: Elisabeth Klaus, Clemens Sedmak, Ricarda Drüeke, Gottfried Schweiger
: Elisabeth Klaus, Clemens Sedmak, Ricarda Drüeke, Gottfried Schweiger
: Identität und Inklusion im europäischen Sozialraum
: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
: 9783531925356
: 1
: CHF 37.50
:
: Sonstiges
: German
: 303
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF


Mag. Ricarda Drüeke und Prof. Elisabeth Klaus arbeiten am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg.
Dr. Gottfried Schweiger und Prof. Clemens Sedmak arbeiten am Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg zu Fragen der Sozialphilosophie. Alle vier sind Mitglieder des Salzburg Center for European Union Studies.
Zur Rolle der Medien bei der Konstruktion von Europabildern sozial Benachteiligter unter besonderer Berücksichtigung von Jugendlichen (S. 185-186)

Forschungsstand und konzeptionelleÜberlegungen zur Stärkung von Integrations- und Partizipationsmöglichkeiten

Ingrid Paus-Hasebrink und Christina Ortner

1 Zur Relevanz des Themas


Mit der Entstehung der EU und dem damit verbundenen europäischen Integrationsprozess geht die Hoffnung einher, Europa möge auch die Transformation hin zu einem geeinigten Europa mit einem gemeinsamen Wertesystem (vgl. Heidenreich 2006: 18) gelingen, das heißt, dassüber eine wirtschaftliche und politische Gemeinschaft hinaus ein„emotional begründetes Wir-Gefühl“ (Österreichisches Institut für Jugendforschung 2003: 7) entstehen möge.

Voraussetzung zur Ausbildung eines solchen„Wir-Gefühls“ ist die Wahrnehmung Europas und der EU als eine aktiv mitgetragene und von gemeinsamem Dialog geprägte Staatengemeinschaft, in der sich die Bevölkerung ihrer Mitglieder als eine„lebendige europäische Bürgergesellschaft“ (Tham 2007: 11) versteht.„Die vieler Ortens geforderte aktive europäische Bürgergesellschaft und rege Partizipation in Europa ist gegenwärtig noch weit von den tatsächlichen Möglichkeiten und deren Wahrnehmung in der Bevölkerung entfernt“ (ebd.).

Münch (1999: 105) weist darauf hin, dass die Identifikation mit Europa in entscheidender Weise mit der sozialen Lage zusammenhängt, das heißt abhängig ist von Einkommen, (formaler) Bildung sowie dem beruflichen Status. So betrachtet gestaltet eine Art„europäischer Elite“ (Politiker/innen, Expert/innen, Intellektuelle sowie Manager/innen) den Prozess der Europäischen Einigung (vgl. ebd.: 107; siehe auch Haller 2008). Mit Bourdieu gesprochen scheinen die Ressourcen zur aktiven Partizipation und Integration in der europäischen Bevölkerung ungleich verteilt.

„Der Zugang zu europäischer Identität [ist] auf eine Elite beschränkt, die viel reist, mehrere Sprachen spricht und in professionellen, kulturellen und politischen Netzwerken eingebunden [ist]“ (Österreichisches Institut für Jugendforschung 2003: 7; vgl. Münch 1999). Sozial benachteiligte Menschen reagieren dagegen eher mit Angst bzw. Skeptizismus, wie Daten des Spezial-Eurobarometers 220 ausweisen (vgl. Europäische Kommission 2005); danach nimmt die Unterstützung der Mitgliedschaft in der EU mit der formalen Bildung von Menschen ab. Betrachtet man das Beschäftigungsverhältnis, so zeigt sich, dass der größte Skeptizismus in Bezug auf die EU auf Seiten der Arbeitslosen, der Rentner/innen, der Hausfrauen sowie insgesamt der Arbeiterklasse zu finden ist.

Insbesondere Angehörige sozial benachteiligter Milieus haben im Kontext von Referenden zur europäischenVerfassung und zum Reformvertrag von Lissabon vielfach ihre Skepsis gegenüber dem Einigungsprozess zum Ausdruck gebracht. Hamelink und Hoffmann gehen davon aus,„thatmuch of the Euro-scepsis of European citizens is caused by the experience that they are ,talked to‘ and not ,listened to‘“ (2007: 5). Die Veränderung des Prozesses eines Europas hin zu einem demokratisch legitimierten und durch umfassende Partizipation aller Bevölkerungsgruppen geprägten Gesellschaftsmodell bedarf jedoch der Integration, wenn schon nicht aktiven Partizipation aller Gesellschaftsschichten und Bevölkerungsgruppen (vgl. Vobruba 2005: 8).

