: Heinz Schuler
: Assessment Center zur Potenzialanalyse (Reihe: Wirtschaftspsychologie)
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840920356
: 1
: CHF 39.80
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 409
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Kein eignungsdiagnostisches Verfahren hat in den letzten 20 Jahren eine so steile Karriere gemacht wie dasAssessment Center. Doch während Tests und Interviews verbessert wurden, hat dasAssessment Center trotz hohen Aufwands an Qualität verloren: Die Reliabilität ist gering, die Validität hat abgenommen und liegt jetzt unter dem durchschnittlichen Prognosewert einzelner Arbeitsproben und strukturierter Auswahlgespräche.

Einige der weltweit führenden Wissenschaftler beschreiben in diesem Band die aktuelle Datenlage, geben neue Erklärungen für die festgestellten Unzulänglichkeiten und zeigen Möglichkeiten der Verbesserung auf. An praktischen Verfahrensbeispie-len wird dargelegt, wieAssessment Center zu gestalten sind, um hohe Prognosegenauigkeit und hohen monetären Nutzen zu gewährleisten.

Für alle, die sich auf den aktuellen Wissensstand bringen und dasAssessment Center in einer Form praktizieren möchten, die seinem Ruf, seinem Aufwand und dem Gewicht der nachfolgenden Personalentscheidungen gerecht wird, ist dieses Buch eine unentbehrliche Informationsquelle.

4 Transparenz der Anforderungsdimensionen: ein Moderator der Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des Assessment Centers ( S. 70)

Martin Kleinmann, Klaus G. Melchers, Cornelius J. König und Ute-Christine Klehe
4.1 Einleitung
Dass Assessment Center prognostisch valide Verfahren sind, ist durch viele Studien eindrucksvoll belegt (Gaugler, Rosenthal, Thornton&, Bentson, 1987, vgl. auch Thornton et al., in diesem Band). Ebenfalls gut dokumentiert ist allerdings, dass die intendierten Konstrukte nur in geringem Maße erfasst werden. So konnten beispielsweise Sackett und Dreher (1982) in ihren Assessment Centern keinerlei konvergente und diskriminante Validität der Konstrukte nachweisen.

Dieses Validitätsparadoxon führte nun zu einer Reihe von Forschungsaktivitäten (vgl. Kleinmann, 1997a), die das Ziel hatten, es zu verstehen und aufzulösen. Für den einen Aspekt, die geringe Konstruktvalidität, kann jede Komponente des Assessment Center-Verfahrens einzeln oder in Kombination mit anderen verantwortlich sein.

Zum Beispiel könnten die Beobachter nicht in der Lage sein, adäquat zu beobachten und zu bewerten, dieÜbungen könnten ungeeignet sein, genügend beobachtbares Verhalten zu ermöglichen, oder die Anforderungsdimensionen könnten untauglich sein, reliable und stabile Messungen zuzulassen. Und schließlich kann das Teilnehmerverhalten ursächlich für die geringe Konstruktvalidität sein.

Die Teilnehmer könnten sich zum einenüber verschiedeneÜbungen hinweg unterschiedlich konsistent verhalten (vgl. Kuptsch, Kleinmann&, Köller, 1998). Zum anderen kann aber auch die mangelnde Transparenz dessen, was von den Teilnehmern als Zielverhalten im Assessment Center erwartet wird, für dessen geringe Konstruktvalidität verantwortlich sein– wie allerdings auch für ihre vorhandene prädiktive Validität.

Letzterer Erklärungsansatz hat den Vorteil, dass er nicht nur die geringe Konstruktvalidität alleine erklären kann, sondern hilft, das gesamte Validitätsparadoxon aufzulösen. Assessment Center sind in mindestens zweifacher Hinsicht für die Teilnehmer intransparent: Weder sind ihnen die Beurteilungsdimensionen bekannt, noch besteht Kenntnisüber die Verhaltensweisen, die für die jeweiligen Beurteilungsdimensionen relevant sind.

Die Teilnehmer werden sinnvollerweise jedoch nicht lediglich passiv auf ihre Bewertung warten, sondern versuchen, möglichst gut bewertet zu werden. Entsprechendes Impression- Management (Tedeschi, 1981) der Teilnehmer wäre die Folge. Orne (1962) entwickelte in diesem Zusammenhang das Konstrukt der„demand characteristics".

Quellen für„demand characteristics"über erwünschtes Verhalten im Assessment Center könnten z. B. bisherige Vorerfahrungen mit Assessment Centern, das Image der Firma, die räumlichen Rahmenbedingungen, dasÜbungsmaterial oder das Verhalten der Beobachter bzw. der anderen Teilnehmer sein. Für das Assessment Center bedeuten diese Annahmen, dass neben den tatsächlichen Fähigkeiten/Fertigkeiten auch die adäquate Wahrnehmung der Situation das Abschneiden im Assessment Center maßgeblich beeinflussen würde, d. h. das Erkennen der„richtigen"– weil bewerteten– Dimensionen.

Wären alleÜbungen vollständig transparent, dann wüssten alle Personen, welche Dimensionen bewertet werden. In diesem Falle könnten Probleme ausgeschlossen werden, die durch die Unterschiedlichkeit der Hypothesen der Teilnehmerüber das Verhalten, das sie zeigen sollen, verursacht würden. Wären die Anforderungen hingegen intraindividuell bzw. interindividuell unterschiedlich transparent, hätte dies Auswirkungen auf die Konstruktvalidität und eventuell auch auf die Kriteriumsvalidität.

