: Dieter Pütz
: ADHS-Ratgeber für Erwachsene
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783844419443
: 1
: CHF 15.30
:
: Geisteswissenschaften, Kunst, Musik
: German
: 176
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB

Unkonzentriert, hektisch, schnell zu begeistern, desorganisiert und impulsiv sind nur einige Kennzeichen von Menschen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstör ng (ADHS). Die Folgen sind häufig Probleme im beruflichen und sozialen Bereich. Der Ratgeber wendet sich an Erwachsene, die unter ADHS leiden, aber auch an Angehörige und Interessierte, die mehrüber das Störungsbild erfahren möchten.

Der Ratgeber informiertüber die Entstehung und die neurobiologischen Grundlagen von ADHS und beschreibt das Vorgehen bei der Diagnostik. Weiterhin gibt er Auskunftüber medikamentöse und psychotherapeutische Therapieangebote, deren Nutzen und Notwendigkeit und darüber, wer die Therapie bezahlt. Ausführlich wird ein Selbsthilfeprogramm zur Behandlung der Kernsymptome der ADHS vorgestellt. 52 Tipps bieten zudem vielfältige Anregungen zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung und des Selbstmanagements und damit für einen problemloseren Alltag.

Kapitel 4: Diagnosekriterien, die ADHS beschreiben können (S. 40-41)

Diagnosen werden in der Psychiatrie auf unterschiedlichen Ebenen gestellt:

• Ganz unten steht das Symptom (hier: unaufmerksam). Symptome lassen sich als beobachtbare Verhaltensweisen beschreiben und vom Patienten berichten.

• Darüber steht das Syndrom: Bei den psychopathologischen Syndromen handelt es sich um eine Zusammenfassung derjenigen Symptome, dieüberzufällig häufi g in einer bestimmten Kombination festgestellt werden (hier: Hyperaktivitätssyndrom).

• Auf der oberen Ebene steht die psychiatrische Diagnose. Sie ist eine Kombination von Symptomen und/oder Syndromen und weiteren Merkmalen, die Zeit- oder Verlaufsmerkmale sein können (hier: ADHS).

In international anerkannten Manualen sind Kriterien für die Diagnose von Erkrankungen festgelegt: Die bekanntesten Klassifi kationssysteme sind das DSM-IV (= Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association) und die ICD-10 (= International Classifi cation of Diseases der Weltgesundheitsorganisation, WHO). Klassifi kationssysteme haben in der Forschung und der klinischen Anwendung eine wichtige Funktion. Aber Statistiken sind kein Ersatz für ein Urteil. So vermitteln die Klassifi kationsschemata oftmals den Eindruck, dass 37 Grad Körpertemperatur die Norm sind, 37,5 Grad bereits behandelbares Fieber und der Betroffene bei 36,5 Grad wegen Untertemperatur aufgewärmt werden muss.

4.1 Historisches zur ADHS-Diagnose

1810 beschreibt der Arzt Alexander Crichton in einem Kapitel seines Lehrbuches die Aufmerksamkeit und ihre Störungen. Nach der Van Economos Enzephalitis zwischen 1917/1918 in den USA treten viele Verhaltensauffälligkeiten auf, die ADHS-Auffälligkeitenähneln. Die Theorie des„Hirnschädigungssyndroms“ war geboren. 1952 wurden die Diagnosen Minimale Hirnschädigung oder Hyperkinetisches Syndrom in das DSM aufgenommen. 1963 beschließt der Amerikanische Kongress das Grundrecht zur Förderung bei Entwicklungsstörungen. Nun gibt es Geld für Kinder mit Lernstörungen etc. 1980 unterscheidet das DSM ADS mit/ohne Hyperaktivität und den ADS-Residualtyp. 1994 unterscheidet das DSM ADHS in den„vorwiegend unaufmerksamen Typ“, in den„vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ“ und in den Mischtyp.

4.2 Kriterien nach der ICD-10

Nach der„Internationalen Klassifikation psychischer Störungen ( ICD- 10)“ sind die Kardinalsymptome der ADHS:

• Beeinträchtigte Aufmerksamkeit und
•Überaktivität.

