: Heinz Schuler, Benedikt Hell (Hrsg.)
: Studierendenauswahl und Studienentscheidung
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840921032
: 1
: CHF 24.40
:
: Geisteswissenschaften, Kunst, Musik
: German
: 226
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Abituri nten, die vor der Entscheidung für eine bestimmte Universität oder für ein Studienfach stehen, haben ebenso großes Interesse wie die auswählende Universität, dass ihre Fähigkeiten und Interessen mit den Studienanforderungenüber instimmen. Eine gelungene (Aus-)Wahl wirkt sich positiv auf das Leistungsverhalten, die Zufriedenheit und damit das Wohlbefinden der Studierenden aus und schlägt sich in besseren Noten, kürzeren Studienzeiten sowie geringeren Studienabbruchquoten nieder. Die Beiträge dieses Bandes sollen Hochschulen wie Studieninteressierten helfen, diese Ziele zu erreichen.

Der Band beleuchtet die gegenseitige Auswahl von Studienplatzinteressenten und Hochschulen aus verschiedenen Perspektiven und zeigt innovative wie praktikable Ansätze zur Gestaltung dieser Auswahlprozesse auf.Übersichtsarbeiten bieten einen Vergleich verschiedener Auswahl- und Zulassungsverfahren und bilanzieren deren Prognosekraft. Weitere Beiträge schildern im Detail die Gestaltung und Durchführung von Auswahlverfahren und berichtenüber die Evaluation dieser Verfahren. Eine dritte Gruppe von Beiträgen befasst sich mit der Entscheidungsfindung der Studienaspiranten. Damit sollen all jene unterstützt werden, die sich um sachgerechte, valide und faire Wahl- und Auswahlentscheidungen im Hochschulbereich bemühen.

1 Studierendenauswahl im Kontext der Hochschulsysteme(S. 21)
Gegenüber der zunächst nahe liegenden Einteilung nach geografischen Merkmalen erscheint bei genauer Betrachtung der Rahmenbedingungen eine stärker an Systemmerkmalen orientierte Typisierung aussagekräftiger. Zu den maßgeblichen Kennzeichen, die denÜbergang von Schule zu Hochschule beeinflussen, zählen die Gliederung des Sekundarschulwesens, Prestige- und Qualitätsabstufungen zwischen den Hochschulen, die Autonomie der Hochschulen hinsichtlich der Zulassung von Studienbewerbern sowie nicht zuletzt die bildungspolitische Ausrichtung der Studierendenauswahl. Japan, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich ist ein weitgehend horizontal gegliedertes Sekundarschulwesen gemeinsam. Vergleichbare schulische Bildungsvoraussetzungen der jeweiligen Alterskohorten führen in der Konsequenz zu einem stärkeren Wettbewerb der Hochschulen um geeignete Studienbewerber und umgekehrt.

Daraus resultiert u. a., dass derÜbergang von der Schule zur Hochschule in diesen Ländern durch ein beträchtliches Prestigegefälle zwischen den Hochschulen geprägt ist. Zugespitzt gilt insbesondere für die Elitehochschulen der Grundgedanke der„Auswahl der Besten" in einem kompetitiven Auswahlverfahren. Staatliche wie private Hochschulen sind weitgehend autonom bei der Auswahl und Zulassung der Studienbewerber, während Studieninteressierte sich in der Regel an mehreren Hochschulen bewerben und den damit verbundenen hohen Aufwand auf sich nehmen. Insofern kann von einer Individualisierung sowohl des Auswahl- wie des Bewerbungsprozesses gesprochen werden, da Steuerungs- und Entscheidungsverhalten und die damit verbundenen Investitionen bei dem einzelnen Studienbewerber wie der einzelnen Hochschule liegen. Die einschneidende Bedeutung der Auswahlentscheidung ist vor allem auf die punktuelle Gestalt dieser Schnittstelle zurückzuführen, die nachhaltige– und besonders in Japan kaum reversible– Konsequenzen für die individuelle berufliche Laufbahn nach sich zieht.

Auch das Sekundarschulwesen in Schweden ist, wie in den meisten skandinavischen Ländern, horizontal gegliedert. Im Unterschied zu den vorgenannten Länderbeispielen besteht jedoch ein geringes Prestigegefälle zwischen den Hochschulen. Zentrale Rahmenbedingung der Auswahl- und Zulassungsverfahren an schwedischen Hochschulen ist zum einen die staatliche Festlegung verfügbarer Studienplatzkapazitäten, die wegen der wachsenden Bewerberzahlen Anfang der achtziger Jahre eingeführt wurde und eine konsequente Orientierung am Arbeitsmarktbedarf darstellt. Zum anderen bestehen in Schweden Quotengruppen für verschiedene Zulassungskriterien, mit denen u. a. der Zugang zur höheren Bildung für nicht traditionelle Studienbewerber gewährleistet werden soll. Darin zeigt sich eine bildungspolitische Grundhaltung, nach der verschiedene Bildungswege und Lernleistungen anerkannt werden und gleichermaßen Chancen zur Hochschulbildung eröffnen sollen.