Ohne eine verstärkte Partizipation und insbesondere Integration möglichst aller Bevölkerungsgruppen, um dem Verständnis von einer abgehobenen politischen Klasse („die da oben, die uns regieren“) entgegenzuwirken, steht zu befürchten, dass die Distanz zwischen der Politik auf europäischer Ebene, die immer mehr Einfluss bekommt, und den Bürger/innen größer zu werden droht und damit die auf Grund des viel diskutierten demokratischen Defizits der EU ohnehin schon schwache Legitimität der EU noch weiter geschwächt wird.
Inhaltsverzeichnis6
Vorwort8
Einleitung: Probleme von Inklusion, Identifikation und Integration im europäischen Sozialraum9
1 Öffentlichkeit und Partizipation9
2 Migration und Fremdenfeindlichkeit13
3 Soziale Marginalisierung und Prekarisierung16
4 Konstruktionen europäischer Identität19
Literatur23
I Öffentlichkeit und Partizipation24
Identität und mediale Selbstentöffentlichung25
Einleitung25
1 Identität28
2 Medien als ökonomische Güter30
3 Mediale Selbstentöffentlichung32
4 Inklusion und Exklusion34
5 Folgen für die kollektiven Grundlagen des europäischen Sozialraums37
6 Fazit39
Literatur41
Aspekte der Sprachensituation der EU als Aspekte von ,Inklusion‘ und ,Exklusion‘44
Literatur62
Von der Konstruktion europäischer Öffentlichkeiten. Eine theoretische Einordnung der Kommunikations politikvon Parlament und Kommission65
1 Öffentlichkeitsmodelle und die Bedeutung einer gemeinsamen Identität66
2 Die EU-Kommunikationspolitik von Maastricht bis Lissabon69
3 Europäische Öffentlichkeit als „Spiegel“71
4 Inklusion als Kernfrage europäischer Öffentlichkeiten74
5 Fazit76
Literaturverzeichnis78
II Fremdenfeindlichkeit und Migration81
Die Wahrnehmung von Umbrüchen, Ungleichheiten und Unsicherheiten als neue Erklärungsfaktoren der Fremden- und Islamfeindlichkeit in Europa82
1 Problemstellung82
2 Gesellschaftliche Entwicklungsdynamiken84
2.1 Umbrüche85
2.2 Ungleichheiten87
2.3 Unsicherheiten90
3 Individuelle Reaktionen auf divergierende Entwicklungsprozesse93
3.1 Deprivationserfahrungen (Strukturkrisen)94
3.2 Werteverschiebungen (Regulationskrisen)95
3.3 Ingroup-Outgroup-Differenzierungen (Kohäsionskrisen)97
4 Politik und Medien als Antriebskräfte der Fremden- und insbesondere der Islamfeindlichkeit98
5 Fazit: Ein neuer Erklärungsrahmen für die Fremden- und Islamfeindlichkeit in westlichen Gesellschaften102
Literatur104
Inklusion und Exklusion in medialen Identitätsräumen108
1 Einleitung108
2 Vorbemerkungen zum „spatial turn“ in der Kommunikationswissenschaft109
3 Kommunikations- und Medienräume111
3.1 Die Konstruktion geopolitischer Räume112
3.2 Medieninhalte als semiotische Räume114
3.3 Die Entstehung von Zwischen-Räumen119
4 Resümee124
Literaturverzeichnis125
EU-BürgerInnen oder MigrantInnen? EU-BinnenmigrantInnen und die Bestimmung des „eigenen Platzes“ auf der Welt1127
1 Grenzenlose Medien, Grenzen der Identitäten128
2 Forderung nach „medialer Gleichberechtigung“130
3 „Ent-Subjektivierung“2 der Migration133
4 Schlussfolgerungen135
Literatur137
III Soziale Marginalisierung und Prekarisierung139
Inklusion und Exklusion in Europa140
1 Zwei Formen der Exklusion140
2 Identität und eine dritte Form der Exklusion145
3 Inklusion und Gemeinwohl151
Literatur154
Typisch atypisch. Eine anerkennungstheoretische Perspektive158
1 Anerkennung von und in der Arbeit159
2 Atypisierung von Beschäftigung161
3 Gefährdungen169
4 Schluss182
Literatur183
Zur Rolle der Medien bei der Konstruktion von Europabildern sozial Benachteiligter unter besonderer Berücksichtigung von Jugendlichen186
1 Zur Relevanz des Themas186
2 Zur Rolle von Medien im Kontext von Einstellungen und Konstruktionen zu Europa und zur EU189
3 Sozial benachteiligte Gruppen und ihr Umgang mit EU-Themen – Einblicke in empirische Forschungsergebnisse192
3.1 Eine vergleichende Untersuchung zu Deutschland, Österreich und Irland192
3.2 (Sozial benachteiligte) Jugendliche und ihr Blick auf Europa194
3.2.1 Die Europäische Union und Jugendliche in Europa: Was sagen aktuelle Daten?5194
3.2.2 Zum Thema Politik und Europa bei Jugendlichen in Deutschland und Österreich – ein Blick auf ausgewählte Ergebnisse201
3.2.3 Zur Bede