: Peter Neudeck, Hans-Ulrich Wittchen (Hrsg.)
: Konfrontationstherapie bei psychischen Störungen
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840917356
: 1
: CHF 24.40
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 382
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

eizkonfrontationsverfahren von sind, richtig durchgeführt, sehr effi-zient und auch längerfristig erfolgreich. In diesem Buch werden aktuelle und praxisorientierte Möglichkeiten der Durchführung Reizkonfrontationsmethoden bei verschiedenen psychischen Störungen dargestellt.

Neben der Beschreibung der theoretischen Grundlagen liegt der Schwerpunkt auf einer praxisnahen Vermittlung des therapeutischen Vorgehens bei Phobien, Zwängen, Abhängigkeitserkrankunge , Essstörungen und der Posttraumatischen Belastungsstörung. Ausführlich wird auf die Beschreibung und Behebung von Problemen und Schwierigkeiten, die sich bei der Anwendung der Verfahren ergeben können, eingegangen. Das Buch bietet damit einen bisher einmaligenÜberblick zur Anwendung von Konfrontationsverfahren in der klinischen Praxis.
 
Die Herausgeber

Dr. Peter Neudeck, geb. 1962. Studium der Psychologie in Mainz und Berlin. 1998 Promotion. Ausbildung als Verhaltenstherapeut und Tätigkeit am Christoph-Dornier-Centrum für Klinische Psychologie in Münster. Danach Bezugstherapeut in der salus klinik Lindow. Wissenschaftlicher Angestellter am Universitätsklinikum Aachen. Seit 2001 in eigener Praxis tätig.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen, geb. 1951. Studium der Psychologie in Wien. 1975 Promotion. 1984 Habilitation. Seit 1990 Leiter der Abteilung Klinische Psychologie am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München sowie seit 2000 Direktor des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Technischen Universität Dresden.

„Bedrohliche Hasen"– Konfrontationstherapie bei Panikstörungen
Peter Neudeck (S. 17-18)

Panikanfälle können im Kontext aller Angsterkrankungen, bei Zwangserkrankungen, aber auch bei Depressionen und anderen psychiatrischen Erkrankungen auftreten (Barlow et al., 1985; Reed& Wittchen, 1998; Goodwin& Hamilton, 2001; Goodwin et al., in press). Im Rahmen dieses Beitrags wird der Fokus auf die Behandlung von Panikanfällen bei der Diagnose Panikstörung ohne Agoraphobie (ICD-10: F41.0) gelegt. Es ist prinzipiell möglich, sofern keine Kontraindikation auf Grund der Ausschlusskriterien für Konfrontationsbehandlung vorliegt (vgl. Hand, 2001), die beschriebene Vorgehensweise auch in den Rahmen einer Therapie, z. B. von Panikstörung mit Agoraphobie, sozialenÄngsten, generalisiertem Angstsyndrom oder spezifischenÄngsten, einfließen zu lassen. Lediglich der situationale Kontext wird für jede Erkrankung verschieden sein.

1 Panikanfälle und Panikstörung

Ein Panikanfall ist nach DSM-IV (APA, 1998) ein abgrenzbarer Zustand intensiver Angst oder Unbehagens, der einhergeht mit einer Reihe körperlicher Symptome und typischen Kognitionen. Die Angst tritt plötzlich und („wie aus heiterem Himmel") scheinbar ohne Ursache in objektiv ungefährlichen Situationen auf und wird von den Betroffenen subjektiv oft als lebensbedrohlich erlebt. Ein Panikanfall beginnt abrupt, d.h. nicht vorhersagbar, erreicht innerhalb von einigen Minuten ein Maximum und dauert mindestens einige Minuten an (durchschnittlich ca. 30 Minuten, mit einer großen Streubreite) (Taylor et al., 1986; Margraf& Schneider, 1998).

Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst) bezeichnet eine Angststörung, die durch situationsunabhängige Panikanfälle, Erwartungsangst und zu einem hohen Prozentsatz auch durch Vermeidungsverhalten charakterisiert ist. Bis zur Einführung des Klassifikationssystems DSM-III wurde die Panikstörung gemeinsam mit der Generalisierten Angststörung (GAS) häufig auch als„Angstneurose" bezeichnet. In den heute aktuellen Diagnosesystemen DSM-IV und ICD-10 bilden diese Erkrankungen sowie die Posttraumatische Belastungsstörung eine Gruppe der Angsterkrankungen; Spezifische, Soziale Angst und Agoraphobie bilden die andere Gruppe der (phobischen) Angsterkrankungen. Diese Einteilung wurde nicht aufätiologischen Grundlagen, sondern aus epidemiologischen, neurobiologischen und therapeutischen Gründen so vorgenommen (Hand& Wittchen, 1986, 1988).

Anders als bei den phobischen Angststörungen werden bei der Panikstörung nicht bestimmte Orte oder Situationen gemieden; es handelt sich vielmehr um eine Vermeidung hauptsächlich interner körperlicher Reize, die einen Panikanfall auslösen könnten. Dies ist hinsichtlich der Durchführung von Reizkonfrontationen von erheblicher Bedeutung. Im DSM-IV wird dieser Tatsache Rechnung getragen, indem die Kriterien eines Panikanfalls den spezifischen Angststörungen vorangestellt sind. Unerwartete (nicht ausge löste) sowie situationsbegünstigte Panikanfälle (das Aufreten von Panikanfällen ist in bestimmten Situationen wahrscheinlicher) werden von situationsgebundenen Panikanfällen abgegrenzt. Unerwartete Panikattacken sind notwendig für die Diagnose einer Panikstörung, situationsgebundene Panikattacken sind charaktersitisch für andere Angststörungen (z. B. Spezifische und Soziale Phobien).

Die Lebenszeitprävalenz von klinisch diagnostizierten Panikstörungen liegtüber verschiedene Kulturen hinweg zwischen 0,4 % (Taiwan) und 3,5 % (USA, National Comorbidity Survey) (Weissman et al., 1997). Für den deutschen Raum fanden Reed und Wittchen (1998) in einer Bevölkerungsstichprobe von insgesamt 3021 14- bis 24-jährigen Probanden eine Prävalenzrate von 1,6 %. Für die deutsche Gesamtbevölkerung im Alter von 18 bis 65 Jahren ergab sich im Bundesgesundheitssurvey für Frauen eine Lebenszeitprävalenz von 5,5 % und für Männer von 2,2 % (Jacobi et al., 2004). Panikstörungen können bereits in der Adoleszenz auftreten, die Hochrisikozeit für Panikstörungen liegt aber im frühen Erwachsenenalter. Dabei ergab sich im National Comorbidity Survey eine bimodale Ersterkrankungskurve mit einer ersten Hochrisikoperiode zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr und einem zweiten Gipfel zwischen dem 45. und 54. Lebensjahr (Eaton et al., 1994). Der Verlauf ist unterschiedlich und variiert von– allerdings seltenen– kompletten Remissionen bis zu den häufigeren chronischen Verläufen.

An der Entstehung von Panikstörungen sind eine Vielzahl von Faktoren beteiligt, die von genetischen Einflüssen bis zu proximalen Ereignissen im Alltag reichen. Obwohl Panikstörungen familiär gehäuft auftreten, handelt es sich offensichtlich zumeist um familiär vermittelte Risikoerhöhungen (z. B. Modelllernen). Der Beitrag einzelner Gene ist als gering einzuschätzen. Studien legen nahe, dass es sich wahrscheinlich um solche Gene handelt,über deren Proteine Panikanfälle ausgelöst werden können. Es ist wahrscheinlich, dass eine unspezifische Vulnerabilität weitergegeben wird, die spezifische Ausformung der Störung jedoch von Umweltfaktoren beeinflusst wird (Scherrer et al., 2000; Andrews et al., 1990). Spezifische traumatische und kritische Lebensereignisse können das Risiko für Panikstörungen erhöhen. Gut belegt sind dabei Verlust/Trennung eines Elternteils, frühe emotionale Deprivation sowie sexueller Missbrauch (z. B. Kessler et al., 1997). Weitere etablierte distale Vulnerabilitäts- und Risikokonstellationen sind„Behavioral Inhibition" als Temperamentsvariable, Trennungsangst in der Kindheit sowie Substanzstörungen (z. B. Craske et al., 2001; Isensee et al., 2003; Wittchen et al., 2000). Den Verlauf der Erkrankung beeinflussen ferner Persönlichkeitsfaktoren, das Verhalten der Bezugspersonen und die Komorbidität mit anderen Störungen bzw. Folgeerkrankungen (Alkoholmissbrauch, Depression). Ohne therapeutische Intervention zeigten nur 14,3 % der Probanden einer Studie nach sieben Jahren Spontanremissionen (Wittchen, 1991).

