: Jörg Zumbach, Heinz Mandl (Hrsg.)
: Pädagogische Psychologie in Theorie und Praxis
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840920141
: 1
: CHF 24.40
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 367
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Fallbasierte im Rahmen der Ansätze wie das Lernen mit Fallstudien, das problemorientierte Lernen oder das problembasierte Lernen spielen in der schulischen, universitären und betrieblichen Ausbildung angewandten Pädagogischen Psychologie eine zentrale Rolle. Das Lernen von Fällen soll dazu beitragen, dass Lernende anhand authentischer Probleme unter multiplen Perspektiven ein Wissen erwerben, das sowohl Grundlagen als auch Anwendung in sich vereint.

Mittels Fallbeispielen stellen verschiedene Expertinnen und Exper-ten aus dem deutschsprachigen Raum in diesem Band aktuelle Theorien und Ansätze aus der Pädagogischen Psychologie vor. Die zugrunde liegenden Theorien werden ausführlich erörtert und zur Lösung der Fallbeispiele herangezogen. Dabei werden sowohl kognitive, emotionale, motivationale und soziale Teilbereiche der Pädagogischen Psychologie thematisiert. Die Vielseitigkeit pädagogisch-psychologisc en Grundlagen- wie Anwendungswissens spiegelt sich zudem in den verschiedenen Anwendungskontexten innerhalb von Schule, Hochschule und Betrieb wider. Die Leser erwartet ein spannendes Buch, das sowohl für den Einsatz in der Lehre als auch zum Selbststudium hervorragend geeignet ist.

Die Autoren

Prof. Dr. Jörg Zumbach, geb. 1973. 1993-1999 Studium der Psychologie in Heidelberg. 1999- 2006 Mitarbeiter am Fachbereich Pädagogische Psychologie der Universität Heidelberg. 2003 Promotion. Seit 2006 Universitätsprofessor für fachdidaktische Lehr-Lernforschung mit Schwerpunkt Neue Medien am Interfakultären Fachbereich Fachdidaktik/LehrerInnenbildu g der Universität Salzburg.

Prof. Dr. Heinz Mandl, geb. 1937. 1956-1958 Lehramtsstudium. 1958-1967 Lehrer an Grund- und Hauptschulen. 1964-1971 Studium der Psychologie. 1975 Promotion. 1967-1977 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg. 1978-1989 Professor für Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen. Seit 1990 Professor Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universit& uml;t München.

Teil D: Emotionen im Lernprozess (S. 243-246)

Lehrer-Burnout

Uwe Schaarschmidt und Ulf Kieschke

In dem Fallbeispiel wird die Entstehung von Burnout bei einer Lehrerin geschildert. Es werden anhand des Beispiels Erklärungsansätze und Probleme der Erfassung und Abgrenzung dieses Phänomens diskutiert. Die Darstellung schließt mit Lösungsvorschlägen, die sich auf das Herangehen an die Intervention beziehen.

1 Entstehung von Burnout: ein Fallbeispiel

Lehrerin M. ist 35 Jahre alt, alleinstehend mit einem 6-jährigen Kind und seit 7 Jahren an einer Hauptschule tätig. Eigentlich hatte Frau M. nicht vor, Lehrerin zu werden. Sie hätte gern Psychologie oder Medizin studiert, doch blieb ihr in diesen Fächern ein Studienplatz verwehrt. So bot sich das Lehramt an. Auch in diesem Beruf sieht sie für sich die Möglichkeit, ihrem starken Bedürfnis nach sozialem Engagement nachzukommen. Für andere Menschen da sein zu können, sei für sie das wichtigste Motiv bei der Berufsentscheidung gewesen. Das Studium fällt ihr nicht schwer und bereitet ihr auchüberwiegend Freude.

Doch bei schulpraktischenÜbungen stellt sie bald fest, dass ihr das Auftreten vor der Klasse und der Umgang mit Schülern weniger gut gelingen. Sie fühlt sich in solchen Situationen mitunter recht hilflos, erlebt sich als wenig durchsetzungsfähig und ist enttäuscht, wenn die Schüler ihre Bemühungen nicht zu schätzen wissen. Diese Erfahrung wiederholt sich während des Referendariats. Dennoch tritt sie guten Mutes in den Schuldienst ein. Frau M. ist derÜberzeugung, dass sie mit zunehmender Berufserfahrung auch mehr Sicherheit gewinnen werde. Voller Optimismus glaubt sie, die Anforderungen des Berufs meistern und das Beste für ihre Schüler tun zu können. Anfangs läuft die Arbeit auch nach ihren Vorstellungen. Sie wird im Kollegium herzlich aufgenommen, findet Akzeptanz bei ihren Schülern und deren Eltern und hat zunehmend Gelegenheit, Erfolge zu verbuchen.

