Klärungsorientierte Paartherapie
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Rainer Sachse, Janine Breil, Jana Fasbender
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Klärungsorientierte Paartherapie
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Hogrefe Verlag GmbH& Co. KG
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9783840924910
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1
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CHF 24.40
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Psychologie
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German
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204
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Wasserzeichen/DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Das Buch behandelt die »Klärungsorientierte Paartherapie«: Konzept dieser Therapieform ist die Entwicklung des gegenseitigen Verstehens, des Verstehens von spezifischen »Paarschemata« und von relevanten biografischen Schemata, um so eine tiefere gegenseitige Empathie zu ermöglichen. Auf dieser Grundlage kann das Paar Bedürfnisse und Probleme besser kommunizieren und Kompromisse verhandeln. In der ersten Phase der Therapie geht es darum, aktuelle Konflikte zu klären und durch das Aktivieren von Ressourcen und das Anregen konstruktiven Verhandelns Einigung herbeizuführen, die die Beziehungsqualität aktuell verbessert. Auf der Basis dieser Verbesserung sollen dann systematische Übungen zu gegenseitigem Verstehen angeleitet werden, die die gegenseitige Empathie, das Entgegenkommen, die Bereitschaft zu vergeben und die Fähigkeit, konstruktiv an Kompromissen zu arbeiten, signifikant steigern. Auf besondere Probleme in der Paartherapie wird eingegangen. Das therapeutische Vorgehen wird beispielhaft anhand von Transkripten illustriert.
Ein Modell, das solche Interaktionsprozesse unseres Erachtens nach besonders gut und einfach abbildet, ist das Modell „gekoppelter Schemata“. Ein „Schema“ wird dabei verstanden als eine kognitive Struktur, die sich durch Erfahrung (und durch Schlussfolgerungen daraus) bildet und die, wenn sie durch entsprechende Situationen aktiviert („getriggert“) wird, die aktuelle Informationsverarbeitung und Handlungsregulation hochgradig steuert (siehe Sachse et al., 2008).
Der Aspekt der Schemata, die Klienten in die Beziehung mitbringen (die biographischen Schemata) und der Schemata, die sich im Laufe der Beziehung durch Interaktion ausbilden (die „Partner-Schemata“), sind für uns von besonderer Bedeutung. Daher wollen wir auf diese Aspekte noch etwas genauer eingehen.
Jeder Mensch bildet in seiner Biographie Schemata aus: Viele davon sind positiv und nützlich, einige davon sind jedoch problematisch. So kann man z.B. ein Schema ausbilden der Art „ich bin ein Versager“, das einem in Leistungssituationen viele Probleme bereiten kann oder ein Schema „ich bin nicht wichtig“, das sich in Beziehungen unmittelbar als problematisch erweisen kann (vgl. Atkinson, 2005; Atkinson et al., 2005; Sachse, 1992a, 2003a, 2004a, 2006c, 2008a; Sachse et al., 2008, 2009a, 2009b).
Schemata bilden sich in der Biographie gewissermaßen als „Verdichtungen“ von Erfahrungen. Hat man erst einmal ein Schema erworben, dann
• wird dieses durch auslösende Situationen schnell und automatisch aktiviert (wir sprechen von „triggern“)
• und wenn es aktiviert ist, dann steuert es in hohem Maße die aktuelle Informations verarbeitung und Handlung einer Person.
Hat eine Person ein Schema der Art „ich bin nicht wichtig“, dann wird das Schema schon aktiviert, wenn der Partner einmal nicht zuhört: Dann hat die Person sehr schnell Gedanken wie „ich bin ihm nicht wichtig“, „ich spiele in seinem Leben keine Rolle“ etc. Die Folge davon sind unter Umständen Traurigkeit, Enttäuschung, vielleicht aber auch „Eingeschnapptsein“ o.a. Wir nennen solche Reaktionen „hyperallergisch“, durch kleine Anlässe (er hört einmal nicht zu, vielleicht aus Gründen, die mit der Beziehung gar nichts zu tun haben) werden starke Reaktionen ausgelöst (sie reagiert mit massiven Zweifeln, Traurigkeit, Beleidi
