: Ralf Schwarzer
: Psychologie des Gesundheitsverhaltens
: Hogrefe Verlag Göttingen
: 9783840918162
: 3
: CHF 26.20
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 449
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Welche psychologischen Prozesse sind für eine gesunde Lebensweise oder für riskante Gewohnheiten verantwortlich? Im Blickpunkt der Neubearbeitung des Bandes steht förderndes sowie riskantes Gesundheitsverhalten. Der Band liefert eine aktuelleÜbersicht psychologischer Theorien und Modelle des Gesundheitsverhaltens.

Der Zusammenhang zwischen Verhalten und Krankheitsrisiko wird ausführlich in Bezug auf Krebserkrankungen und koronaren Herzkrankheiten erläutert. Die Auswirkungen von Stress und körperlicher Aktivität auf die Gesundheit werden erörtert. Weiterhin informiert der Bandüber die Themen Safer Sex, Sonnenschutzverhalten, Ernährung und Gewichtskontrolle, Rauchen und Raucherentwöhnung sowie Maßnahmen zur Gesundheitsförderung.&nb p;

8 Ernährung und Gewichtskontrolle (S. 281-282)

In diesem Kapitel geht es um zwei miteinander verwandte Dinge: um die Menge der Nahrungszufuhr (Energieaufnahme) sowie um gesundheitsgerechte Ernährung, also die Wahl gesunder Lebensmittel und die Vermeidung von einseitiger oder ungesunder Kost. Die Regulation des Körpergewichts kann als ein Gesundheitsverhalten angesehen werden, während die passive Hinnahme vonÜbergewicht als ein Risikoverhalten zu betrachten ist; eine ausgewogene Ernährung und eine gezielte Ausklammerung krankheitsbegünstigender Nahrungselemente ist ein Gesundheitsverhalten, während die gedankenlose Hingabe an die gerade verfügbare Nahrung oder die Bevorzugung ausschließlich wohlschmeckender Köstlichkeiten ein Risikoverhalten darstellt. Wie man sieht, unterscheiden sich also Gewichtskontrolle und Ernährung in der Systematik von anderen Gesundheitsverhaltensweisen (wie z. B. körperlicher Aktivität) oder Risikoverhaltensweisen (wie z. B. Rauchen) durch ihre Doppeldeutigkeit, indem sie sowohl gesunde als auch riskante Elemente enthalten. Wir alle müssen uns ernähren, die Frage ist nur, wie wir mit demÜberangebot an Essbarem umgehen, ohne uns zu schaden. Die Erörterung dieser Frage beschränkt sich hier auf die Gesellschaften in industrialisierten und wohlhabenden Ländern, denn in der Dritten Welt (oder auch in manchen benachteiligten Gruppen unserer Gesellschaft) stellen sich ganz andere Ernährungsprobleme.

Übergewicht ist in der Dritten Welt eher ein Phänomen einer privilegierten Schicht; Dickleibigkeit kann dort sogar ein begehrtes Statussymbol sein, zeigt es doch, wie wohlhabend man ist. Umgekehrt ist in der WohlstandsgesellschaftÜbergewicht mehr in unteren als in höheren Sozialschichten zu finden (Corsica& Perri, 2003; Friedman, 2000; Petermann& Pudel, 2004; Vögele, in Druck; World Health Organization [WHO], 1998). Einige Fragestellungen werden hier nicht näher behandelt, um den Rahmen des Kapitels nicht zu sprengen. Essstörungen werden beispielsweise nur kurz erwähnt, weil ihre ausführliche Behandlung mehr in die klinische als in die Gesundheitspsychologie gehört. Die Belastung unserer Lebensmittel durch toxische Substanzen wie z. B. Konservierungsstoffe, Rückstände von Pestiziden, radioaktive Strahlung oder organische Schadstoffe ist ein Thema für sich, das an anderer Stelle einer gründlichen Behandlung bedarf. Der gesundheitsbewusste Mensch wird nicht nur sein Gewicht durch begrenzte Kalorienaufnahme regulieren und z. B. Salz, Fett und Zucker möglichst meiden, sondern seine Nahrung auch mit Bedacht auswählen, wenn es um die Belastung durch toxische Substanzen geht. Schließlich ist Gewichtskontrolle nicht allein eine Angelegenheit des Essens, sondern hat mit dem Lebensstilüberhaupt zu tun. Körperliche Aktivität spielt dabei eine Rolle, aber da dies bereits in einem separaten Kapitel behandelt worden ist, soll das Thema an dieser Stelle bewusst vernachlässigt werden.

