: Marcus Hasselhorn, Wolfgang Schneider (Hrsg.)
: Handbuch der Entwicklungspsychologie (Reihe: Handbuch der Psychologie, Bd. 7)
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840918476
: 1
: CHF 47.90
:
: Theoretische Psychologie
: German
: 713
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Das Handbuch informiert in 57 Beiträgenüber Metatheorien und zentrale Modelle der Entwicklung sowieüber die wichtigsten Mechanismen der Veränderung menschlichen Verhaltens und Erlebens. Besonderheiten der verschiedenen Phasen der Lebensspanne sowie wesentliche Befunde der kognitiven und der sozial-emotionalen Entwicklung werden erörtert. Dargestellt werden außerdem differenzielle Entwicklungsaspekte, normative Entwicklungsübergän e sowie ausgewählte Themen der angewandten Entwicklungspsychologie und der entwicklungspsychologischen Forschungsmethoden.

Das Handbuch bietet für Studierende und Fachvertreter der Psychologie eine Grundlage für die Lehre in Entwicklungspsychologie. Es richtet sich auch an Studierende und Fachvertreter von Nachbardisziplinen sowie an Berufspraktiker, die sich einenÜberblicküber die Phänomene und Erklärungsansätze menschlicher Entwicklung verschaffen wollen oder gezielt Informationen zu einzelnen Themenbereichen der Entwicklungspsychologie suchen.

Die Herausgeber

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, geb. 1957. 1977-1983 Studium der Psychologie und Pädagogik in Göttingen und Heidelberg. 1986 Promotion. 1993 Habilitation. 1993-1997 Professor für Entwicklungspsychologie am Institut für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie der TU Dresden. 1997-2007 Leiter der Abteilung Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie am Georg-Elias-Müller Institut für Psychologie der Universität Göttingen. Seit 2007 Leiter der Arbeitseinheit Bildung und Entwicklung am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Wolfgang Schneider, geb. 1950. 1969-1975 Studium der Psychologie, Theologie und Philosophie in Heidelberg und Wuppertal. 1976-1981 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg. 1979 Promotion. 1981-1982 Visiting Scholar am Department of Psychology der Stanford University (USA). 1982-1991 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für psychologische Forschung in München. 1988 Habilitation. 1990-1991 Vertretung und seit 1991 Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie IV (Pädagogische und Entwicklungspsychologie) an der Universität Würzburg.

VII Normative Entwicklungsübergänge Inanspruchnahmeöffentlicher Kinderbetreuung (S. 477-480)

Making Use of Public Child Care Facilities

Lieselotte Ahnert

In historischen und kulturvergleichenden Studien wird in Ergänzung der elterlichen Fürsorge die Säuglings-, Kleinst- und Vorschulkindbetreuung als normativ im Rahmen von erweiterten Familien- und Nachbarschaftsnetzen beschrieben. In den hochindustrialisierten Ländern der Moderne hat sich dagegen eineöffentliche Kinderbetreuung durchgesetzt, die von bezahlten Betreuer/inne/n umgesetzt wird. Dabei haben diese Betreuungsangebote einen funktionellen Paradigmenwechsel durchlaufen, der sich von der Dienstleistung für erwerbstätige Eltern hin zur Lern- und Entwicklungsförderung des Kindes vollzogen hat. Insofern wird die Inanspruchnahmeöffentlicher vorschulischer Betreuung heute als normativ und in Vorbereitung auf die schulische Bildung angesehen. Im Kontrast zu den Betreuungsangeboten für Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren wird für Säuglinge und Kleinstkinder dieöffentliche Betreuung allerdings weiterhin recht kontrovers diskutiert, jedoch immer häufiger in diesem Altersabschnitt begonnen.

Rechtsgrundlagenöffentlicher Kinderbetreuung

Dieöffentliche Kinderbetreuung gehört in Deutschland kompetenzrechtlich zum Bereich deröffentlichen Fürsorge und nicht zum Schulwesen. Gemäß den Prinzipien von Subsidiarität und Föderalismus räumt das KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz als Bestandteil der Sozialgesetzgebung, SGB VIII) dabei den einzelnen Bundesländern einen Landesrechtsvorbehalt ein, der den jeweiligen Landesgesetzen ermöglicht, Leistungsumfänge, Qualitätstandards, Kontrollverfahren, Personalausstattung und Finanzierungsanteile (inkl. der Elternbeiträge eineröffentlichen Kinderbetreuung spezifisch zu regeln. Ein einklagbares (Individual-) Recht auf einen Betreuungsplatz gewährt das KJHG nur für Kinder mit Vollendung des dritten Lebensjahres, für Säuglinge und Kleinstkinder sind„Plätze nach Bedarf vorzuhalten" (§ 24 KJHG).