Demgegenüber kennzeichnen Frankreich, trotz des bestehenden Gesamtschulwesens in der Sekundarstufe 1 (Collège), Merkmale einer eher vertikalen Gliederung und ein stark differenziertes Hochschulsystem, innerhalb dessen zwei Parallelsysteme nebeneinander bestehen: ein offener Hochschulsektor auf der einen, streng selektive Elitehochschulen auf der anderen Seite. Diese beiden Sektoren im Hochschulbereich verkörpern eine„hybride" bildungspolitische Konstellation, mit der sowohl Chancengleichheit als auch Elitebildung erreicht werden soll– ein Anspruch, der sich in der Auswahl- und Zulassungspraxis widerspiegelt. Der erfolgreiche Abschluss der höheren Sekundarstufe ist mit einer Hochschulzugangsberechtigung verknüpft, die faktisch jedoch nur für den offenen Sektor gilt, wohingegen die Elitehochschulen den Zugang restriktiv handhaben. Auch das Sekundarschulwesen in Spanien weist tendenziell eher vertikale Strukturmerkmale auf. Ein starkes Statusgefälle zwischen den Hochschulen, wie etwa in Frankreich, existiert jedoch nicht, auch wenn traditionell die konfessionellen (katholischen) Hochschulen einen sehr guten Ruf haben. HinsichtlichAuswahl und Zulassung der Studierenden verfügen die Universitäten im Unterschied zu den Fachhochschulenüber große Autonomie.

2 Auswahl- und Zulassungsverfahren der Vergleichsländer im Profil

Die Verfahren der Auswahl und Zulassung in den ausgewählten Ländern rekurrieren auf unterschiedliche nationale strukturelle und kulturelle Rahmenbedingungen, wie bereits deutlich wurde.

Inhalt und Vorwort6
Studierendenauswahl und Studienentscheidung aus eignungsdiagnostischer Sicht12
I Einsatz und Prognosekraft von Auswahl- und Zulassungsverfahren20
Studierendenauswahl im internationalen Vergleich22
1 Studierendenauswahl im Kontext der Hochschulsysteme22
2 Auswahl- und Zulassungsverfahren der Vergleichsländer im Profil24
3 Anforderungsprofile der Auswahlverfahren im Ländervergleich30
4 Schlussbemerkung31
Literatur32
Auswahl- und Feststellungsverfahren in Deutschland - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft33
1 Einleitung33
2 Die Vergangenheit von Auswahl- und Feststellungsverfahren in Deutschland33
3 Die Gegenwart von Auswahl- und Feststellungsverfahren in Deutschland37
4 Die Zukunft von Auswahl- und Feststellungsverfahren in Deutschland40
Literatur43
Synopse der Hohenheimer Metaanalysen zur Prognostizierbarkeit des Studienerfolgs und Implikationen für die Auswahl- und Beratungspraxis44
1 Einleitung44
2 Methode45
3 Ergebnisse45
4 Implikationen für die Auswahl- und Beratungspraxis52
Literatur55
II Studienentscheidung und Unterstützung einer fundierten Studienwahl56
Optimierung der Studienentscheidung durch verbesserte Studieninformation58
1 Hochschulzugang, Studienentscheidung und Studienabbruch bisher58
2 Forschung zu Studienwahl und -information60
3 Was ist zu tun?65
Literatur66
Beratungsorientierte Diagnostik zur Unterstützung der Studienentscheidung studierwilliger Maturanten68
1 Einleitung68
2 Theoretische Grundlagen68
3 Konzeption des Beratungsangebots69
4 Rahmenbedingungen und Nutzung der Beratung70
5 Ausgewählte Ergebnisse zu den Beratungswirkungen und zum Studienverlauf71
6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen77
Literatur78
Self-Assessment - Online- Beratung für Studieninteressierte79
1 Gewinnung von zukünftigen Studierenden79
2 Self-Assessment als Instrument der Selbstselektion80
3 Entwicklung und Aufbau eines Self-Assessments81
4 Evaluation von Self-Assessments83
Literatur85
Das Online-Self-Assessment für den Studiengang Psychologie an der J. W. Goethe- Universität Frankfurt am Main86
1 Einleitung86
2 Methodisches Vorgehen87
3 Technische Realisierung87
4 Erste Ergebnisse89
5 Diskussion und Ausblick93
Literatur94
Qualitätsanspräche an ein Self-Assessment zur Studienwahlberatung: Der Wiener Ansatz96
1 Einleitung96
2 Self-Assessment: Allgemeine psychologischdiagnostische Voraussetzungen96
3 Self-Assessment: Zur Machbarkeit von Persönlichkeitsdiagnostik97
4 Der Wiener Ansatz zur Persönlichkeitsdiagnostik: Experimentalpsychologische Verhaltensdiagnostik98
5 Self-Assessment: Offene Fragen100
Literatur101
Technische Herausforderungen bei webbasierten Self- Assessments103
1 Erstellung und technische Umsetzung103
2 Durchführung105
3 Auswertung und Verwertung der Daten108
4 Zusammenfassung109
Literatur110
III Möglichkeiten und Grenzen der Studienerfolgsprognose112
Validität kognitiver Tests als Funktion der Valenz von Test- und Studiensituation114
1 Einleitung114
2 Hypothesen115
3 Studie 1116
4 Studie 2119
5 Diskussion der beiden Studien121
Literatur122
Zur Vorhersagbarkeit von Studienabbrüchen als Kriterium des Studien( miss)- erfolgs123