Übergewicht und gestörtes Essverhalten

Übergewicht als Gesundheitsrisiko
Lebewesen verfügenüber komplexe Mechanismen der Nahrungsaufnahme und Gewichtsregulation. Den Geschmacksnerven z. B. kommt die Funktion zu, Essbares von Ungenießbarem zu unterscheiden. Das Sättigungsgefühl sagt uns, wann wir genug haben. Das» periphere Sättigungssystem« steuert die Esslust mit Hilfe von Hormonen der Bauchspeicheldrüse und des Magen-Darm-Traktes, während die Nahrung ihren Weg durch den Organismus nimmt. Der» zentrale Nahrungsaufnahmemechanismus« dagegen steuert das Essverhalten durch Neuropeptide und andere Neurotransmitter. Auch wenn die Natur dies alles sehr gut eingerichtet hat, funktioniert es leider nicht immer so, wie es sollte. Stress oder spezifische Intentionen Besonderheiten im Essverhalten verursachen, die sich auf die Gesundheit auswirken können.Übergewicht ist eine der Konsequenzen. Zunächst soll kurz erläutert werden, was man unterÜbergewicht versteht und warum es ein gesundheitliches Risiko darstellt. Das Körpergewicht ist dann erhöht, wenn mehr Körperfett angesetzt ist, als aufgrund von Statur, Größe und Geschlecht zu erwarten ist. Fett sollte bei Frauen ungefähr 20 bis 27 % ihres Körpergewebes ausmachen, bei Männern etwa 15 bis 22 %. Die Zahl und Größe der Fettzellen beeinflussen das Körpergewicht in entscheidender Weise. Muskelgewebe wiegt mehr als Fettgewebe, und daher ist es möglich, schwerer und zugleich dünner als normal zu sein, wie man es manchmal bei Sportlern findet.

Vorwort6
Inhalt7
Einleitung: Arbeitsgebiete der Gesundheitspsychologie11
1 Theoretische Konstrukte15
Ein Szenario: Die Barriere im Kopf15
Der optimistische Interpretationsstil16
Optimistischer Interpretationsstil und Immunsystem17
Optimistischer Interpretationsstil im Beruf17
Optimistischer Interpretationsstil bei Senioren18
Optimistischer Interpretationsstil sagt Gesundheit vorher19
Optimistischer Interpretationsstil über die Lebensspanne20
Dispositionaler Optimismus21
Selbstwirksamkeitserwartung22
Selbstwirksamkeit und Selbstregulation26
Allgemeine und spezifische Selbstwirksamkeitserwartungen28
Individuelle und kollektive Selbstwirksamkeitserwartungen28
Beeinflussung von Selbstwirksamkeitserwartung29
Diagnose der spezifischen Selbstwirksamkeitserwartung31
Die diagnostische Erfassung von allgemeiner Selbstwirksamkeitserwartung34
Risikowahrnehmung und defensiver Optimismus38
Defensiver und funktionaler Optimismus44
2 Theorien und Modelle des Gesundheitsverhaltens48
Health Belief-Modell49
Theory of Reasoned Action52
Intention und Verhalten53
Einstellung und subjektive Norm55
Überzeugungen57
Das ausführliche Modell59
Theory of Planned Behavior60
Protection Motivation Theory66
Die sozial-kognitive Theorie von Bandura70
Studien zur Raucherentwöhnung und Selbstwirksamkeitserwartung71
Sexuelles Risikoverhalten und Selbstwirksamkeitserwartung76
Schmerztoleranz und Selbstwirksamkeitserwartung77
Gewichtskontrolle, präventive Ernährung und Selbstwirksamkeitserwartung80
Körperliche Aktivität und Selbstwirksamkeitserwartung82
Das Rückfallmodell von Marlatt83
Theoretische Vorstellungen von Abhängigkeit84
Selbstkontrollmodell und Krankheitsmodell86
Phasen bei der Entwöhnung87
Erklärungsmodell des Rückfallprozesses auf der Mikroebene89
Transtheoretical Model (TTM): Stages of Change95
Health Action Process Approach (HAPA): Das sozial-kognitive Prozessmodell gesundheitlichen Handelns99
Der motivationale Prozess: Intentionsbildung100
Der volitionale Prozess: Planung und Realisierung gesundheitsbezogenen Handelns102
Ein Beispiel aus der Forschung: Brustselbstuntersuchung105
Interventionsplanung auf der Basis des HAPA-Modells106
Zusammenfassung zum HAPA-Modell108
3 Verhalten und Krankheitsrisiko110
Verhalten und Krebsrisiko110
Entstehung und Verbreitung von Tumoren111
Rauchen und Krebsrisiko114
Ernährung und Krebsrisiko117
Alkoholkonsum und Krebsrisiko118
Sonnenbestrahlung und Krebsrisiko120
Sexualverhalten und Krebsrisiko121
Sekundäre Prävention: Früherkennung und Krebsrisiko121
Stress, Emotionen und Krebsrisiko125
Kardiovaskuläres Risikoverhalten126
Entstehung und Verbreitung koronarer Herzkrankheiten126
Rauchen und koronares Risiko128
Ernährung und koronares Risiko129
Körperliche Aktivität und koronares Risiko130
Persönlichkeit, Stressbewältigung und Krankheitsrisiko132
Das Typ A-Verhaltensmuster133
Gibt es die »Krebspersönlichkeit«?138
4 Krankheitsverhalten und Stressmanagement146
Krankheitsverhalten147
Symptomwahrnehmung und -interpretation147
Compliance150
Erfassung von Complian