2. Das MoVo-Konzept als theoretische Grundlage für Programme der Gesundheitsverhaltensänderung (S. 9)
Das MoVo-Konzept geht von der Erkenntnis aus, dass es vielen Menschen schwer fällt, das, was sie sich vorgenommen haben, auch in die Tat umzusetzen. Auch dann, wenn Menschen hoch motiviert sind, gelingt es ihnen oft nicht, die entsprechenden Handlungen folgen zu lassen. Was diesen Personen fehlt, ist nicht noch eine weitere„Motivierungseinheit“, sondern konkrete Unterstützung bei der volitionalen Umsetzung ihrer Absichten. Mit dem psychologischen Begriff der Volition werden, in Abgrenzung zum Begriff der Motivation, jene Prozesse der Selbstregulation bzw. Selbstkontrolle bezeichnet, die es dem Menschen ermöglichen, auch dann ihre Absicht in die Tat umzusetzen, wennäußere oder innere Hindernisse auftreten (Gollwitzer, 1999; Gollwitzer, Fujita& Oettingen, 2004; Kuhl, 2001). Betrachtet man die bisherüblichen (Rehabilitations-) Programme zur Gesundheitserziehung bzw. Lebensstiländerung, so ist festzustellen, dass diese fast ausschließlich mit motivationalen Interventionen operieren (Fuchs, 2003; Fuchs, Göhner& Seelig, 2007). Unzutreffenderweise wird hier davon ausgegangen, dieÄnderung von Verhaltensweisen bzw. Lebensstilen sei allein eine Frage der richtigen Motivierung. Im MoVo-Konzept wird die Perspektive weiter gefasst: Auch hier spielt der Motivationsaufbau eine wichtige Rolle; aber dabei wird nicht stehen geblieben. Das Konzept umfasst auch volitionale Interventionen, die der Stärkung der selbstregulativen Kompetenzen dienen, mit denen es der Person möglich wird, aus einer bloßen Bereitschaft konkretes Handeln hervorgehen zu lassen.
In der einschlägigen Forschungsliteratur existieren verschiedene Ansätze zur Erklärung des Gesundheitsverhaltens (imÜberblick: Conner& Norman, 2005; Scholz& Schwarzer, 2005; Schwarzer, 2004). Diese Ansätze lassen sich im wesentlichen zwei unterschiedlichen Forschungstraditionen zuordnen: zum einen der angloamerikanischen Social Cognition-Forschung, wie sie beispielsweise im Sammelband von Rutter und Quine (2002) zusammenfassend dargestellt wird; und zum anderen der deutschen Volitionsforschung, die vor allem mit den Namen Gollwitzer (1999; Gollwitzer et al., 2004), Kuhl (2001) und Schwarzer (2001; 2004) verknüpft ist (imÜberblick: Sniehotta, Winter, Dombrowski& Johnston, 2007). Der MoVo-Ansatz basiert auf einem Erklärungsmodell des Gesundheitsverhaltens, das zentrale Elemente dieser beiden Forschungstraditionen zu integrieren versucht. In Abbildung 1 ist dieses Modell schematisch dargestellt. |