: Arnold Lohaus, Juliane Ball
: Gesundheit und Krankheit aus der Sicht von Kindern
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840918933
: 2
: CHF 19.90
:
: Geisteswissenschaften, Kunst, Musik
: German
: 196
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Das Buch beschäftigt sich mit Vorstellungen, die Kinder im Laufe ihrer Entwicklungüber Krankheit und Gesundheit aufbauen. Diese Vorstellungen zu kennen ist wichtig, um auf Kinder angemessen eingehen zu können, wenn sie sich mit Krankheiten auseinandersetzen oder wenn prophylaktische Maßnahmen zur Krankheitsvermeidung an sie vermittelt werden sollen.Prof. Dr. Arnold Lohaus ist Hochschuldozent für Entwicklungspsychologie an der Universität Marburg. Er arbeitet an der Erforschung der kognitiven und sozialen Entwicklung von Kindern.

3. Einflussfaktoren beim Aufbau individueller Konzepteüber Gesundheit und Krankheit (S. 110-111)

3.1 Die Rolle zurückliegender Krankheitserfahrungen beim Aufbau gesundheits- bzw. krankheitsbezogener Konzepte

Im Verlauf ihrer Entwicklung werden Kinder mit verschiedenen Erkrankungen konfrontiert, wobei hier zwischen Erkrankungen mit kurz- und längerfristigen Krankheitserfahrungen differenziert wird. Unter kurzfristigen Krankheitserfahrungen werden zeitlich begrenzte Erkrankungen wie Erkältungen, grippale Infekte oder Kinderkrankheiten (Masern, Windpocken), aber auch kurzfristige Krankenhausaufenthalte, z.B. in Folge von Blinddarmoperationen oder orthopädischen Eingriffen verstanden. Unter längerfristigen Krankheitserfahrungen werden verschiedene chronische Erkrankungen (z.B. Asthma bronchiale, Diabetes mellitus, juvenile chronische Arthritis) sowie Erkrankungen, die lange Behandlungs- und Genesungszeiten nach sich ziehen (z. B. Krebserkrankungen) gebündelt. Eine Reihe von Studien beschäftigt sich mit dem Einfluss zurückliegender Krankheitserfahrungen auf gesundheits- und krankheitsbezogenes Wissen. Die Frage, ob eigene Erfahrungen durch kurz- oder längerfristige Erkrankungen zu elaborierterem Krankheitswissen führen, steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. Im Folgenden werden die Einflüsse von Krankheitserfahrungen auf Wissensbereiche wie Gesundheits- und Krankheitskonzepte sowie Körperwissen untersucht.

Zur Wirkung kurzfristiger Krankheitserfahrungen auf das Ausmaß gesundheits- und krankheitsbezogenen Wissens liegen nur wenige Untersuchungen vor. Eiser, Patterson und Eiser (1983) gehen davon aus, dass trotz Krankheitserfahrungen das Wissen von Kindernüber diese Erkrankungen nicht prinzipiell besser ist alsüber Erkrankungen, mit denen keine Erfahrungen bestehen (wie beispielsweise Krebserkrankungen).

Auch Hansdottir und Malcarne (1998) konnten keinen Zusammenhang zwischen den kurzfristigen kindlichen Krankheitserfahrungen und der Elaboriertheit der Krankheitskonzepte aufzeigen. Weiterhin untersuchten die Autoren, ob die von den Eltern berichtete kindliche Krankheitshäufigkeit mit dem Krankheitswissen zusammenhängt, was sich jedoch nicht bestätigte. In einer eigenen Untersuchung (Ball, 2004) wurden die Eltern von 104 Grundschülern der zweiten bis vierten Klasse gebeten, Auskunftüber die Erkrankungen ihres Kindes in den letzten vier Wochen zu geben. Zur Erfassung des Krankheitswissens wurde mit den Kindern ein standardisiertes Erhebungsverfahren durchgeführt. Es zeigte sich auch hier kein Zusammenhang zwischen den Krankheitserfahrungen in den letzten vier Wochen und dem krankheitsbezogenen Wissen. Erfahrungen mit spezifischen Erkrankungen scheinen damit allein kein Garant dafür zu sein, dass ein größeres Wissenüber diese oder andere Erkrankungen aufgebaut wird.

Inhalt5
Vorwort7
1. Theorien zum Aufbau impliziter Konzepte von Kindern über Gesundheit und Krankheit13
1.1 Der kognitiv-strukturalistische Forschungsansatz14
1.2 Der inhaltlich-wissensorientierte Forschungsansatz18
1.3 Grundbestandteile einer allgemeinen Konzeption über den Aufbau gesundheits- und krankheitsbezogener Konzepte bei Kindern22
2. Implizite Konzepte von Kindern über Gesundheit und Krankheit27
2.1 Konzepte über Gesundheit27
2.2 Konzepte über Geburt und Sexualität34
2.3 Konzepte über den gesunden Körper (Aufbau, Bestandteile, Funktionen)37
2.4 Konzepte über physische Erkrankungen51
2.4.1 Ursachen und Symptome von Erkrankungen52
2.4.2 Schmerzursachen und Schmerzsymptome65
2.4.3 Verlauf und Behandlung von Erkrankungen68
2.4.4 Vorstellungen über Krankheitsvorsorge71
2.4.5 Vorstellungen über spezifische Erkrankungen75
2.5 Konzepte über die Funktionen medizinischen Personals und medizinischer Prozeduren85
2.6 Konzepte über Tod und Sterben94
2.7 Exkurs: Konzepte von Kindern über psychologische Probleme102
3. Einflussfaktoren beim Aufbau individueller Konzepte über Gesundheit und Krankheit110
3.1 Die Rolle zurückliegender Krankheitserfahrungen beim Aufbau gesundheits- bzw. krankheitsbezogener Konzepte110
3.2 Die Rolle sozialer Einflüsse beim Aufbau gesundheits- bzw. krankheitsbezogener Konzepte121
4. Aus gesundheits- bzw. krankheitsbezogenen Konzepten abgeleitete generalisierte Strukturen134
4.1 Gesundheitsbesorgnis und Krankheitsempfänglichkeit134
4.2 Kontroll- und Kompetenzüberzeugungen142
5. Implikationen aus der gegenwärtigen Forschungslage für die Arbeit mit Kindern152
6. Möglichkeiten der Erhebung gesundheits- bzw. krankheitsbezogener Konzepte bei Kindern160
Literaturverzeichnis171
Autorenverzeichnis187
Stichwortverzeichnis193
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