: Niels Birbaumer, Dieter Frey, Julius Kuhl, Gerhard Stemmler
: Psychologie der Emotion (Enzyklopädie der Psychologie : Themenbereich C : Ser. 4 ; Bd. 3)
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840905995
: 1
: CHF 120.20
:
: Geisteswissenschaften, Kunst, Musik
: German
: 729
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Die Emotionspsychologie hat sich in den letzten 20 Jahren rasant weiterentwickelt. Der Band bietet einen aktuellenÜberblickü er die wichtigsten Bereiche von Forschung und Theorie in der Emotionspsychologie. Zunächst wird in zwölf Kapiteln der Emotionsprozess dargestellt. Die Autoren behandeln die Themen Emotionsauslösung, Emotionsverarbeitung und Reaktionsvorbereitung sowie die intra- und interpersonalen Konsequenzen von Emotionen. Im Einzelnen werden nach einem theoretischen Abriss neurobiologische Emotionsmodelle, die funktionelle Neuroanatomie der Emotionen sowie automatische und kontrollierte Prozesse bei der Emotionsauslösung erörtert. Es folgen einÜberblicküber die motivationale Organisation von Emotionen, die Wechselbeziehung zu Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie eineÜbersichtüber komplexe Reizbewertung und Reaktionsselektion. Anschließend werden die Themen somatoviszerale Aktivierung, die Gefühle als Emotionsmonitor, der Emotionsausdruck als Kommunikations- und Regulationsmedium, soziales Verhalten sowie die Emotionsregulation diskutiert. Schließlich beschreiben drei Beiträge die entwicklungspsychologische, die differenzielle und die klinisch-psychologische Perspektive von Emotionsprozessen.

13. Kapitel
Die Entwicklung von Emotionen und emotionalen Kompetenzen über die Lebensspanne
(S. 527-528)

Ute Kunzmann und Maria von Salisch

1 Einleitung

In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, wie sich verschiedene Aspekte einer Emotion über die Lebensspanne hinweg verändern. Im ersten Teil des Kapitels werden wir zunächst den Begriff"Emotion", näher bestimmen. Hierauf aufbauend werden wir uns mit zentralen emotionalen Kompetenzen beschäftigen, so wie sie in der Emotions- und Entwicklungspsychologie konzeptualisiert und empirisch untersucht werden, hierzu zählen die willentliche Regulierung emotionaler Reaktionssysteme, die empathische Akkuratheit und das Wissen über Emotionen.

Den Schwerpunkt unseres Beitrages bilden die entwicklungspsychologischen Befunde zur Veränderung von Emotionsprozessen im engeren Sinne sowie von emotionalen Kompetenzen im weiteren Sinne, über die wir im zweiten und dritten Teil des Kapitels zusammenfassend berichten. Dabei werden wir uns sowohl mit Entwicklungsprozessen in der Kindheit und Jugend beschäftigen als auch mit altersbezogenen Veränderungen im Erwachsenenalter und Alter.

Im vierten und letzten Teil unseres Beitrages werden wir einen Ausblick auf zukünftige Forschungen im Bereich der emotionalen Entwicklung über die Lebensspanne geben. Die"Leitsätze der Entwicklungspsychologie der Lebensspanne", werden den Rahmen für unseren Ausblick bilden (vgl. Baltes, 1987, 1997). Während viele entwicklungspsychologische Arbeiten von einem uniformen Wachstumsprozess einer jeden Kompetenz ausgehen (d. h. Wachstum in der Kindheit, Stabilität im Erwachsenenalter und Abbauprozesse im Alter), erlaubt die Entwicklungspsychologie der Lebensspanne ein differenzierteres Bild.

Danach ist die Entwicklung von Emotionsprozessen und emotionalen Kompetenzen (a) multidirektional (d. h. die Entwicklungsverläufe verschiedener Facetten einer Emotion können sich hinsichtlich ihres Beginns, Ausmaßes und ihrer Richtung voneinander unterscheiden), (b) differentiell (d. h. es existieren substanzielle individuelle Unterschiede in intraindividuellen Veränderungen emotionaler Prozesse), (c) kontextuell (d. h. die emotionale Entwicklung wird vom jeweiligen Lebenskontext eines Individuums mitbestimmt) und (d) plastisch (d. h. Entwicklungsverläufe sind optimierbar und jedes Individuum hat ein zu bestimmendes Entwicklungspotenzial). Diese Leitsätze verweisen auf einige noch offenstehende Fragen für die zukünftige Forschung im Bereich der emotionalen Entwicklung."
Autorenverzeichnis6
Vorwort10
Inhaltsverzeichnis12
Der Emotionsprozess24
1 Plan des Bandes24
2 Ein Prozessmodell von Emotionen26
3 Ausblick40
Literatur40
Neurobiologische Emotionsmodelle44
1 Einleitung44
2 Neurobiologische Grundlagen46
3 Neurobiologische Emotionsmodelle73
4 Diskussion85
Literatur92
Danksagung102
Funktionelle Neuroanatomie104
1 Einleitung104
2 Bildgebende Verfahren (Neuroimaging)104
3 Forschungsmethoden106
4 Zentrale Hirnregionen für die Verarbeitung von Emotionen108
5 Typologie von Emotionen – Beiträge des Neuroimaging117
6 Erkennen von Emotionen: Gesichtsausdruck und Körpersprache119
7 Bedrohung und Emotion122
8 Positiv-valente Emotionen128
9 Emotionen und ihre peripherphysiologischen Reaktionen133
10 Emotion und Gedächtnis135
11 Emotionsregulation137
12 Ausblick140
Literatur143
Automatische und kontrollierte Prozesse bei der Emotionsauslösung154
1 Einleitung154
2 Gibt es unbewusste Emotionen?155
3 Automatische evaluative Prozesse als Auslöser für Emotionen?161
4 Semantische Prozesse bei der Emotionsauslösung167
5 Motivationale Prozesse und die Involvierung des Selbst168
6 Experientielle und nicht experientielle Einflüsse auf das Verhalten172
Literatur181
Motivationale Organisation von Emotionen190
1 Einleitung190
2 Die motivationale Organisation von Emotionen: Annäherung und Abwehr191
3 Das Modell motivationaler Bahnung (motivational priming model)195
4 Emotionsinduzierte Modulation der menschlichen Schreckreaktion197
5 Neuronale Schaltkreise der emotionsinduzierten Schreckreflexpotenzierung205
6 Enkodierung emotionaler Reize: Emotion und Aufmerksamkeit209
7 Zusammenfassung217
Literatur218
Aufmerksamkeit und Gedächtnis228
1 Einführung228
2 Aufmerksamkeit230
3 Emotion und Gedächtnis246
4 Moderationen affektiver Verarbeitungsprozesse253
5 Ausblick259
Literatur260
Appraisaltheorien: Komplexe Reizbewertung und Reaktionsselektion270
1 Einleitung270
2 Allgemeines Modell des Einschätzungsprozesses272
3 Historische Entwicklung des Appraisalansatzes274
4 Entwicklung des Appraisalkonzepts in der modernen Psychologie276
5 Aktuelle Appraisaltheorien280
6 Empirische Belege294
7 Mehrprozesstheorien297
8 Persönlichkeit299
9 Kulturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede299
10 Fazit304
Literatur305