: Anne Boos
: Traumatische Ereignisse bewältigen Hilfen für Verhaltenstherapeuten und ihre Patienten
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840920660
: 1
: CHF 13.50
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 174
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Weltweit einer leiden viele Menschen unter den seelischen Folgen von Traumatisierungen. Bei manchen Betroffenen führen die erlittenen Traumatisierungen zu Posttraumatischen Belastungsstörung (PTB), die durch schmerzliche Wiedererinnerungen an Teile des Traumas, durch die Vermeidung traumarelevanter Reize sowie durch eine körperlicheÜbererre ung gekennzeichnet ist.

Der Band beschreibt ausführlich, was unter einer PTB zu verstehen ist und vermittelt anhand zahlreicher Beispiele, welche Faktoren an der Entstehung einer chronischen PTB beteiligt sind: Es wird auf die Funktion des Traumagedächtnisses, auf ungünstige Bewertungen des Traumas, insbesondere Schuld- und Schamgedanken sowie auf ungünstiges Vermeidungsver- halten eingegangen. Der Teufelskreis, in dem Patienten mit einer PTB gefangen sind, wird ausführlich erläutert. Darauf auf- bauend macht der Ratgeber dann Vorschläge, wie bestimmte Symptome der PTB im Rahmen einer Verhaltenstherapie bewältigt werden können. Einzelne Arbeitsschritte werden ge- nau beschrieben. Der Ratgeber eignet sich insbesondere dazu, therapiebegleitend eingesetzt zu werden. Die zahlreichen Arbeitsblätter ermöglichen es, zielgerichtet das aktuelle Problem- verhalten zu behandeln und einen Transfer in den Alltag der Betroffenen herzustellen.

Die Autorin

Dr. rer. nat. Anne Boos, geb. 1971. 1990-1997 Studium der Psychologie in Trier, Stirling (Schottland) und Oxford (England). 2002 Promotion. Seit 2000 Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Psychologische Psychotherapeutin an der Institutsambulanz und Tagesklinik für Psychotherapie der TU Dresden. Tätigkeit im Bereich der Aus- und Weiterbildung von VerhaltenstherapeutInnen.

12 Gehen und Bleiben– Betroffene häuslicher Gewalt aus Sicht der Opferhilfe (S. 100-101)
Silvia Mader

„Ich hätte den Absprung (aus der Ehe) nie geschafft, wenn ich nicht so viele verschiedene Ansprechpartner gehabt hätte".
Klientin der Opferhilfe Dresden

Dieses Kapitel soll aus Sicht einer Beratungsstelle für Opfer von Straftaten die Situation von Frauen schildern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Die Abhandlung will Interventionsmöglichkeiten und Grenzen im Rahmen der professionellen Opferhilfe aufzeigen. Dabei liegen die Schwerpunkte auf Information und Beratung der Frauen, sowie die Begleitung zu Behörden, Polizei und Gericht. Das Anliegen dieses Artikels ist es, die Möglichkeiten und das Wissen Sozialer Arbeit für andere Berufsgruppen v. a. Psychologinnen, Polizistinnen,Ärztinnen und Juristinnen aufzubereiten und zur Diskussion zu stellen. Die Unterstützung der Frauen kann nur gelingen, wenn die verschiedenen Aufträge und Funktionen der beteiligten Disziplinen ineinandergreifen und koordiniert werden.

12.1 Entstehung des Arbeitsfeldes Opferhilfe

In Hanau entsteht 1984 die erste professionelle Opferberatungsstelle in Deutschland. Nach und nach werden zusätzliche Beratungsstellen inöffentlicher und freier Trägerschaft eingerichtet. Die Opferhilfe ist bis heute keine Pflichtaufgabe des Staates. In den neuen Ländern etabliert sich als erstes flächendeckendes Angebot in freier Trägerschaft die Opferhilfe Sachsen e.V. im Jahre 1997, mit einer Beratungsstelle in Dresden. Inzwischen unterhält der Träger sechs weitere Stellen in Bautzen, Chemnitz, Leipzig, Görlitz, Plauen und Zwickau. Nicht alle Bundesländer, wie z. B. Bayern, Baden-Württemberg, haben Opferhilfeeinrichtungen etabliert, obwohl die Themen Opferhilfe und Opferschutz gesellschaftlich immer drängender diskutiert werden. In den meisten Beratungsstellen sind Sozialpädagoginnen und -pädogogen mit the- rapeutischen Zusatzausbildungen beschäftigt. Aktuelle Veränderungen in der Justiz begünstigen die Ausbreitung der professionellen Opferhilfe. Neue Gesetze, wie z. B. das Opferschutzgesetz (1987), das Zeugenschutzgesetz (1997) und das Gewaltschutzgesetz (2002) stärken die Stellung der Verletzten im juristischen Verfahren, das eher täterzentriert ist.

