: Nina Heinrichs
: Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie (Reihe: Ratgeber zur Reihe Fortschritte der Psychotherapie, Bd. 14)
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783844419863
: 1
: CHF 9.90
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 110
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB

Herzrase , Schwindel, Kurzatmigkeit und Engegefühle sind typische körperliche Empfindungen, die Menschen mit einerPanikstörun mitunter täglich erleben. Einen Fahrstuhl benutzen, sich an einem stark bevölkerten Ort aufhalten oder ins Theater gehen sind typische Situationen, die Menschen mit einer Agoraphobie zu vermeiden versuchen.Panikst&oum ;rung und Agoraphobie sind weitverbreiteteAngsts örungen.

Der Ratgeber liefert verständliche Informationen zu diesen Angsterkrankungen und zeigt Wege auf, wie Betroffene ihreÄngste bewältigen können. Der Ratgeber befasst sich zunächst mit der Frage, was Angst eigentlich ist und worin sich Angst und Panik unterscheiden. Er informiert darüber, wie Panikattacken entstehen und warum sie nicht wieder von alleine weggehen.

Mit Hilfe zahlreicher Arbeitsblätter undÜbungen lernen Betroffene ihre eigenen Empfindungen zu verstehen, sich mit ihren beängstigenden Gedanken auseinanderzusetzen und ihr Verhalten zuändern. Außerdem erhalten Angehörige Hinweise, wie sie Betroffene bei der Bewältigung ihrerÄngste unterstützen können.

Die Autorin
Prof. Dr. Nina Heinrichs, 1992-1998 Studium der Psychologie in Marburg. 2001 Promotion. 2003 Berufung auf eine Juniorprofessur für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Diagnostik an der Universität Braunschweig. Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie).

Forschungsschwerpunkte: Angststörungen (Soziale Phobie, Agoraphobie und Panikstörung), kindliche emotionale Störungen und Verhaltensstörungen, Krebserkrankungen der Frau.

4 Was kann man gegen eine Agoraphobie tun? ( S. 59)

Es gibt sehr vieleÄhnlichkeiten in den treibenden Kräften, die eine Agoraphobie und denen, die eine Panikstörung aufrechterhalten. Auch bei der Agoraphobie spielen beängstigende Gedanken, gelernte und abgespeicherte Furchtreize sowie angst- und furchtmotivierte Verhaltensweisen eine bedeutsame Rolle.

Darumähnelt sich auch das Vorgehen. Was im Folgenden beschrieben wird, ist analog zu Kapitel 3. Der wichtige Unterschied ist aber, dass der Furchtreiz, also das, was Sie als gefährlich abgespeichert haben, nicht nur Ihre inneren, körperlichen Empfindungen sind, sondern auch dieäußeren situativen Merkmale.

So wie vorhin beschrieben, ist die Liste der Furchtreize in der Amygdala bei einem Menschen mit Agoraphobie noch um alle Situationen erweitert, in denen der Betroffene Panikanfälle erlebt oder befürchtet hat. Der erste Schritt zur Veränderung Ihrer Agoraphobie ist daher zu erkennen, in welchen Situationen das bei Ihnen der Fall ist.

4.1 Schritt 1: Sich in den Situationen beobachten
Der erste Schritt zur Veränderung besteht darin, sich in für Sie beängstigenden Situationen zu beobachten. Dabei sollten Sie auf folgende Dinge achten:

1. In welchen Situationen bekomme ich Angst?

2. Welche Situationen vermeide ich, weil ich befürchte, ich könnte Angst bekommen?

3. Welche Situation kann ich aufsuchen, aber nur schwer durchstehen?

4. Bei welchen Situationen bin ich mir nicht sicher, ob ich (noch) Angst bekäme, weil ich sie schon lange nicht mehr aufgesucht habe?

Notieren Sie diese Situationen zunächst nur auf einem leeren Blatt. Sie können auch einfach ausprobieren, wo Sie Angst bekommen oder eine Art Tagebuch für eine Woche führen, um herauszufinden, welche Situationen Ihnen im Alltag mehr (oder weniger) zu schaffen machen.

4.1.1Ähnlichkeiten und Unterschiede in den Situationen erkennen
Nunüberlegen Sie sich, was diese Situationen gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden. Häufige Situationen, die in einer solchen Liste auftauchen, sind Menschenmengen,öffentliche Plätze, alleine Reisen, Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause usw. Merkmale, die viele Situationen gemeinsam haben können, ist die Eigenschaft, dass eine Flucht aus der Situation schwierig wäre.

Dabei kann es zwei Typen geben: Diejenigen, wo die Flucht nur schwer möglich ist, weil ein zügiges Durchkommen zum Ausgang unmöglich wäre, also zum Beispiel bei Großveranstaltungen mit vielen Menschen (Konzerte, Disco, volle Kaufhäuser, große Supermärkte) oder in Räumen/Orten, wo es nur wenige Ausgänge gibt und/oder man anstehen muss (z. B. Flugzeuge, Busse, Züge, Brücken, Warteschlange an Kassen, Autobahnen).

Der zweite Typ sind Situationen, wo die Flucht zwar prinzipiell gut möglich wäre, aber von anderen Menschen deutlich zur Kenntnis genommen werden könnte. Hierunter fallen Theaterveranstaltungen, Kino, Friseur, Zahnarzt oder auch in einer Warteschlange stehen. Unterscheidungsmerkmale von Situationen sind zum Beispiel

– die Anwesenheit von anderen Menschen (alleine– wenige– viele Menschen anwesend),

– die Entfernung von zu Hause (zu Hause– in bekannter Umgebung– in unbekannter Umgebung).

Überlegen Sie nun zunächst, welche Merkmale Ihre gefürchteten Situationen aufweisen. Welche gehören eher zusammen, welche sind unterschiedlich?

Inhaltsverzeichnis und Vorwort6
1 Panikstörung und Agoraphobie – Was ist das?11
1.1 Angst, Furcht und Panik verstehen13
1.2 Das Wesen von Angst und Panik13
1.3 Das Wesen der Agoraphobie23
1.4 Was Sie schon immer über Ihre körperlichen Beschwerden wissen wollten oder sollten27
2 Wie entsteht eine Panikstörung, wie eine Agoraphobie?32
2.1 Wie kann es zu einer Panikattacke kommen?33
2.2 Warum gehen die Panikattacken nicht wieder von alleine weg?34
3 Was kann man gegen eine Panikstörung tun?43
3.1 Schritt 1: Mit der Angst diskutieren44
3.2 Schritt 2: Sich mit der eigenen Furcht (Panik) konfrontieren49
3.3 Schritt 3: Einen Trainingsplan entwickeln56
4 Was kann man gegen eine Agoraphobie tun?60
4.1 Schritt 1: Sich in den Situationen beobachten60
4.2 Schritt 2: Sich mit den Situationen konfrontieren63
5 Fallbeispiel: Die Panikstörung mit Agoraphobie und ihre Behandlung aus Sicht eines Patienten68
5.1 Ausgangssituation68
5.2 Auf Trinidad und Tobago im Dezember69
5.3 Die Rückreise und meine erste Panikattacke71
5.4 Wieder zuhause72
5.5 Das Leben mit der Angst: Die nächsten zwei Jahre73
5.6 Die Schwierigkeit, einen Psychologen zu finden74
5.7 Therapie in der Psychotherapieambulanz der Technischen Universität Braunschweig76
5.8 Das Leben nach der Therapie79
6 Wenn Sie ein Angehöriger sind81
7 Weitere Dinge, die es als Betroffener und Angehöriger zu bedenken gilt84
7.1 Bereiten Sie sich auf Schwankungen vor84
7.2 „Freiheit gibt es nicht umsonst“ – Kosten einer Furchtminderung85
Anhang und Arbeitsblätter87
Literaturempfehlungen87
Behandlungsleitlinien87
Weitere, im Ratgeber zitierte Literatur87
Kontaktadressen88
Mehr eBooks bei www.ciando.com0