: Wolfgang Frey, Rainer Lösch
: Lehrbuch der Geobotanik
: Spektrum Akademischer Verlag
: 9783827411938
: 2
: CHF 31.90
:
: Naturwissenschaft
: German
: 543
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Dieses Lehrbuch der Geobotanik behandelt eine der großen Teildisziplinen der Pflanzenkunde. Dargestellt werden

- Geschichte der Geobotanik und aktuelle Forschungstrends
- Floristik und Arealkunde
- Vegetationskunde
- Floren- und Vegetationsgeschichte
- Pflanzenökologie
-ökologische Anpassungen und Lebensstrategien der Pflanzen
- Vegetationsgebiete der Erde, mit Schwerpunkt Mitteleuropa
- Molekulare Geobotanik
- Botanische Aspekte von Natur- und Umweltschutz

Das Buch vermittelt bewährtes geobotanisches Grundlagenwissen ebenso wie die in jüngerer Zeit erarbeiteten Aspekte der Geobotanik. Es schließt die anwendungsbezogenen Bereiche der Vegetationskunde und des Naturschutzes ein und greiftüber in die Geowissenschaften und in die Land- und Forstwirtschaft.

Die 2. Auflage wurde detailliertüberarbeitet und durch Berücksichtigung neuerer Befunde zu molekularen Grundlagen der pflanzenökologischer Phänomene, zu Synökologie und globalen Umweltaspekten ergänzt und erweitert.  

4 Vegetationskunde (Phytozönologie, Zönologische Geobotanik) (S.39)

4.1 Allgemeines

Die Vegetation (Pflanzendecke) ist die Gesamtheit der Pflanzenvergesellschaftungen/Pflanzenbestände eines bestimmten Gebietes. Sie steht damit der Flora eines Gebietes als Gesamtheit aller Pflanzensippen gegenüber (Abb. 1-1). In der Vegetationskunde wird somit der pflanzliche Anteil derÖkosysteme, also die Pflanzenvergesellschaftungen bzw. Pflanzengesellschaften, erforscht.

Die vom Menschen unbeeinflusste, im Gleichgewicht mit den klimatischen und edaphischen Faktoren des Habitats und der Tierwelt stehende Vegetation wird als natürliche Vegetation bezeichnet. In Mitteleuropa ist sie heute nur noch selten vorhanden (z.B. alpine Urwiesen, Felsfluren, Steinschutt- und Geröllgesellschaften, Röhrichte und Großseggensümpfe,Salzwiesen,Hochmoore, Schluchtwälder),und vielfach handelt es sich auch hier, bedingt durch die Einwirkungen des Menschen, nur noch um eine naturnahe Vegetation.

Die menschlichen Einwirkungen werden in Hemerobiegraden ausgedrückt (Jalas 1955). Ahemerob: ohne menschlichen Einfluss, Pflanzengesellschaften ohne Neophyten; oligohemerob: schwache Veränderungen, z.B. durch gelegentliche Holzentnahme oder Beweidung (z.B. schwach durchforstete Wälder, alpine Matten, Salzwiesen); mesohemerob: mäßiger oder periodischer Einfluss; euhemerob: stärkerer Einfluss; polyund metahemerob: sehr starker Einfluss des Menschen und Vernichtung von Pflanzenbeständen (s.Kap. 10).

Ein insbesondere methodisch beispielhaftes Projekt zur Erfassung der Hemerobie der WälderÖsterreichs wurde von Grabherr et al. (1998) durchgeführt. Hemerobieeinstufungen werden als wissenschaftliche Grundlage für Waldentwicklungsplanungen und Schutzgebietsausweisungen eingesetzt. Allerdings ist die natürliche Vegetation nicht unbedingt die ursprüngliche Vegetation, also die Pflanzendecke, die vor dem Einsetzen des menschlichen Einflusses als‚Geofaktor‘ vorhanden war. Diese wurde durch Klimaänderungen und durch den Einfluss des Menschen insgesamt verändert.

So ist die natürliche Vegetation in großen Teilen der Erde durch anthropogene oder Ersatzgesellschaften, d. h. vom Menschen unmittelbar beeinflusste Gesellschaften, wie Wiesen, Weiden, Ackerfluren, Heiden, Ruderalvegetation und Wirtschaftswälder ersetzt worden. Die hemerobe Vegetation und die natürliche Vegetation, also die gegenwärtig in einem bestimmten Gebiet vorhandene Vegetation, wird als aktuelle (reale) Vegetation bezeichnet. Sobald die Einwirkung des Menschen aufhört, entwickeln sich die Ersatzgesellschaften zu quasi natürlichen Gesellschaften weiter. Dieses hypothetische, ohne Fortdauer der menschlichen Einwirkung entstehende, Mosaik aus Pflanzengesellschaften wird als potentielle natürliche Vegetation (PNV) bezeichnet (Tüxen 1956, Leuschner 1997).