Inhaltsverzeichnis6
Die Vernachlässigung der Expositionsverfahren – ein Verstoß gegen die Regeln der Kunst!8
Zeit zum Umdenken9
Ein kleiner historischer Abriss9
Varianten und Vorgehen10
Störungsspezifische Verfahren und Schwerpunkte der einzelnen Beiträge11
Literatur15
I. Phobien16
„Bedrohliche Hasen“ – Konfrontationstherapie bei Panikstörungen18
1 Panikanfälle und Panikstörung18
2 Klinische und nichtklinische Panikanfälle19
3 Diagnostik und Differenzialdiagnostik21
4 Behandlungsansätze und therapeutisches Vorgehen23
5 Das Vorgehen in den Therapiephasen25
5.1 Mitteilung der Diagnose und psychoedukative Phase25
5.2 Kognitive Vorbereitung29
5.3 Konfrontationsübungen bei Panikstörung36
6 Varianten und Kontraindikationen42
7 Wirkweise und empirische Überprüfung43
Literatur44
Konfrontationsbehandlung bei Sozialer Phobie48
1 Soziale Phobie: Symptomatologie, Prävalenz und Behandlung48
1.1 Erscheinungsbild der Sozialen Phobie48
1.2 Epidemiologie50
1.3 Behandlung der Sozialen Phobie50
2 Beschreibung und Durchführung des Verfahrens50
2.1 Diagnostische Phase51
2.2 Vorbereitung der Übungen52
2.3 Durchführung der Übungen53
3 Fallbeschreibung: Angst vor öffentlichem Sprechen55
4 Varianten und Kontraindikationen60
4.1 Übungen in sensu60
4.2 Rollenspiele61
4.3 Shame attacks61
4.4 Vorgehen bei Patienten mit komorbiden Störungen63
4.5 Kontraindikationen64
5 Wirkweise und empirische Erfolgskontrolle64
Literatur65
Konfrontationsbehandlung bei Spezifischen Phobien68
1 Einleitung68
2 Konfrontationsbehandlungen bei Spezifischen Phobien71
2.1 Beschreibung der Konfrontationstherapie71
2.2 Die Konfrontationssitzung bei unterschiedlichen Spezifischen Phobien76
3 Fallbeschreibungen79
3.1 Konfrontationsbehandlung einer Tierphobie vor Katzen79
3.2 Konfrontationsbehandlung einer Schluckphobie82
4 Varianten und Kontraindikationen87
4.1 Spritzen-, Blut- und Verletzungsphobien87
4.2 „Virtual reality“-Konfrontationen88
4.3 Kontraindikationen90
5 Wirkungsweise und empirische Erfolgskontrolle90
Literatur92
Sorgenexposition bei Generalisierter Angststörung96
1 Einleitung: Was ist anders bei der Generalisierten Angststörung?96
2 Erklärungsmodell pathologischer Sorgen97
3 Sorgenexposition101
4 Durchführung der Sorgenexposition104
4.1 Vermittlung eines patientennahen Modells auf der Grundlage systematischer Selbstbeobachtung104
4.2 Disputation von Vermeidung und Sorgenkontrolle108
4.3 Vermittlung des Behandlungsrationals109
4.4 Auswahl relevanter Sorgenthemen und Vorbereitung der Sorgenexposition111
4.5 Die Konfrontation in sensu112
4.6 Konfrontation in vivo115
5 Probleme und Schwierigkeiten bei der Durchführung116
6 Varianten und Kontraindikationen117
7 Empirische Erfolgskontrolle und Wirkungsweise118
Literatur121
Anhang124
II. Zwänge126
Was kommt nach dem Ritual? Umgang mit Emotionen während und nach der Exposition128
1 Einleitung128
2 Methode und theoretischer Hintergrund128
3 Durchführung des Verfahrens130
3.1 Konkrete Hinweise zur Umsetzung130
3.2 Besonderheiten in der Therapie v