Dadurch bestärkt und ermutigt, entwickelt Frau M. zahlreiche Ideen und Vorschläge, um– wie sie sagt– neuen Schwung in ihre Schule zu bringen. Unter anderem gründet sie eine Theatergruppe, die bei den Schülern auf große Resonanz stößt und bald schon auf erste erfolgreiche Auftritte verweisen kann. Auch weitere Schulprojekte werden von ihr angekurbelt. Hätte man Frau M. zu dieser Zeit gefragt, wie ihr der Lehrerberuf gefiele, so hätte sie wohl mit Begeisterung von ihrer Arbeit berichtet. Dochändert sich die Situation bald nach Beginn des zweiten Schuljahres.

Da die Schülerzahl in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen war, erfolgt die Zusammenlegung mit einer zweiten Schule. Die arbeitsorganisatorischen Abläufe und Zuständigkeiten für den Unterricht werden von Grund auf neu geregelt. Frau M. muss die Klassen abgeben, in denen ihr das Unterrichtenüberwiegend Freude gemacht und mit denen sie sich viel für das neue Schuljahr vorgenommen hatte. Sie hat jetzt höhere Klassen aus der hinzugekommenen Schule zuübernehmen. Das bedeutet, dass sie sich„aus dem Stand" auf neue Schüler und neue Inhalte und Anforderungen einstellen muss.

Besonders hart trifft sie, dass die Theatergruppe nicht weitergeführt werden kann, da die neuen Arbeitsabläufe an der Schule weder Raum noch Zeit dafür hergeben. Seitens der Schulleitung wird ihr erklärt, dass sich nach einer Konsolidierungsphase sicherlich eine Lösung finden werde. Nach dieser Auskunft unternimmt sie keine weiteren Versuche, ihr Theaterprojekt zu retten. Im Unterricht muss sie schon bald die Erfahrung machen, dass sie speziell mit einigenälteren und lernunwilligen Schülern nicht umgehen kann. Sie spürt massive Ablehnung und steht Verhaltensproblemen gegenüber, die sie rat- und hilflos machen. Manche Unterrichtsstunden enden im Chaos.

<
Inhaltsverzeichnis10
Fallbasiertes Lernen: Theoretischer Hintergrund und praktische Anwendung14
1 Warum fallbasiertes Lernen?14
2 Fallbasiertes Lernen und Case-Based Reasoning15
3 Wissensspeicherung beim fallbasierten Problemlösen16
4 Fallbasiertes Lernen in der Praxis: Modelle für den Unterricht20
Zitierte Literatur22
Teil A: Allgemeine Aspekte des Lehrens und Lernens26
Lernen mit Lösungsbeispielen28
1 Der Fall „Rolf W.“: Ein Unterrichtsversuch28
2 Leitlinien zur Fallanalyse30
3 Erklärungsansätze zum Fallbeispiel „Rolf W.“30
Zitierte Literatur35
Modelllernen mit Filmen38
1 „Fernsehen macht dick, dumm, faul und gewalttätig“38
2 Leitlinien zur Fallanalyse39
3 Erklärungsansätze zum Fallbeispiel „Christine M.“39
Zitierte Literatur44
Weiterführende Literatur45
Instruktionsdesign für die Schule46
1 Rahmenhandlung46
2 Leitlinien zur Fallanalyse47
3 Erklärungsansätze zum Fallbeispiel „Sandra S.“48
Zitierte Literatur53
Weiterführende Literatur53
Sequenzierungsstrategien54
1 Probleme mit dem Statistikkurs54
2 Leitlinien zur Fallanalyse56
3 Erklärungsansätze zum Fall „Dr. F.“56
Zitierte Literatur61
Lernen mit Hypermedien62
1 Rahmenhandlung62
2 Aufgaben zur Fallanalyse64
3 Erklärungsansätze64
4 Lösungsvorschläge68
Zitierte Literatur72
Weiterführende Literatur73
Selbstreguliertes Lernen in der Hochschule74
1 Rahmenhandlung74
2 Leitlinien zur Fallanalyse75
3 Erklärungsansätze zum Fallbeispiel „Klaus K.“76
Zitierte Literatur80
Weiterführende Literatur81
Grundlagen der Wissensvermittlung82
1 Weiterbildung und Transfer: Situiertes Lernen vs. träges Wissen82
2 Leitlinien zur Fallanalyse83
3 Erklärungsansätze zum Fallbeispiel „Peter L.“84