Dabei handelt es sich um eine beschränkte Anzahl von Schlussgesellschaften, die der biotische Ausdruck des Lebensraumes und des Wechselspiels mit den Habitatbedingungen sind. Die Charakterisierung der potentiellen natürlichen Vegetation dient heute v. a. der Ermittlung der gegenwärtigen und künftigen Leistungsfähigkeit der Habitate. Sie ist jedoch nicht in jedem Fall gleichzusetzen mit der ursprünglichen Vegetation, wie sie vor dem Beginn der Einwirkung des Menschen vorhanden war.

Irreversible oder zumindest aktuell andauernde Habitatveränderungen, wie etwa Bodenabtragung, Nährstoffauswaschung, Luftverschmutzung und Klimaänderungen, verhindern in vielen Fällen die Rückkehr zu den ursprünglichen Verhältnissen. Für die Aufnahme und die Analyse der Pflanzenbestände, dies sind die konkreten Pflanzengruppierungen im Gelände, werden hauptsäch- lich vier Arbeitsrichtungen eingesetzt, die Pflanzensoziologie, die Physiognomisch-ökologische Vegetationsgliederung, die Gradientenanalyse und die numerische Vegetationsanalyse.

Zu den Trends in der Entwicklung weiterer Richtungen und Techniken vgl. Mucina (1997).

Vorwort zur zweiten Auflage6
Vorwort zur ersten Auflage7
Inhalt8
Abkürzungen, Symbole, Konstanten13
1 Gliederung und Aufgaben der Geobotanik16
2 Geschichte der Geobotanik und aktuelle Forschungstrends des Faches18
3 Floristik und Arealkunde21
3.1 Floristik und kartographische Dokumentation des Vorkommens von Pflanzenarten21
3.2 Das Areal einer Pflanzenart22
3.3 Floristische Strukturierung der Pflanzenwelt der Erde43
4 Vegetationskunde ( Phytozönologie, Zönologische Geobotanik)54
4.1 Allgemeines54
4.2 Pflanzensoziologie (Floristisch-systematische Vegetationskunde)55
4.3 Physiognomisch-ökologische und ökologisch-standörtliche Vegetationsgliederung77
4.4 Vegetationskartierung und Darstellung der Vegetation82
4.5 Direkte Gradientenanalyse87
4.6 Numerische Vegetationsanalyse91
4.7 Ökologische Artengruppen und Zeigerwerte99
4.8 Vegetationsdynamik101
5 Floren- und Vegetationsgeschichte ( Historisch- genetische Geobotanik)111
5.1 Die Erdzeitalter111
5.2 Kontinentaldrift, Plattentektonik und Entstehung der Kontinente116
5.3 Leben im Archäophytikum (Eophytikum)118
5.4 Die Eroberung des Festlandes durch die Pflanzen119
5.5 Mittel- bis spätpaläophytische Floren126
5.6 Mesophytische Floren132
5.7 Floren- und Vegetationsentwicklung im Neophytikum134
5.8 Arbeitstechniken157
6 Ökologie der Pflanzen160
6.1 Autökologie: Pflanzen und Vegetation unter dem Einfluss des standörtlichen Strahlungsklimas163
6.2 Autökologie: Die Absorption von Wärmestrahlung durch Luft, Boden und Vegetation und die Energiebilanz182
6.3 Autökologie: Die Abhängigkeit der Pflanzen von der standörtlichen Wasserversorgungssituation210
6.4 Autökologie: Boden und pflanzlicher Mineralstoffhaushalt234
6.5 Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und atmosphärischen Gasen253
6.6 Synökologie271
7 Grundlagen der Ökologie von Populationen und Pflanzengesellschaften287
7.1 Populationsökologische Grundlagen287
7.2 Anwendung populationsökologischer Charakteristika auf Pflanzengesellschaften302
7.3 Diasporenbank312
7.4 Klonale Reproduktion und Habitatbesetzung315
8 Ökologische Anpassungen (Adaptationen) und Lebensstrategien319
8.1 Lebensformen319
8.2 Lebensstrategien und synstrategische Analysen325
8.3 Hydroökologische pflanzliche Existenztypen: Meso-, Xero-, Hydro- und Helophyten341
8.4 Pflanzen mit spezifischen CO2- Konzentrationsmechanismen343
8.5 Edaphische Standortspezialisten: Halophyten und Chalkophyten348
8.6 Carnivore Pflanzen356
8.7 Saprophyten, Parasiten, Symbiosen358
8.8 Lianen und Epiphyten361
9 Vegetationsgebiete der Erde363
9.1 Vegetationszonen (zonale Vegetation)363
9.2 Azonale und extrazonale Vegetation412
9.3 Die aktuelle Vegetation Mitteleuropas412
9.4 Höhenstufen und Lebensbereiche in den Alpen440
9.5 Hochgebirgsstufen ausgewählter tropischer Gebirge447
9.6 Molekulare Geobotanik449
10 Vegetation und Mensch/Mensch und Umwelt457
10.1 Der Einfluss des Menschen auf die Umwelt und Bestrebungen zum Erhalt von Organismenvielfalt und ökologischem Gleichgewicht457
10.2 Artenschutz463
10.3 Flächenschutz, Biotopmanagement und Biotopvernetzung469
10.4 Flächendeckender und weltweiter Natur- und Umweltschutz483
Literatur486
Register525
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