Inhalt
7
1 Einleitung: Das Vorhaben
11
2 Grundlegende Begrifflichkeiten
14
3 Die Grundlagen von Paartherapie
17
3.1 Die Probleme der Definition
17
3.2 Was ist eine Beziehung?
18
3.3 Was ist Interaktion?
19
3.4 Was macht eine gute Beziehung aus?
24
3.5 Was macht eine problematische Beziehung aus?
25
3.6 Was heißt das fu¨r eine Paartherapie?
27
3.7 Paartherapie: Ein dynamischer und komplexer Prozess
28
4 Zentrale Problembereiche in Partnerschaften
31
4.1 Reziprozität
32
4.2 Kompromissbereitschaft
33
4.3 Kommunikation
36
4.4 Beziehungsmotive
39
4.5 Schemata
43
4.6 Macht und Status
47
4.7 Bereitschaft zum Verzeihen
49
4.8 Zuneigung, Zärtlichkeit und Sexualität
50
4.9 Getroffene Vereinbarungen
52
4.10 Gemeinsamkeiten
53
4.11 Streitkultur
54
5 Grundlegende Aspekte der Paartherapie
56
5.1 Ziele der Paartherapie
56
5.2 Indikation zur Paartherapie
56
5.3 Zugang zur Paartherapie
57
5.4 Ein oder zwei Therapeuten
58
5.5 Kommunikationsachsen
59
6 Therapeutischer Umgang mit schwierigen Interaktionssituationen
60
6.1 Grundideen
60
6.2 Beziehungskredit
63
6.3 Interventionen aus der Klärungsorientierten Psychotherapie
63
6.4 Das Anleiten von Klärungsprozessen
64
6.5 Modellbildung
65
6.6 Steuerung des Interaktionsverhaltens
66
6.7 Einfu¨hren von Regeln
67
6.8 Moderatorfunktion des Therapeuten
68
6.9 Einbringen von Experten-Wissen
69
6.10 Unterbrechen und Transparentmachen von Hochschaukelungsprozessen
70
6.11 Einstellungen und Kompetenzen des Therapeuten
71
7 Prinzipien und Regeln der Paartherapie
74
7.1 Prinzipien
74
7.2 Regeln
76
8 Ablauf einer Klärungsorientierten Paartherapie
80
8.1 Prozessziele
80
8.2 Therapiephasen
81
9 Phase 1: Einzelsitzungen
84
10 Phase 2: Erarbeitung der Problemliste
87
10.1 Das therapeutische Vorgehen
87
10.2 Therapeutisches Beispiel fu¨r Phase 2
89
11 Phase 3: Bearbeitung aktueller Konflikte und Probleme
96
11.1 Die Ausgangssituation und Ziele der Phase 3
96
11.2 Das therapeutische Vorgehen
99
11.3 Therapeutische Interventionen in Phase 3
100
11.4 Therapeutisches Beispiel fu¨r Phase 3
113
11.5 Reflexion des Beispiels
133
11.6 Ein spezielles Thema vor allem in Phase 3: Trennung
139
12 Phase 4: Verstehenstraining/Vertieftes Verständnis
140
12.1 Zielsetzung
140
12.2 Das therapeutische Vorgehen
141
12.3 Implikationen
145
12.4 Therapeutisches Beispiel fu¨r Phase 4
146
13 Phase 5: Klären biographischer Schemata
158
13.1 Ziele des Vorgehens
158
13.2 Das therapeutische Vorgehen
160
13.3 Illustration an einem Transkript
161
14 Besondere Fragen der Paartherapie
182
14.1 Der Abschluss der Therapie
182
14.2 Unkooperative Partner
182
14.3 Gewalt in der Partnerschaft
184
15 Psychotherapie mit homosexuellen Paaren
185
15.1 Grundsätzliches zur Psychotherapie mit homosexuellen Klienten
185
15.2 Der Einfluss des Minoritätsstresses
186
15.3 Ausmaß und Umgang mit internalisierter Homosexualität
189
15.4 Gestaltung von Sexualität im Rahmen des Risikos sexuell u¨bertragbarer Infektionen
191
15.5 Empfehlungen
193
Literatur
194