Tinnitus
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Wolfgang Delb, Roberto D'Amelio, Christina Archonti
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Tinnitus
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Hogrefe Verlag Göttingen
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9783840913792
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1
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CHF 32.60
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Klinische Fächer
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German
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245
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Ohrgeräusche sind ein weitverbreitetes Phänomen. Viele Erwachsene fühlen sich durch Tinnitus in ihrem Alltag und Schlaf belästigt und nehmen deshalb ärztlichen und zunehmend auch psychologischen Rat in Anspruch. Das Manual liefert einen detaillierten und praxisorientierten Leitfaden zur kombinierten medizinisch-psychologischen Therapie des Tinnitus. Die insgesamt 12 Einheiten umfassende Therapie basiert auf der Tinnitus-Retrainingtherapie und wird durch eine Gruppenverhaltenstherapie ergänzt.
Das Manual bietet zunächst eine Einführung in die Beschreibung, Klassifikation, Epidemiologie, Ätiologie sowie Diagnostik der Störung. Anschließend wird sowohl das praktische Vorgehen bei der apparativen Versorgung des Patienten, bei den ersten Informationsgesprächen als auch bei der Gruppenverhaltenstherapie beschrieben.
Anhand von Beispielen werden sowohl Hinweise für die praktische Patientenarbeit gegeben als auch Probleme, die in der Therapie auftauchen können, beschrieben. Die Vielzahl der mitgelieferten Therapiematerialien machen das Manual zu einer unentbehrlichen Hilfe für die Praxis.
Kapitel 6
(S. 48)
Therapie des Tinnitus
Beim chronischen Tinnitus wurde eine Vielzahl von Therapieverfahren versucht, ohne daß ihre Wirksamkeit überprüft bzw. nachgewiesen werden konnte (einen Überblick dazu findet man u. a. in Biesinger et al. 1998). Wir möchten im folgenden einige Therapieformen vorstellen, die zur Standardintervention gehören und deren Wirksamkeit hinreichend dokumentiert ist.
Es soll auch ein Überblick über die Therapiemethoden der sog. „Alternativmedizin" gegeben werden, da Patienten oftmals nach dem vermeintlichen Scheitern der gängigen Verfahren, große Hoffnung in naturheilkundliche, homöopathische und esoterische Methoden setzen. Das Wissen über diese Verfahren und deren (Nicht-)Wirksamkeit ist von großer Wichtigkeit, um bei entsprechenden Anfragen z. B. im Counseling, gezielt darauf eingehen zu können.
6.1 Verdeckung und Teilverdeckung des Tinnitus
6.1.1 Umweltgeräusche
Die zunächst naheliegendste therapeutische Möglichkeit ist die Maskierung des Tinnitus durch ein externes Geräusch. Diese therapeutische Option ist bereits seit alters her bekannt und wurde z. B. von Aristoteles in seinem Buch „Problemata physika" beschrieben: „Warum hört das Summen der Ohren auf, wenn jemand ein Geräusch macht? Doch wohl deshalb, weil das größere Geräusch das kleinere vertreibt!" (nach Feldmann 1999) Auch der französische Arzt Itard beschrieb in seinem bereits erwähnten Buch, mehrere Fälle von Tinnitus. Interessant ist folgendes Zitat: „...
Es ist bemerkenswert, daß dieses verschiedene äußere Geräusch, was nothwendig stärker als die krankhafte Wahrnehmung seyn muß, anstatt den Schlaf abzuhalten, wie es das Ohrentönen thut, diesen vielmehr nach und nach herbeiführt und tief und ruhig macht." (nach Feldmann 1999) In Itards Beschreibung werden, ähnlich wie wir dies heute tun, Umweltgeräusche gezielt zur Verdeckung eines Tinnitus eingesetzt. Mögliche zur Verdeckung einzusetztende Geräusche wären dabei Musik, Ventilatorengeräusche, das Plätschern eines Zimmerspringbrunnens und viele in der Umwelt vorkommende Geräusche mehr (s. a. Abschnitt 8.5.1.3).
Wichtig ist, daß die Geräusche, die zur Verdeckung des Tinnitus eingesetzt werden, emotional indifferent sind und von der zentralen Hörbahn leicht herausgefiltert werden können. Bereits durch die Empfehlung solcher Maßnahmen kann man, insbesondere in den Fällen, in denen nur wenig externer Schall zu Tinnitusverdeckung notwendig ist, mitunter eine deutliche Verringerung der Beschwerden erreichen. Wichtig sind diese Maßnahmen vor allem vor dem Einschlafen, da hier die unten zu besprechenden apparativen Maßnahmen wie Rauschgeneratoren (Noiser) oder aber auch Hörgeräte zumeist nicht getragen werden können.
