: Hans-Wolfgang Hoefert
: Führung und Management im Krankenhaus. 2., vollst. überarb. Aufl.
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840920837
: 2
: CHF 28.00
:
: Medizin
: German
: 295
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Krankenhäuser stehen zunehmend unter Rationalisierungsdruck. Sie müssen sich dem Wettbewerb stellen und ihre Leistungsfähigkeit nachweisen. In dieser Situation kommt es darauf an, sich auf die eigenen Ressourcen zu besinnen, die vor allem im personellen Bereich liegen.

Dies bedeutet beispielsweise, Führung und Management zielgerichtet und mitarbeitergerecht zu gestalten, Qualitätsmanagement zu einer individuellen Aufgabe werden zu lassen oder die Entwicklung einer Corporate Identity, die das Krankenhaus bei Patienten und Kooperationspartnern angemessen repräsentiert, zu fördern. Nicht zuletzt muss auchüber Möglichkeiten einer Organisationsveränderung im Hinblick auf eine integrierte Versorgung nachgedacht werden.

Diese zweite, vollständigüberarbe tete Auflage des Buches beschreibt die vielfältigen Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung von Akut- und Reha-Kliniken auch im Hinblick auf die Förderung ihres Profils und ihrer Wirtschaftlichkeit und enthält eine Fülle von Anregungen für Führungskräfte.

Es richtet sich in erster Linie an Entscheidungsträger und Führungskräfte aus den Bereichen Medizin, Pflege und Verwaltung. Daneben eignet es sich als Einführungslektüre für Studierende der Gesundheits- und Pflegewissenschaften.

Ganzheitlichkeit, Humanität und Patientenorientierung– ethische Leitziele oder Marketingbegriffe? ( S. 139)

Hans-Wolfgang Hoefert
Viele Krankenhäuser lassen in ihrer Selbstdarstellung den Eindruck entstehen, sie hätten einen„humanen" Anspruch, das Pflegekonzept sei„ganzheitlich" aufgebaut bzw. sie seien insgesamt„patientenorientiert". Die folgende Darstellung geht der Frage nach, wie diese Begrifflichkeiten historisch zustande gekommen sind und warum man es für erforderlich hält, diese zu verwenden.

Es wird verdeutlicht, dass insbesondere die Pflegekonzepte bei der Verwirklichung entsprechender Ansprüche auf das Verhalten der Pflegenden gegenüber den Patienten abzielen, während es Sache der Krankenhausleitung ist, die dafür geeigneten (baulichen, materiellen) Verhältnisse zu schaffen. Zur Diskussion wird die Frage gestellt, inwieweit die Betrachtung des Patienten als„Kunden" geeignet ist, humanere Verhältnisse herzustellen oder ob sich diese Perspektive womöglich als kontraproduktiv erweist.

1 Zur Geschichte der Krankenpflege
Insbesondere der Pflege und ihrem gewandelten Berufsverständnis haben wir heute eine Diskussion zu verdanken, in der Begriffe wie„Ganzheitlichkeit" oder„Humanität" für konzeptionelle Umorientierungen im Umgang mit Kranken ebenso wie in den Arbeitsabläufen im Krankenhaus stehen. Zugleich sind diese Begriffe im Wege der Selbstprofilierung der Pflege-Berufe zeitweise auch als„Kampfbegriffe" in Abgrenzung zur Medizin benutzt worden. Die heutige Diskussion wird verständlicher, wenn man einen kurzen Blick auf die Geschichte der Krankenpflege wirft.

Im Vordergrund steht dabei die für unser heutiges Krankenhauswesen prägende Epoche zum Ausgang des 19. Jahrhunderts, welche zugleich auch die bisher intensivste Epoche des Krankenhausbaus ist. Sieht man einmal ab von den historischen Vorläufern von„modernen" Krankenhäusern in der Antike und im mitteleuropäischen Mittelalter sowie ihrem Heilpersonal, dann kann man die Anfänge einer Professionalisierung der Krankenpflege in Deutschland auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datieren.

In diesem Zeitraum erlebte die Medizin auch noch für unsere Zeit entscheidende Fortschritte in der Anatomie, Physiologie, Pathologie und– nicht zuletzt– in der Hygiene. Einer der Pioniere der Seuchenlehre und Hygiene, nämlich Rudolf Virchow, war es, der sich 1866 in seiner Rede„über Hospitäler und Lazarette" der Geschichte der„Sorge um Kranke" widmete (vgl. Virchow und v. Holtzendorff 1869).