Die Gesetzesänderungen und die Arbeit der Opferberaterinnen leiten allmählich einen Bewusstseinswandel bei Juristen und Juristinnen ein. Der Geschädigte wird nicht mehr nur als Beweismittel zurÜberführung des Täters wahrgenommen, sondern als Betroffener, der aufgrund seiner schwierigen Situation eines besonderen Schutzes und der Begleitung bedarf. So sind mehr und mehr Richterinnen inzwischen vom Sinn einer Zeugenbegleitung durch professionelle Organisationenüberzeugt. Hans-Alfred Blumenstein vertritt die Meinung, dass die sozialpädagogische Prozessbegleitung gesetzlich ausdrücklich vorgesehen sein sollte (Fastie, 2002).

Es gibt erste Ansätze der Zusammenarbeit, wie die folgenden Beispiele zeigen. Die Dresdner Gerichte weisen in ihren Zeugenladungen auf das Angebot der Zeugenbegleitung durch die Opferhilfe Sachsen e.V. hin. In anderen Bundesländern wurden Zeugenzimmer an den Gerichten eingerichtet, die von Sozialpädagoginnen besetzt sind. Richterinnen, Staatsanwältinnen, Polizistinnen und Rechtsanwältinnen treffen sich mit Mitarbeiterinnen der Opferhilfeeinrichtungen in interdisziplinären Gremien um Verbesserungen für die Betroffenen zu erarbeiten. Dabei berichten die Opferberaterinnen von Erfahrungen, die ihnen von Klienten im Kontakt mit den oben genannten Institutionen geschildert werden. Am konkreten Einzelfall kann nach Verbesserungen für die Verletzten gesucht werden.

Vorwort8
Inhalt10
1 Was möchte dieser Ratgeber erreichen?14
1.1 Liebe Kolleginnen und Kollegen!14
1.2 Liebe Patientinnen und Patienten!14
2 Was ist ein Trauma?17
3 Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung?19
3.1 Spontane Erholung von posttraumatischen Symptomen22
3.2 Die eigenen Symptome verstehen22
3.3 Finden Sie heraus, ob Sie an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden25
3.3.1 Mögliche Denkfehler, die mit der Posttraumatischen Belastungsstörung einhergehen können25
3.3.2 Auseinandersetzung mit den Folgen des Traumas: Ja oder Nein?28
3.4 Was ist eine akute Belastungsstörung oder akute Belastungsreaktion?29
3.5 Andere mögliche psychische Störungen nach einer Traumatisierung31
4 Traumagedächtnis: Die Zeit heilt nicht alle Wunden!34
4.1 Das Traumagedächtnis erfüllt eine Warnfunktion35
4.1.1 Welche Nachteile entstehen aus dieser Warnfunktion?36
4.1.2 Den Vergangenheitscharakter des Traumas stärken37
4.1.3 Heute ist es anders38
4.1.4 Überzeugen Sie sich davon, dass es heute anders ist!38
4.2 Auslöser: Das Traumagedächtnis hat es leicht, Sie zu warnen!39
4.2.1 Welche Nachteile entstehen durch die Auslöserabhängigkeit des Traumagedächtnisses?41
4.2.2 Was ist zu tun? Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen41
4.2.3 Helfen Sie Ihrem Traumagedächtnis: Sprechen Sie mit ihm!42
5 Was ist Angst?43
5.1 Wann wird Angst zum Problem?45
5.2 Wieso geht die Angst nicht mehr weg und wie wird sie verarbeitet?46
5.3 Verarbeitung durch Konfrontation49
5.4 Wege aus der Angst51
6 Lösungsversuche: Sicherheitsstrategien und Vermeidungsverhalten53
6.1 Welche Nachteile haben das Sicherheitsverhalten und bestimmte Denkstrategien?54
6.2 Wie kann das Vermeidungsverhalten verändert werden?58
6.3 Geben Sie sich die Chance, neue Erfahrungen zu machen59
7 Wie entstehen Gefühle? Das ABC-Modell des Denkens, Fühlens und Handelns63
8 Bewertungen des Traumas und seiner Folgen67
8.1 Warum sind die Gefühle nach einem Trauma so stark?69
8.2 Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann73
8.3 Die eigenen Bewertungen erkennen und verändern lernen74
9 Was sind Schuldgefühle?75
9.1 Schuldgedanken77
9.1.1 Denkfalle: „Im Nachhinein ist man immer schlauer“ – oder: angebliche Vorhersehbarkeit78
9.