: Sigrun Schmidt-Traub, Tina-Patricia Lex
: Angst und Depression
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840919060
: 1
: CHF 24.40
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 345
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Kogniti e Verhaltenstherapie bei Angststörungen und unipolarer Depression
Zahlreiche Patienten leiden gleichzeitig unter Angststörungen und Depressionen. Häufig wird dann auf vage, undifferenzierte Diagnosen wie«Angst und Depression, gemischt» oder«Anpassungsstö ung» zurückgegriffen. Entsprechend wenig differenziert ist meist auch das therapeutische Vorgehen. Ziel des Buches ist es, die präzise diagnostische Einschätzung und gezielte Behandlung von Angststörungen und Depressionen zu erleichtern. Zu diesem Zweck werden die Erscheinungsform, die Differenzialdiagnostik und die kognitiv-verhaltenstherapeuti che Behandlung von allen sieben Angststörungen einschließlich der unipolaren Depressionen dargestellt.

Die Verwobenheit von Angst und Depression in ihren jeweiligen Nuancen und Interaktionen kann so diagnostisch präziser gefasst werden. Störungsübergreifen e therapeutische Bausteine wie Konfrontation, kognitive Therapie und Gesundheitsverhalten, die bei fast allen Störungen zu Therapieerfolgen führen, werden ausführlich erläutert und durch störungsspezifische Vorgehensweisen ergänzt.

Da sich die Therapeut-Patient-Beziehung mittlerweile in vielen Studien als eine besonders wichtige, wenn nicht sogar als bedeutendste therapeutische Wirkvariable herauskristallisiert, werden auch hierzu aktuelle Erkenntnisse referiert. Das Buch füllt somit eine Lücke in der klinischen Literatur zur Angst- und Depressionsbehandlung.

Die Autorinnen

Dr. rer. pol., Dipl.-Psych., Dipl.-Soz. Sigrun Schmidt-Traub, geb. 1942. Studium der Psychologie und Soziologie in Tübingen, Hamburg, Berlin, Frankfurt und an der Yale University in New Haven (USA). 1974 Promotion. Ausbildung in Verhaltens-, Gesprächspsycho- und Hypnotherapie. Seit 1974 eigene psychotherapeutische Praxis und Lehrtätigkeit an Universitäten. Seit 1989 Dozentin und Supervisorin an verschiedenen Ausbildungsinstituten für Klinische Verhaltenstherapie.

Dipl.-Psych. Tina-Patricia Lex, geb. 1964. 1988-1997 Studium der Betriebswirtschaft und Psychologie in Köln und Düsseldorf. Weiterbildung zur Verhaltenstherapeutin und Klinischen Neuropsychologin. Seit 1997 Tätigkeit in zwei Kliniken für Neurologie in Hattingen und Hagen.

9 Beschreibung affektiver Störungen (S. 215-216)

9.1 Diagnostische Kriterien affektiver Störungen

Affektive Störungen führen vor allem zu Veränderungen in der Stimmungslage der Person. Ausgeprägte Manie und schwere Depression bilden die beiden Pole des affektiven Spektrums. Meist bewegen sich die Veränderung der Stimmung in Richtung Depression, mit oder ohne begleitender Angst, seltener in Richtung Manie. Die Veränderung der Stimmungslage geht oft mit einem Wechsel des allgemeinen Aktivitätsniveaus einher. Patienten neigen zu Rückfällen. Die wesentlichen Kriterien zur Unterteilung der affektiven Störungen beruhenüberwiegend auf praktischen Erwägungen, die vor allem das Identifizieren der einzelnen Untergruppen erleichtern sollen (ICD-10, 1991).

Depressionen können ohne erkennbare Auslöser innerhalb von einigen Tagen oder Wochen entstehen, auch im Verbund mit Angststörungen. Vorübergehende Zustände mit Traurigkeit, Resignation und Selbstzweifeln kennt jeder. Halten sie sich jedoch und nehmen immer größere Ausmaße an, die zu einer Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten führen, dann sind daraus depressive, gelegentlich auch manische oder gemischte Störungen geworden.

In Anlehnung an ICD-10 sollte zunächst darauf geachtet werden, ob die affektiven Beschwerden nicht Folge von Medikamenten-/Drogeneinnahme oder von körperlichen Erkrankungen sind. Patienten, die Beta-Blocker einnehmen, ebenso wie Diabetiker oder Parkinsonpatienten, entwickeln nicht selten depressive Verstimmungen. Je nach anamnestischer Datenlage ist eine gründliche allgemeinmedizinische Untersuchung zu veranlassen, um den Verdacht auf körperliche oder pharmakologische Einflüsse zuüberprüfen.

Im Interesse der therapeutischen Wirksamkeit einer psychopharmakologischen und/oder psychotherapeutischen Behandlung muss differenzialdiagnostisch– am besten unter Hinzuziehen eines Psychiaters– zwischen einer bipolaren Störung, die psychotherapeutisch schwerer zugänglich ist (Geller et al., 2001), und einer unipolaren depressiven Störung unterschieden werden. Der Verlauf von affektiven Störungen ist entweder unipolar, meist in Form einer depressiven, gelegentlich auch in Gestalt einer manischen Episode, oder bipolar, wobei depressive Episoden mit manischen abwechseln. Folglich werden Depressionen nach ICD-10 und DSM-IV in

– unipolare (ausschließlich depressive oder manische) Episoden
– bipolare Störungen (manisch und depressiv) und in
– solche depressiven Störungen eingeteilt, die sich an ihrer Krankheitsgeschichte orientieren und entweder aufgrund eines Krankheitsfaktors oder aber
– substanzinduziert entstanden sind.