Ein Leitfaden für diesen Ratgeber6
Inhalt8
Einleitung12
Kapitel 1: Struwwelpeter – Wie äußert sich ADHS?14
1.1 Drei Fallbeispiele15
Fallbeispiel: Marion L.16
Fallbeispiel: Herbert W.17
Fallbeispiel: Jochen D.19
1.2 Impulsivität, Gefühlsschwankungen, mangelnde Affektkontrolle und weitere Symptome21
1.3 Frauen und Männer: Gibt es hier Unterschiede bei ADHS?23
Frauen und ADHS23
Männer mit ADHS25
Kapitel 2: ADHS – Wie das Krankheitsbild entsteht28
2.1 Vererbung und Neurobiologie29
2.2 Dopamin-Hypothesen31
Dopaminmangel-Hypothese31
Dopaminüberschuss-Hypothese32
2.3 Übertragungsvorgänge und Neurotransmitter33
Synapsen, Rezeptoren und Neurotransmitter33
Exkurs33
Die Neurotransmitter Dopamin, Adrenalin und Serotonin34
Der Neurotransmitter Glutamat35
Kapitel 3: Mein Gehirn ist mir das zweitliebste Organ – Gedächtnis, Lernen und ADHS37
3.1 Das Gehirn ist ein Feuerwerk von Schaltkreisen37
3.2 Lernen und Erinnern38
3.3 Das Arbeitsgedächtnis und seine Aufgaben38
3.4 Manchmal vergisst das Gedächtnis etwas40
Kapitel 4: Diagnosekriterien, die ADHS beschreiben können41
4.1 Historisches zur ADHS-Diagnose41
4.2 Kriterien nach der ICD-1042
4.3 Kriterien nach dem DSM-IV43
4.4 Die Wender-Utah-Kriterien45
4.5 Ärztliche Leitlinien und deren Ziele bei ADHS48
Kapitel 5: Die Frage der Differenzialdiagnose – Könnte außer ADHS auch eine andere Störung vorliegen?49
5.1 Persönlichkeitsstörungen49
Borderline-Persönlichkeitsstörungen und ADHS51
5.2 Angststörungen53
Soziale Phobie und ADHS54
5.3 Substanzmissbrauch und Sucht54
5.4 Affektive Erkrankungen: Depressionen55
Kapitel 6: Feinarbeit ist gefragt – Diagnostik bei ADHS57
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Bei der Diagnostik sind folgende Punkte zu beachten:57
6.1 Das Interview mit dem ADHS-Patienten58
Die Diagnose ergibt sich also aus folgender Gesamtschau:59
6.2 Helfen Tests bei der Diagnostik?60
6.3 Screeningverfahren und Fragebögen60
Selbsttest61
6.4 Testpsychologische Untersuchungen und deren Bedeutung für die Diagnose66
Aufmerksamkeitstests66
Kapitel 7: Wie wird ADHS behandelt? – Die Therapie68
7.1 Wann ist eine Therapie überhaupt erforderlich?68
Mögliche Gründe für eine Therapie:68
7.2 Multimodale Therapie69
7.2.1 Was versteht man unter einer Psychotherapie?70
Grundelemente psychotherapeutischer Verfahren:71
7.2.2 Psychotherapie und Medikamente bei ADHS72
7.2.3 Nichtmedikamentöse Behandlung73
Hilfreiche Regeln:73
7.3 Warum ist eine Psychotherapie bei ADHS sinnvoll?74
Psychotherapie ist sinnvoll, weil75
7.4 Verhaltenstherapie und ADHS75
Bausteine der verhaltenstherapeutischen77
Psychotherapie bei ADHS77
7.5 Die anderen wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren78
Psychoanalyse78
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie79
7.6 Was sollten Sie vor einer Psychotherapie noch wissen?80
7.7 Wie kommen Sie an eine Therapie und wer bezahlt sie?80
7.8 Wie ist das mit einer stationären Behandlung?82
Kapitel 8: Die medikamentöse Behandlung von ADHS84
8.1 Methylphenidat85
Behandlungsplan, Dosierung, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen86
8.2 Amphetamin89
8.3 Atomoxetin90
Kapitel 9: Nahrungsmittelallergien und - unverträglichkeiten und ADHS91
Alternative Behandlungsmethoden91
Kapitel 10: Jetzt helfe ich mir selber – Selbsthilfeprogramm und fl ankierende Maßnahmen93
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Mein Vertrag mit mir!93
10.1 Flankierende Maßnahmen94
10.2 Programmbausteine für die Kernsymptome der ADHS95
10.2.1 Baustein 1: Aufmerksamkeitsstörung95
10.2.2 Baustein 2: Motorische Hyperaktivität99
10.2.3 Baustein 3: Achtsamkeit im Alltag99
Regeln zur Achtsamkeit100
10.2.4 Baustein 4: Affektlabilität101
Beispiel103
10.2.5 Baustein 5: Desorganisiertes Verhalten105
Hilfreiche Mottos106
Beispiel: Kochen besteht u. a. aus folgenden Teilschritten:107
Beispiel:110
Beispiel:111
10.2.6 Baustein 6: Affektkontrolle und Impulsivität112
Fragen, die helfen, die Kontrolle zu behalten: