: Andreas Schwarz
: Krisen-PR aus Sicht der Stakeholder Der Einfluss von Ursachen- und Verantwortungszuschreibungen auf die Reputation von Organisationen
: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
: 9783531923956
: 1
: CHF 37.50
:
: Kommunikationswissenschaft
: German
: 289
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF


Andreas Schwarz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau und Geschäftsführer der Internationalen Forschungsgruppe Krisenkommunikation (www.crisis-communication.de)
5 Datenauswertung und Interpretation der Ergebnisse (S. 171-172)

5.1 Beschreibung der experimentellen Stichproben


Im ersten Schritt der Ergebnisdarstellung soll die Zusammensetzung der untersuchten Stichproben beider Versuche dargestellt werden. Damit werden die Resultate der Datenanalyse transparenter und besser bewertbar. Die wesentliche Funktion besteht in der statistischen Beschreibung der einzelnen Samples im Hinblick auf allgemeine soziodemografische Merkmale sowie potenzielle Einflussgrößen auf die abhängigen Variablen und ihre Verteilung in den jeweils acht Experimentalgruppen. Dies kann als ein Kriterium zur Beurteilung der internen Validität der (Quasi)Experimente gelten, da personengebundene Störvariablen durch Schaffungäquivalenter Versuchsgruppen möglichst neutralisiert werden sollten.

5.1.1 Experiment Universitätskrise


Am Experiment nahmen insgesamt 423 Studierende aus acht verschiedenen Studiengängen der Technischen Universität Ilmenau teil. Der Großteil der Teilnehmer war zu diesem Zeitpunkt in die Studienfächer Medienwirtschaft (33%), Biomedizinische Technik (23%) und Angewandte Medienwissenschaft (20%) eingeschrieben. Dieübrigen Versuchspersonen verteilten sichüberwiegend auf ingenieurswissenschaftliche Studiengänge bzw. Informatikstudiengänge.

Im Vergleich der acht Experimentalgruppen wird deutlich, dass die Zuweisung der Teilnehmer per Randomisierung effektiv war, da die Studiengänge zu etwa gleichen Anteilen vertreten waren und damit keine systematischen Verzerrungen auftraten (ksi²(56)=44,39; p=0,87). Damit sollte sichergestellt sein, dass fachspezifisches Vorwissen bzw. Unkenntnis und besondere Affinitäten zum Fach Mechatronik (Stimulus im experimentellen Szenario) in etwa gleich verteilt sind und das Ergebnis der abhängigen Variablen nicht unkontrolliert beeinflussen.

Wie frühere Studien zeigen konnten, haben das Vorwissenüber eine bestimmte Organisation, zum Beispiel im Hinblick auf frühere Krisen, und die damit verbundenen Einstellungen gegenüber der Organisation, Einfluss auf aktuelle Beurteilungen von Krisensituationen durch Stakeholder (Coombs 2004). Daher wurden für dieses Experimentüberwiegend Versuchsteilnehmer ausgewählt, die sich erst kurz vor Beginn der Untersuchung an der TU Ilmenau immatrikuliert hatten.

Die meisten Studenten (94%) begannen ihr Studium im Oktober des Jahres 2008, also knapp zwei Wochen vor der Durchführung des Experiments (Erhebungszeitraum 14.-22.10.08). Dieübrigen Teilnehmer begannen ihr Studium an der TU Ilmenau ein Jahr zuvor (3%) oder früher (3%). Damit kann angenommen werden, dass das Vorwissenüber die Universität bzw. die eigenen persönlichen Erfahrungen mit der Organisation zu diesem Zeitpunkt auf einem durchschnittlichähnlichen und eher geringen Niveau lagen. Auch die zufällige Verteilung der Studiendauer in Ilmenau auf die Versuchsgruppen kann als unproblematisch eingestuft werden, da jeweils zwischen 90% und 96% der Personen aus dem ersten Studiensemester stammten.

Neben diesen für die Untersuchung relevanten Einflussvariablen wurden Alter und Geschlecht der Studierenden kontrolliert. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 20 Jahre alt (17 bis 32; s=2,03). Esüberwog geringfügig der Anteil der männlichen (53%) gegenüber den weiblichen Studierenden (47%). Auch hier führte die randomisierte Gruppenzuweisung der Versuchspersonen zu zufriedenstellenden Ergebnissen. Weder im Hinblick auf das durchschnittliche Alter noch die Verteilung der Geschlechter ergaben sich systematische Verzerrungen (vgl. Tabelle 16).

Darüber hinaus kann die formale Bildung durchaus Einfluss auf die Untersuchungsergebnisse haben, da zum Beispiel der Lesefluss, das Textverständnis, logisches Denkvermögen oder Gedächtnisleistungen in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Da in diese Teilstudie jedoch ausschließlich Studenten einbezogen wurden, kann diese Variable alsüber alle Versuchsgruppen hinweg konstant eingestuft werden. Dies bedeutet freilich nicht, dass der formale Bildungsgrad ein verlässlicher Indikator für Intelligenz bzw. die oben genannten Fähigkeiten ist.
Danksagung6
Inhaltsverzeichnis7
Abkürzungsverzeichnis11
1 Einführung12
1.1 Problemstellung und wissenschaftliche Relevanz von Krisenkommunikation13
1.2 Zur Notwendigkeit rezeptionsorientierter Perspektiven in der PR-Forschung15
1.3 Untersuchungsziele und Gang der Arbeit17
2 Begrifflich-theoretische Grundlagen und Forschungsstand21
2.1 Zum Theoriebestand der PR-Forschung: Zu spät, zu wenig, zu einseitig?21
2.1.1 Gesellschaftsorientierte systemtheoretische PR-Theorien23
2.1.2 Organisationsbezogene systemtheoretische Public Relations-Theorien26
2.1.2.1 PR als ‚Konstruktion wünschenswerter Wirklichkeiten’26
2.1.2.2 PR als organisationales Subsystem: Legitimation durch PR27
2.1.3 Organisationstheoretisch-integrative Ansätze der Public Relations: PR als organisationale Kommunikationsfunktion30
2.1.3.1 Das organisationssoziologische Verständnis von Public Relations30
2.1.3.2 Die strukturationstheoretisch begründete PR-Theorie31
2.1.4 Zwischenfazit: Theoriebildung in der PR-Forschung34
2.2 Die Verortung von Public Relations in der Gesellschaft35
2.3 Akteur-Struktur-Dynamiken als sozialtheoretischer Bezugsrahmen für Public Relations42
2.3.1 Zur Überwindung der Kontradiktion von akteur- und systembezogenen Theorieperspektiven in der PR-Forschung42
2.3.2 Akteur-Struktur-Dynamiken44
2.3.3 Public Relations im Kontext handelnden Zusammenwirkens in Beobachtungs-, Beeinflussungs- und Verhandlungskonstellationen und gesellschaftlicher Strukturierung47
2.3.3.1 Public Relations in der Organisationsgesellschaft47
2.3.3.2 Public Relations im Kontext formaler Organisationen und Akteurkonstellationen49
2.4 Sozialwissenschaftliche Krisenforschung53
2.4.1 Krisenkonzepte: Eine wissenschaftshistorische Annäherung55
2.4.2 Die psychologische Krisenforschung58
2.4.3 Organisations- und Unternehmenskrisen65
2.4.3.1 Betriebswirtschaftliche Beschreibungen der Unternehmenskrise66
2.4.3.2 Organisationskrisen aus interdisziplinärer Sicht69
2.4.4 Zwischenfazit: Organisationskrisen als beobachterabhängige und sozial konstruierte Zuschreibungen72
2.5 Public Relations im Kontext von Organisationskrisen: Ansätze, Befunde und Perspektiven der Forschung78
2.5.1 Die institutionelle Perspektive79
2.5.2 Die instrumentelle Perspektive81
2.5.3 Die symbolisch-relationale Perspektive83
2.5.4 Zwischenfazit: Status quo und Forschungsbedarf84
3 Kovariationsbasierte Kausalattributionen in Krisensituationen: Grundzüge eines rezeptionsorientierten Ansatzes der organisationsbezogenen Krisenkommunikation87
3.1 Kovariationsbasierte Attributionstheorien in der sozialpsychologischen Forschung87
3.1.1 Die Wahrnehmung von Kausalbeziehungen als laienhafte Alltagspsychologie88
3.1.2 Das Kovariationsprinzip von Kelley89
3.1.3 Empirische Überprüfung und konzeptionelle Weiterentwicklungen des Kovariationsprinzips92
3.1.3.1 Das Logische Modell der intuitiven Varianzanalyse94
3.1.3.2 Das Diamantenmodell95
3.1.3.3 Das ANOVA-Modell97
3.2 Attributionstheoretisch geleitete Ansätze der Krisen-PR: Annahmen und Befunde zur Theorie situationsbezogener Krisenkommunikation (SCCT)99
3.3 Grundriss eines kovariationsbasierten und stakeholderorientierten Ansatzes der organisationsbezogenen Krisenkommunikation: Prämissen und forschungsleitende Annahmen106
3.3.1 Personen- und Organisationswahrnehmung107
3.3.2 Organisationskrisen als Auslöser von ‚naiven‘ Kausalanalysen108
3.3.3 Multiple Beobachtungen und Informationssuche von Stakeholdern im Krisenkontext110
3.3.4 Der Einfluss von Kovariationsinformationen auf organisationsbezogene Ursachenzuschreibungen von Stakeholdern im Krisenkontext117
3.3.5 Der Zusammenhang zwischen Kausal- und Verantwortungsattribution122
3.3.6 Der Einfluss von krisenbedingten Verantwortungsattributionen auf die Reputation von Organisationen124
3.3.7 Implikationen für das strategische Management der Organisationskommunikation durch Public Relations129
3.3.8 Zwischenfazit: Ein forschungsleitendes Modell zur Untersuchung130
4 Experimentelle Untersuchung kovariationsbasierter Kausal- und Verantwortungsattributionen in Krisensituationen133
4.1 Forschungsziele und Forschungsfragen133
4.2 Experimentelle Forschungsdesigns: Aspekte der Kausalität und Validität133
4.3 Ableitung überprüfbarer Hypothesen140
4.3.1 Der Einfluss von Involvement, Problembewusstsein, Restriktionsempfinden und Attributionsbedürfnis auf die intendierte Informationssuche140
4.3.2 Der Einfluss von Kovariationsinformationsdimensionen auf Kausalattributionen140
4.3.2.1 Hypothesen über die Haupteffekte von Konsens, Distinktheit und Konsistenz141
4.3.2.2 Hypothesen über die Effekte von Kovariationsinformationskonfigurationen aus Konsens, Distinktheit und Konsistenz143
4.3.3 Der Einfluss von Kausal- auf Verantwortungsattributionen145
4.3.4 Der Einfluss von Verantwortungsattributionen im Krisenkontext auf organisationsbezogene Einstellungen147
4.4 Anlage der Untersuchung148
4.4.1 Versuchspläne150
4.4.2 Stimulusmaterial und Operationalisierung der Treatment-Variablen152
4.4.2.1 Experiment Universitätskrise152
4.4.2.2 Experiment EnWind-Krise154
4.4.3 Untersuchungsinstrument und Operationalisierung157
4.4.3.1 Experiment Universitätskrise158