Die meisten Menschen kennen körperliche Beschwerden, wie z.B. Kopf- oder Rückenschmerzen, Schwindelgefühle, Blähungen,Übelkeit oder Sehstörungen und sind erleichtert, wenn diese nach wenigen Tagen wieder verschwunden sind. Was aber, wenn die Beschwerden nicht vergehen und diese nicht durch eine organische Erkrankung, durch eine Verletzung oder durch die Einnahme einer Substanz erklärt werden können, wie dies bei somatoformen Beschwerden der Fall ist? Somatoforme Beschwerden werden von den Betroffenen meist als sehr belastend erlebt und führen häufig zu erheblichen Einschränkungen im Berufsleben, in der Familie und in der Freizeitgestaltung. Die Lebensqualität der Betroffenen ist dadurch erheblich beeinträchtigt, nicht zuletzt auch durch die mit der Störung verbundenen Krankheitsängste. Diese wiederum beeinflussen das Krankheitsverhalten erheblich. Der Ratgeber bietet zahlreiche Empfehlungen für den Umgang mit somatoformen Beschwerden und hypochondrischenÄngsten. Er erläutert, was die Beschwerden chronisch werden lässt und wie die Betroffenen lernen können, ihren Alltag trotz der Beeinträchtigungen positiv zu gestalten. Angehörige erfahren, wie sie Betroffene bei der Behandlung unterstützen und wie sie Verständnis und Geduld bewahren können.
2 Wie kommt es zur Diagnose„Somatoforme Störungen“ und warum gehen die Beschwerden nicht von alleine weg? (S. 26) Untersuchungen zeigen, dass es ganz häufig vorkommt, dass für Beschwerden keine körperliche Ursache gefunden werden kann. Hat man dann gleich eine somatoforme Störung? Nein, das ist ein ganz normaler Vorgang. Die Diagnosestellung einer somatoformen Störung erfordert eine Verlaufsbeobachtung von einem halben Jahr. Man könnte auch sagen, dass in einem Diagnosegespräch eine gemeinsame Bestandsaufnahme der Beschwerden und ihrer Auswirkungen vorgenommen wird. Dazu gehört die Erfragung aller Symptome, mögliche körperliche und seelische Risikofaktoren, die Zusammenfassung der diagnostischen Bemühungen, die oftmals zu keiner befriedigenden Ursachenklärung beigetragen haben, sowie die Erfragung, zu welchem Verhalten die ausbleibende Erklärung führte, zu welchen Einschränkungen es kommt und in welchem Bereich (Arbeitsplatz oder Freizeit) die Beeinträchtigungen am deutlichsten festzustellen sind. Dieses Diagnostikgespräch leitet sozusagen eine neue Behandlungsphase ein. Das bedeutet nicht, dass die Diagnostik abgeschlossen ist, sondern jetzt individuelle Bewältigungsstrategien an Bedeutung gewinnen müssen. Deshalb werden mit dem Arzt für das nächste halbe Jahr feste Termine für eine weitere Verlaufsdiagnostik vereinbart. Parallel dazu wird die nun gezielte Behandlung begonnen. Dies ist von besonderer Bedeutung, da bislang die Prognose somatoformer Beschwerden als eher unbefriedigend einzuschätzen ist. Die meisten Verlaufsuntersuchungen gehen davon aus, dass es sich um einen hartnäckigen Verlauf handelt, d. h. die Beschwerden neigen unbehandelt zu einer Chronifizierung. Nach der Diagnosestellung somatoforme Beschwerden gewinnen Bewältigungsstrategien an Bedeutung.