In diesen Situationen ist ein zeitlich programmierbarer Radiowecker oder ein im Schlafzimmer aufgestellter Springbrunnen häufig hilfreich. Die Rücksichtsnahme auf den vom Tinnitus nicht betroffenen Ehepartner, kann die Anwendung möglicher verdeckender Maßnahmen vor dem Einschlafen einschränken. Gleichbleibende, indifferente, mitunter sogar angenehm zu nennende Geräusch wie der im Zimmer aufgestellte Springbrunnen können jedoch oft akzeptiert werden.
6.1.2 Hörgeräte
Etwa 80% der Patienten mit einem Tinnitus haben gleichzeitig eine Hörstörung. Auch sind viele der von den Patienten berichteten Beschwerden nicht primär auf den Tinnitus, sondern vielmehr auf die begleitende Hörstörung zurückzuführen. So wird von Tinnituspatienten immer wieder ein reduziertes Sprachverstehen insbesondere im Gespräch mit mehreren Personen berichtet, wobei die Patienten selbst dies häufig auf den Tinnitus zurückführen. Ein Blick auf das Audiogramm des Patienten identifiziert aber zumeist eine Innenohrschwerhörigkeit als die Ursache dieser Beschwerden. In diesen Fällen kann eine Hörgeräteversorgung bereits über eine Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten des Patienten, eine Reduktion der Beschwerden erreichen. In einer von v. Wedel (1987) veröffentlichten und
Inhaltsverzeichnis
5
Kapitel 1: Historisches zum Tinnitus (W. Delb).
5
Kapitel 2: Epidemiologie (W. Delb) Kapitel 3: Medizinische
5
Grundlagen (W. Delb)
5
Kapitel 4: Psychosoziale Aspekte bei chronischem Tinnitus (C. Archonti)
5
Kapitel 5: Diagnostik des chronischen Tinnitus
5
Kapitel 6: Therapie des Tinnitus (W. Delb)
6
Kapitel 7: Übersicht über bisherige Studien zur Effektivität von psychologischen Verfahren in der Therapie des chronischen Tinnitus
6
(R. D’Amelio)
6
Kapitel 8: Therapeutische Elemente der Tinnitus-Retrainingtherapie
6
(W. Delb, R. D’Amelio)
6
Kapitel 9: Die psychologische Tinnitus-Therapie (PTT) (R. D’Amelio)
6
Kapitel 10: Evaluation der Homburger Tinnitus-Therapie
8
(W. Delb, R. D’Amelio, C. Boisten, C. Archonti)
8
Kapitel 11: Materialien (R. D’Amelio)
8
Literaturverzeichnis
8
Anhang
8
Vorwort
9
Kapitel 1 Historisches zum Tinnitus
10
Kapitel 2 Epidemiologie
12
Kapitel 3 Medizinische Grundlagen
13
3.1 Anatomie und Physiologie des Ohres
13
3.2 Einteilung des Tinnitus
16
3.3. Ursachen des Tinnitus
17
3.3.1 Objektiver Tinnitus
17
3.3.2 Subjektiver Tinnitus
18
3.4 Modellvorstellungen zur Entstehung des chronischen Tinnitus
21
Kapitel 4 Psychosoziale Aspekte bei chronischem Tinnitus
26
4.1 Einleitung
26
4.2 Beschwerden bei dekompensiertem Tinnitus
26
4.2.1 Beeinträchtigungen im Sozialbereich
27
4.2.2 Psychiatrische Komorbidität
28
4.3 Mechanismen der Dekompensation
30
4.3.1 Persönlichkeitsmerkmale
30
4.3.2 Vulnerabilitätsmodell
31
4.3.3 Mangelnde Toleranzentwicklung
32
4.4 Bewältigungsverhalten
34
4.4.1 Kontrollüberzeugungen und Bewältigungsstrategien
35
4.5 Operante Faktoren
36
4.6 Therapeutische Implikationen
37
Kapitel 5 Diagnostik des chronischen Tinnitus
39
5.1 Medizinische Diagnostik
39
5.1.1 Anamnese
39
5.1.2 Befunderhebung
40
5.1.3 Audiologische Untersuchung
41
5.2 Psychologische Diagnostik
44
Kapitel 6 Therapie des Tinnitus
49
6.1 Verdeckung und Teilverdeckung des Tinnitus
49
6.1.1 Umweltgeräusche
49