Der Effekt der unterschiedlichen Transparenz auf die Konstruktvalidität lässt sich folgendermaßen erklären: Falls identische Anforderungsdimensionen in verschiedenenÜbungen intraindividuell unterschiedlich transparent sind, würden das Verhalten und damit die Bewertung der Teilnehmer in diesen Dimensionen variieren.

Inhalt6
Teil I: Gegenstand und Überblick12
1 Assessment Center als multiples Verfahren zur Potenzialanalyse: Einleitung und Überblick14
1.1 Gegenstand, Verbreitung und Einsatzzwecke14
1.2 Verfahrenselemente16
1.3 Historische Entwicklung18
1.4 Die methodische Wende21
1.5 Die Bedeutung der Multimodalität26
1.6 Die Kapitel dieses Bandes32
Literatur44
2 Assessment Center-Forschung und -Anwendung: eine aktuelle Bestandsaufnahme48
2.1 Aktuelle Entwicklungen in der Assessment Center- Anwendung48
2.2 Aktuelle Entwicklungen in der Assessment Center- Forschung55
2.3 Epilog62
Literatur62
Teil II: Anforderungen, Dimensionen, Konstrukte70
3 Arbeitsproben im Assessment Center72
3.1 Begriffsbestimmung72
3.2 Validität von Arbeitsproben und Assessment Centern75
3.3 Arbeitsproben zur Leistungsbeurteilung76
3.4 Arbeitsproben und Intelligenztests: Zusammenhang und inkrementelle Validität77
3.5 Fairness von Arbeitsproben78
3.6 Schlussfolgerung78
Literatur79
4 Transparenz der Anforderungsdimensionen: ein Moderator der Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des Assessment Centers81
4.1 Einleitung81
4.2 Intransparenz von Assessment Centern82
4.3 Konsequenzen der Intransparenz für die Bewertung85
4.4 Konsequenzen für die Konstruktvalidität86
4.5 Konsequenzen für die pä‚diktive Validität87
4.6 Diskussion und Ausblick89
Literatur90
5 Methodenfaktoren statt Fehlervarianz: eine Metaanalyse der Assessment Center- Konstruktvalidität92
5.1 Hintergrund92
5.2 Die vorliegende Studie97
5.3 Methode98
5.4 Ergebnisse100
5.5 Diskussion106
Literatur111
6 Weshalb Assessment Center nicht in der erwarteten Weise funktionieren120
6.1 Hintergrund120
6.2 Lösung des Konstruktvaliditätsproblems123
6.3 Konsequenzen131
Literatur133
7 Assessment Center und Persönlichkeitstheorien137
7.1 Fragestellung und Untersuchungsziel137
7.2 Assessment Center als methodisches Instrument138
7.3 Gesamt-Assessment Center und Persönlichkeitsmodelle139
7.4 Moderator und Persönlichkeitstheorie146
7.5 Beobachter und Persönlichkeitstheorie149
7.6 Teilnehmer und Persönlichkeitstheorie150
7.7 Assessment Center-Übungen und Persönlichkeitstheorie152
7.8 Rückblick und Zusammenfassung154
Literatur155
8 Interpersonalität im Assessment Center: Grundlagenmodelle und Umsetzungsmöglichkeiten158
8.1 Einleitung158
8.2 Interpersonalität im Assessment Center: Grundlagen159
8.3 Interpersonalität im Assessment Center: Umsetzung167
8.4 Zusammenfassung176
Literatur176
Teil III: Kriterienbezogene Validität180
9 Die prädiktive Validität des Assessment Centers - eine Metaanalyse182
9.1 Problemstellung182
9.2 Methode185
9.3 Ergebnisse190
9.4 Diskussion194
9.5 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen198
Literatur199
10 Kriterienbezogene Validität des Assessment Centers: lebendig und wohlauf?203
10.1 Literatursuche204
10.2 Kodierung204
10.3 Metaanalytisches Vorgehen205
10.4 Ergebnisse207
10.5 Diskussion208
Literatur211
11 Evaluation zweier Potenzialanalyseverfahren zur internen Auswahl und Klassifikation214
11.1 Einleitung214
11.2 Zielsetzungen und Erwartungen214
11.3 Vorgehen215
11.4 Evaluation des Potenzialanalyseverfahrens215
11.4 Evaluation des Potenzialanalyseverfahrens215
220215
11.5 Evaluation des Potenzialanalyseverfahrens215
11.5 Evaluation des Potenzialanalyseverfahrens215
228215
11.6 Bewertung der Potenzialanalyseverfahren durch Teilnehmer und Assessoren234
11.7 Monetärer Nutzen des Einsatzes der Potenzialanalyseverfahren240
11.8 Fazit242
Literatur243
Teil IV: Reliabilitätssicherung244
12 Reliabilität und Trainingseffekt246
12.1 Einführung246
12.2 Retestreliabilität und Paralleltest-Reliabilität des Assessment Centers249
12.3 Trainierbarkeit von Assessment Center-Einzelverfahren249
12.4 Trainierbarkeit der Assessment Center-Gesamtleistung251
12.5