1Öffentliche Kinderbetreuung als Teil der Betreuungsökologie des Vorschulkindes

Der Betreuungsmodus eineröffentlichen Kindertageseinrichtung (kurz: Kita) wird in der Regel in Bildungs- und Erziehungsprogrammen dargelegt, die jedoch einheitlich vom einem aktiven kindlichen Subjekt ausgehen, das mit seiner Indivi dualität akzeptiert, in seiner Eigenentwicklung und Selbstbildung begleitet wird und eine umfassende Partizipation im pädagogischen Alltag der Kita erhalten muss. Diese Programme nehmen heute die Entwicklungserfordernisse der betreuten Kinder von Geburt an in den Blick und reflektieren damit die wesentlichen Qualitätsvorstellungenöffentlicher Betreuung.

Qualitätöffentlicher Kinderbetreuung

In der heutigen Diskussionüber die Qualitätöffentlicher Kinderbetreuung wird neben den Parametern der sog. Strukturqualität, wie Gruppengröße, Betreuungsschlüssel und Ausbildungsstand der Erzieher/innen, einem pädagogischen Alltag Bedeutung beigemessen, der als sog. Prozessqualität mithilfe von entwicklungsfördernden Erzieher/innen-Kind-Beziehungen ausgestaltet werden muss (vgl. Tietze& Viernickel, 2002). Es ist unstrittig, dass sich die Qualitätskriterienöffentlicher Betreuung entscheidend auf die Entwicklung der betreuten Kinder auswirken. Beim Vergleich der Entwicklung von Kita-Kindern mit Kindern ohneöffentliche Betreuungserfahrung muss jedoch beachtet werden, dass Kita-Kinder nicht etwa inöffentlichen Kindereinrichtungen anstatt zu Hause aufwachsen, sondern in einem geteilten Betreuungsfeld agieren, bei dem die Familie nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund muss der Entwicklungsübergang bei Inanspruchnahme eineröffentlichen Betreuung aus den Interaktionswirkungen von familiären und außerfamiliären Betreuungseinflüsse bewertet werden (vgl. Ahnert, Rickert& Lamb, 2000, Ahnert& Lamb, 2003).

Inhalt6
Vorwort12
I Metatheorien und Entwicklungsmodelle14
Strukturgenese16
1 Das psychologische Verständnis von Entwicklung im Allgemeinen16
2 Entwicklung als Strukturgenese nach Jean Piaget17
3 Kritik an Piagets Theorie21
4 Ausweitung auf weitere Funktionsbereiche24
5 Praktische Bewährung24
6 Piaget für immer?25
Informationsverarbeitungsansätze der Entwicklungspsychologie27
1 Die kognitive Entwicklung im Kindesalter: Besser denken oder anders wissen?28
2 Informationsverarbeitungsansätze31
3 Wie verändert sich die Informationsverarbeitung?35
Handlungstheorien in der Entwicklungspsychologie39
1 Grundideen handlungstheoretischer Ansätze in der Entwicklungspsychologie39
2 Drei handlungstheoretische Entwicklungsmodelle40
4 Allgemeine Überlegungen zu handlungstheoretischen Entwicklungsmodellen46
Theorien dynamischer Systeme in der Entwicklungspsychologie50
1 Einleitung50
2 Grundbegriffe der Systemtheorie: Konzepte und Definitionen50
3 Der dynamische Ansatz in der Entwicklungspsychologie58
4 Ausblick61
Psychoanalytische Grundlagen der Entwicklungspsychologie63
1 Entwicklung durch Bewältigung lebensphasenspezifischer motivationaler Konflikte63
2 Internalisierung von Emotionsregulation und Beziehungen65
3 Entwicklung und psychische Störungen68
Lebensspannen-Psychologie72
1 Drei Grundannahmen der Lebensspannen- Psychologie zur Wirkung biologischer und kultureller Einflusssysteme auf die menschliche Entwicklung72
2 Konsequenzen für eine Entwicklungspsychologie der Lebensspanne75
3 Die lebenslange Entwicklung der Intelligenz als empirisches Beispiel78
4 Die