Sie zeige, wie auch die Humanität in dem Maße voranschreite, in dem die Politik durch Kriege neue Brutalitäten gebiere (vgl. die Fortschritte der Krankenversorgung in Kriegszeiten sowie die durch Florence Nightingales Einsatz im Krimkrieg herbeigeführten Verbesserungen der Versorgung Verwundeter).Ähnlich berühmt ist die Rede des Marburger Chirurgen Ernst Küsterüber„die Krankenpflege in Vergangenheit und Gegenwart" (1895) geworden.

Diese Rede, die vermutlich dem Zeitgeist (der Medizin) im ausgehenden 19. Jahrhundert entspricht, knüpft zunächst an Virchow an, wendet sich dann aber konkret der Krankenpflege zu: So emp- fiehlt er die Ausweitung der Krankenpflege zur Lösung der Frauenfrage (gemeint waren damalige Emanzipationstendenzen, u. a. der Zugang von Frauen zu den Universitäten). Krankenpflege sei die„getreue Schwester der praktischen Medizin, welche still und geräuschlos ihr Werk thut, welche demuthsvoll bei Seite steht, wenn ihre Schwester Triumphe feiert" (gemeint ist die„Schwester" Medizin).

Weiterhin betrachtet Küster die Krankenpflege als„mächtigen Hebel" gegen die„Lehren des Umsturzes", die seiner Meinung nach immer nur in den„schmutzstarrenden, verkommenen Wohnungen gewisser Bevölkerungsklassen" entstehen könnten.

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Vorwort der Reihenherausgeber6
Inhalt8
Krankenhäuser in der Existenzkrise? Einleitung und Überblick10
1 Eine erste Annäherung an den Gegenstand10
1 Eine erste Annäherung an den Gegenstand10
1010
2 Eine zweite Annäherung an den Gegenstand10
2 Eine zweite Annäherung an den Gegenstand10
1310
3 Reduktionismen im Krankenhaus16
4 Wettbewerb und wirtschaftliches Denken19
5 Entwicklungstendenzen21
6 Zu den Beiträgen dieses Buches24
Literatur27
Teil I Personale Führung im Krankenhaus30
Management und Führung32
1 Management33
2 Führung41
3 Führungsaufgaben61
4 Selbstmanagement von Führungskräften68
5 Beziehungen zwischen Management und Führung69
Literatur70
Zur beruflichen Sozialisation von Ärzten, Pflegekräften und Verwaltungsangehörigen im Krankenhaus72
1 Berufliche Sozialisation72
2 Zur ärztlichen Sozialisation73
3 Zur Sozialisation des Pflegepersonals77
4 Zur Sozialisation der Verwaltungskräfte83
Literatur89
Konflikte zwischen Berufsgruppen im Krankenhaus92
1 Konflikte92
2 Eskalation von Konflikten97
3 Stereotypen und97
3 Stereotypen und97
10197
4 Ansatzpunkte für eine konfliktärmere Kooperation105
5 Konfliktbereitschaft und -fähigkeit108
6 Konfliktpotentiale auf der Leitungsebene111
7 Konfliktkultur113
Literatur115
Teil II Orientierungskonzepte für das Krankenhaus- Management116
Leitbilder und Corporate Identity in Krankenhäusern118
1 Krankenhaus-Kultur118
2 Krankenhaus-Leitbilder121
3 Exkurs: Explorative Studie zu Krankenhaus-Leitbildern121
4 Corporate Identity128
5 Herausforderungen an das Krankenhaus-Management134
Literatur138
Ganzheitlichkeit, Humanität und Patientenorientierung - ethische Leitziele oder Marketingbegriffe?140
1 Zur Geschichte der Krankenpflege140
2 Krankenhausbau141
3 Entwicklungen der Krankenpflege bis zur Gegenwart142
4 Ganzheitlichkeit145
5 Humanität149
6 Patientenorientierung152
7 Konsequenzen für die Führung und Leitung160
Literatur162
Teil III Neue Steuerungsformen im Krankenhaus164
Implementierung von Qualitätsmanagement in einem Großkrankenhaus166
1 Warum soll ein Qualitätsmanagementsystem betrieben werden?166
2 Was muss ein QM-System mindestens umfassen?169
3 Widerstände gegen ber einem QM-System172
4 Pro und Contra einer Zertifizierung173
5 Organisatorische Ausprägung des Qualitätsmanagements174
6 Beispiel Universitätsklinikum Freiburg175
7 Fazit179
Literatur180
Management von Vernetzungen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung182