: Kai Jonas, Margarete Boos, Veronika Brandstätter
: Zivilcourage trainieren!
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840918261
: 1
: CHF 24.40
:
: Pädagogik
: German
: 368
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Zivilcourag ist eine heute vielfach geforderte Tugend. Eine aktiv gelebte Zivilcourage ist in der Gesellschaft jedoch oft noch Mangelware. Dieses Defizit kann mittels Zivilcouragetrainings angegangen werden. Im vorliegenden Band werden vier Trainings zur Förderung der Zivilcourage für Kinder, Jugendliche und Erwachsene vorgestellt. Die für die Durchführung notwendigen Arbeitsmaterialien sind im Band abgedruckt.

Das Buch informiert zudemüber die Ursachen und Hintergründe von Gewalt und Diskriminierung in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern. Aktuelle Anwendungsbereiche vonZivilcourage, z.B. Rechtsradikalismus, Mobbing oder Bullying, werden aufgezeigt. Detailliert wird anschließend die Durchführung der vier Trainingsprogramme beschrieben. Abgerundet wird der Band durch die Bereitstellung umfassender Materialien zu den einzelnen Programmen und eine Sammlung von Institutionen und Organisationen, die im Bereich von Zivilcourage tätig sind.

1 Kurzbeschreibung des Projektes„aufgschaut" ( S. 109)

Das im vorliegenden Beitrag vorgestellte Projekt steht in direktem Zusammenhang mit dem Projekt„zammgrauft", das in dem Beitrag von Frey al. in diesem Buch beschrieben wird.„zammgrauft" ist ein Gewaltpräventionsprogramm der Münchner Polizei für Jugendliche im Alter von ca. 12 bis 16 Jahren und wird seit Jahren erfolgreich in Schulen, Jugendeinrichtungen u.ä. umgesetzt.

Nach dieser positiven Entwicklung lag es nahe, einähnliches Programm auch für Grundschüler1 zu entwickeln. In Fortführung von„zammgrauft" erhielt es den ebenfalls bayerischen Namen„aufgschaut". Das langfristig angelegte und gut umsetzbare Programm fördert Grundschüler in Selbstbehauptung und Zivilcourage.

Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kommissariat 314 für Verhaltensprävention und Opferschutz vom Polizeipräsidium München und dem Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die schon zuvor beschriebene gute Zusammenarbeit zwischen Polizeipräsidium und Universität wurde hierbei weiter intensiviert, insofern als bereits bei der Entwicklung des Programms eine Psychologin als wissenschaftliche Kraft mitarbeitete (Erstautorin dieses Beitrags).

Der vorliegende Beitrag beinhaltet die Beschreibung des Programms, die theoretische Herleitung der Programmziele und eine abschließende Diskussion. Erste empirische Erfahrungen und einige Beispielübungen geben darüber hinaus eine Vorstellung von dem Projekt„aufgschaut".

Eine effektive und früh ansetzende Gewaltprävention hat mehrere Ziele:

• Sensibilisierung der Kinder für Gewaltsituationen.

• Sensibilisierung der Kinder für Opfer von Gewaltsituationen.

• Stärkung der Persönlichkeit.

• Aufzeigen von sinnvollen Handlungsmöglichkeiten in Gewaltsituationen.

Das„aufgschaut"-Programm berücksichtigt dabei direkte Formen der Gewalt (physische und verbale Gewalt) sowie indirekte Formen der Gewalt (psychische bzw. soziale Gewalt, wie z. B. Ausgrenzung, Gerüchte verbreiten). Außerdem geht es um Mobbing, d.h. wiederholte Aggressionen gegenüber demselben Opfer. Darüber hinaus beschäftigt sich das Programm mit der sexuellen Gewalt, die sowohl im sozialen Nahbereich als auch in derÖffentlichkeit für Mädchen und Jungen eine Bedrohung darstellt.

Durch die Schulung der Aufmerksamkeit für Gewaltsituationen und Gewaltopfer wird auch die persönliche Verantwortung in solchen Situationen gefördert: Die Kinder lernen nicht nur, sich selbst angemessen zu behaupten, sondern sie lernen auch, sich verantwortlich für Konfl iktlösungen und für andere Menschen zu fühlen, z. B. indem sie sich für einen gemobbten Mitschüler einsetzen.

