätzen der Forschung, deren Abfolge nicht nur den historischen Wandel des Erkenntnisinteresses der kognitiven Entwicklungspsychologie widerspiegelt, sondern auchüber Themen der kognitiven Entwicklung im Jugendalter informiert.

Im gegenwärtigen Trend sind Ergebnisse aus neurowissenschaftlicher Forschung von besonderem Interesse. Da sieüber die traditionellen Annahmen pubertätsabhängiger neuronaler Entwicklung hinausgehen, eröffnen sie neue Erklärungen für bisherige Fakten, verweisen aber auch auf eine Reihe offener Fragen, diese betreffen sowohl kognitive Operationen (z. B. Metakognition) als auch regulative Funktionen (z. B. Emotionsregulation, Handlungssteuerung, Entscheidungsverhalten).

Der zweite Teil befasst sich mit der Differenzierung kognitiver Prozesse und analysiert den Stellenwert unterschiedlicher„Denkarten" innerhalb der Entwicklung im Jugendalter. Da die Jugendphase durch frühe, mittlere und späte Abschnitte eine starke Periodisierung aufweist, liegt es nahe, dass veränderungssensitiveÜbergänge im Verlauf dieser zeitlich ausgedehnten Phase mit unterschiedlichen kognitiven Phänomenen einhergehen.

Mit der Differenzierung unterschiedlicher„Denk-Kategorien" und der Akzentuierungübergeordneter Prinzipien (z. B. Reflexivität, Rationalität) werden qualitative Merkmale herausgehoben, die zum einen die Reichweite kognitiver Entwicklung im Jugendalter abstecken, zum anderen spezifische Veränderungen des Leistungspotenziales verdeutlichen.

Auf Zusammenhänge zwischen Kognition und Verhalten konzentriert sich der anschließende Abschnitt. Im Vordergrund steht hier der Aufbau von Regulationsfähigkeit. Umgang mit Emotionen, motivationale Steuerung und handlungsbezogene Reflexion gelten als wichtige Entwicklungsressourcen, um mit komplexen intrapsychischen Veränderungen und mit Anforderungen aus verschiedenen Lebensbereichen zurechtzukommen. Unter dieser Zielsetzung umfasst kognitive Entwicklung handlungsbezogenes Wissen und Strategien rationaler Kalkulation (z. B. Alternativen abschätzen, koordinieren, bewerten, Prioritäten setzen, Handlungskonsequenzen bedenken).

Die Konfrontation mit Anforderungen in der realen Welt erfordert zusätzlich die Fähigkeit, solches Wissen flexibel verfügbar zu haben und unter spezifischen Bedingungen„in eigener Regie" sicher einsetzen zu können. Denkprozesse, auftauchende Emotionen und motivationale Kräfte in ein komplexes System bewusster Kontrolle integrieren zu können, gilt in vieler Hinsicht als Markstein geistiger und psychosozialer Reife. Diese Entwicklung erfährt im Jugendalter zwar einen deutlichen Anschub, setzt sich aber noch weit ins Erwachsenenalter fort (Steinberg et al., 2004, Arnett, 2004).

Das Kapitel schließt mitÜberlegungen, die bestehenden Defizite im Wissen um kognitive Phänomene und Aufgaben zukünftiger Forschung zu beleuchten. Was sich derzeit als Quelle neuer Erkenntnisse abzeichnet, ist eine interdisziplinäre Vernetzung von Fragestellungen und Forschungszugängen. Besonders aktuell sind Forderungen und Erwartungen bezüglich der Integration von Neurowissenschaften und Entwicklungspsychologie (vgl. Segalowitz, 2003).

Autorenverzeichnis, Vorwort und Inhaltsverzeichnis6
1 Pubertät und psychosoziale Anpassung34
1 Einleitung34
2 Wachstum und Veränderungen in körperlichen Proportionen und verschiedenen Organsystemen in der Adoleszenz36
3 Hormonelle Regulation in Pubertät und Adoleszenz47
4 Psychosoziale Aspekte körperlicher Veränderungen in der Pubertät und Adoleszenz54
5 Konsequenzen von Variationen im Tempo der körperlichen Entwicklung in der Pubertät58
6 Ausblick: Schlussfolgerungen für zukünftige Forschung69
Literatur72
2 Kognitive Entwicklung im Jugendalter86
1 Einführung86
2 Wandel der Konzepte zur kognitiven Entwicklung im Jugendalter88
3 Aspekte des Denkens102
4 Denken und Handeln121
5 Implikationen und Anregungen125
Literatur127
3 Soziale Übergänge von der Kindheit bis in das frühe Erwachsenenalter140
1 Einleitung140
2 Sozio-historische Veränderung sozialer Übergänge im Jugendalter142
3 Individuelle Entwicklungsregulation beim Vollzug sozialer Übergänge145
4 Prädiktoren des Zeitpunkts der Übergänge vom Jugendlichen zum Erwachsenen147
5 Das Zusammenspiel von sozialen Übergängen150
6 Folgen sozialer Übergänge für die Entwicklung152
7 Schlussfolgerungen und Forschungsdesiderate157
Literatur159
4 Eltern-Kind-Beziehungen im Jugendalter166
1 Einleitung166
2 Historische Veränderungen im Generationenverhältnis167
3 Theoretische Perspektiven: Von der „Abstoßung“ der Eltern zur differenzierten Verbundenheit170
4 Veränderungen des Eltern-Kind-Verhältnisses im Jugendalter178
5 Das Jugendalter in unterschiedlichen familiären Kontexten195
6 Zusammenfassung und Ausblick202
Literatur204
5 Die Gleichaltrigen220
1 Das Forschungsfeld220
2 Theoretische Zugänge223
3 Das Peersystem228
4 Gleichaltrige und Eltern242
5 Ausblick246
Literatur248
6 Kontext: Schule260
1 Schulen als differenzielle Entwicklungsmilieus261
2 Kognitive Entwicklung und schulische Lernumwelt263
3 Unterrichtsgestaltung und kognitive Entwicklung265
4 Allgemeine psychosoziale Entwicklung im schulischen Kontext266
5 Entwicklung lernbezogener Motive und Zukunftsperspektiven im Kontext der