Die Einteilung in unipolare und bipolare affektive Störungen gilt als wissenschaftlich gesichert, da zahlreiche Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien Belege dafür liefern, ebenso wie Marker-Untersuchungen, Studien zur Symptomatologie, zu lebensgeschichtlichen, soziodemographischen und persönlichkeitsbezogenen Variablen sowie Untersuchungen zu therapeutischen Wirkungen, zur Prognose und zum Verlauf dieser Störungen (Hautzinger et al., 2000).

9.1.1 Depressive Episoden

Das Auftreten von einer oder mehreren depressiven Episoden wird im angelsächsischen Bereich als Major Depression (DSM-IV) bezeichnet. Wesentliche Merkmale einer depressiven Episode sind depressive Verstimmung, Verlust an Interesse und Freude an allen Aktivitätenüber einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen und länger. Um eine (rezidivierende) depressive Episode diagnostizieren zu können, muss sicher gestellt sein, dass bislang keine hypomanische oder manische (S. 223) Episode in der Biographie des Patienten vorkam. Außerdem ist darauf zu achten, ob die depressive Episode mit der Einnahme von psychotropen Substanzen, organischen psychischen Störungen oder medizinischen Krankheitsfaktoren in Zusammenhang steht.

Schweregradeinteilung: Es ist nicht immer leicht, den Schweregrad einer depressiven Störung zu bestimmen. Weil die Intensität der Störung Einfluss auf die Therapie hat, wurden depressive Episoden in leichte, mittelgradige und schwere eingeteilt (ICD-10, 1991). Patienten mit leichten und zum Teil mittelgradigen depressiven Episoden lassen sich in der Regel ambulant ganz gut behandeln, während Patienten mit schweren depressiven Episoden im Allgemeinen entweder eine medikamentöse Abstützung benötigen oder in stationäre Behandlung müssen.

Ein weiterer Aspekt bei der Einschätzung der Schwere der Störung ist das Ausmaß an sozialer Integration des depressiven Patienten, das heißt inwieweit er noch arbeitsfähig und darüber hinaus sozial aktiv sein kann. Dieses Kriterium ist aber auch nicht immer zuverlässig, denn häufig beeinflussen individuelle, soziale und kulturelle Einflüsse die Beziehung zwischen der Schwere der Symptomatik und der sozialen Integration.

Trotz unzulänglicher empirischer Absicherung wurde auf Wunsch von internationalen Klinikern im ICD-10 an dem somatischen Syndrom bei depressiven Episoden festgehalten. Die darin als somatisch bezeichneten Symptome, die objektiv zu beobachten sind, werden gelegentlich auch als„melancholisch",„vital",„biologisch" oder„endogenomorph" bezeichnet (ICD-10, 1991).

Inhaltsverzeichnis6
Vorwort12
Einleitung16
1 Epidemiologie von Angststörungen und depressiven Störungen18
1.1 Vorkommen von Angststörungen18
1.2 Vorkommen von depressiven Störungen22
2 Diagnostische Klassifikation und Erhebung27
TEIL I Diagnostik und Therapie von Angststörungen30
3 Panikattacken, Panikstörung und Agoraphobie32
3.1 Diagnostische Kriterien32
3.2 Erklärungsmodell für Panikstörung und Agoraphobie47
3.3 Diagnostische Vorgehensweise53
3.4 Therapie54
3.5 Therapeutische Effektivität100
3.6 Behandlungsbeispiel: Patientin mit Panikstörung und Agoraphobie (F40.01G) sowie sekundärer Epilepsie (G40.9G)101
4 Spezifische (isolierte) Phobie108
4.1 Diagnostische Kriterien108
4.3 Erklärungsmodell113
4.4 Diagnostische Vorgehensweise113
4.5 Therapie114
4.6 Therapeutische Effektivität114
4.7 Behandlungsbeispiel für eine unbefriedigend verlaufene Therapie einer Autofahrphobie (F40.2G)115
5 Soziale Phobie117
5.1 Diagnostische Kriterien117
5.2 Epidemiologische Ergebnisse120
5.3 Erklärungsmodell121
5.4 Diagnostische Vorgehensweise123
5.5 Therapie124
5.6 Therapeutische Effektivität135
6 Generalisierte Angststörung140
6.1 Diagnostische Kriterien140
6.2 Epidemiologische Ergebnisse142
6.3 Erklärungsmodell144
6.4 Diagnostische Vorgehensweise146
6.5 Therapie147
6.6 Therapeutische Effektivität152
6.7 Behandlungsbeispiel: Älterer Mann mit GAS (F41.1G) und komorbider leichter Sozialer Phobie (F40.1G)153
7 Zwangsstörung157
7.1 Diagnostische Kriterien157
7.2 Epidemiologische Daten160
7.3 Erklärungsmodell161
7.4 Diagnostische Vorgehensweise166
7.6 Therapeutische Effektivität174
7.7 Behandlungsbeispiel: Frau mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, gemischt (F42.2G)175
8 Akute Belastungsreaktion un