2 Methode
Das Programm richtet sich an Kinder in der Grundschule und besteht aus Rollenspielen undÜbungen, die der Erlebniswelt und den Erfahrungen der Kinder in Schule und Alltag entsprechen. Jedem Spiel schließt sich eine Refl exionsrunde an, in der das Spiel besprochen wird und die Ziele des Spiels von den Kindern elaboriert werden.

Ähnliche Situationen aus der Klasse bzw. dem persönlichen Erleben der Kinder können in die Diskussion einbezogen werden. Dabei wird großer Wert auf die Erarbeitung von Situationslösungen und das sich daran anschließende tatsächliche Einüben von möglichen Handlungsalternativen gelegt. Durch diese Vorgehensweise werden die Kinder sicherer in der richtigen Einschätzung von Gewaltsituationen und erarbeiten sich ein Repertoire an sinnvollen Handlungsmöglichkeiten.

3 Konzeption als Multiplikatorentraining
Programme und Trainings, die darauf zielen, Einstellungen und Verhalten präventiv und/oder intervenierend zu verändern, werden nachweislich in ihrer Wirksamkeit erhöht, wenn sie langfristig angelegt sind, auf verschiedenen Ebenen ansetzen und allgemeine soziale Unterstützung erfahren.

Inhaltsverzeichnis6
I Zivilcourage trainieren!8
1 Warum ein Buch mit einer Dokumentation verschiedener Zivilcourage-Trainings?10
2 Was ist Zivilcourage?12
3 Was sind die Bedingungen und Grenzen von Zivilcourage?13
4 Ist Zivilcourage trainierbar?14
5 Aufbau des Buches15
6 Beschreibung der Trainings16
7 Auswahl der Trainings16
8 Wer nimmt an Zivilcourage-Trainings teil?17
9 Dank der Herausgeber19
10 Literatur20
II Zum Begriff Zivilcourage22
1 Zivilcourage besitzt einen staatsbürgerlich- menschenrechtlichen Bezug24
2 Courage – Mut als Tugend24
3 Die Bedeutung von Zivil26
4 Zur moralischen Fundierung von Zivilgesell schaften28
5 Zivilcourage30
6 Literatur32
III Vorurteile, Diskriminierung und Rechtsextremismus – Phänomene, Ursachen und Hintergründe34
1 Die vielen Gesichter der Feindseligkeit im Spiegel von Befragungen36
2 Erscheinungsformen der Abwertung und Ausgrenzung: Vorurteile, Diskriminierungen und Rechtsextremismus – wissenschaftlich betrachtet41
3 Ursachen der Abwertung und Ausgrenzung45
4 Erklärungsansätze für Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit46
5 Spezifische Ursachen rechtsextremer Orientierungen50
6 Resümee oder Was tun?53
7 Literatur55
IV Mobbing und Whistleblowing in Organisationen60
1 Zur Definition und Abgrenzung von Mobbing62
2 Zur Prävalenz von Mobbing65
3 Ursachen von Mobbing68
4 Individuelle Handlungsmöglichkeiten bei Mobbing71
5 Mobbing und Whistleblowing74
6 Mobbing, Whistleblowing und Zivilcourage76
7 Literatur78
V Bullying/Mobbing in der Schule: Ein Überblick über neuere Erkenntnisse zu Formen, Ursachen, Konsequenzen und Interventionen bei sozialer Aggression84
1 Einleitung86
2 Definition und Operationalisierung von Bullying/Mobbing durch Peers87
3 Auftretenshäufigkeit von Bullying88
4 Deskriptive Aspekte von Bullying: Unterschiedliche Formen, Geschlechts- und Alterseffekte89
5 Merkmale der Opfer91
6 Täter und Täterinnen96
7 Die Mitschüler und Mitschülerinnen98
8 Die Situation/die Umgebung98
9 Konsequenzen von Bullying99
10 Interventionen99
11 Literatur103
VI „aufgschaut“ Ein Projekt zur Förderung von Selbstbehauptung und Zivilcourage in der Grundschule107
1 Kurzbeschreibung des Projektes „aufgschaut“110
2 Methode111
3 Konzeption als Multiplikatorentraining111
4 Theoretische Fundierung der Hauptziele von „aufgschaut“112
5 Die Themenbereiche, Leitsätze und Ziele von „aufgschaut“114
6 Evaluationsstudien zum „aufgschaut“-Programm118
7 Diskussion über die Zielgruppe des Programms120
8 Vermittlung demokratischer und humanistischer Werte in der Grundschule121
9 Praxisteil: Einige Besp