Wie die Würde gedeiht Pflanzen in der Bioethik
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Sabine Odparlik
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Wie die Würde gedeiht Pflanzen in der Bioethik
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Herbert Utz Verlag
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9783831608188
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1
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CHF 24.80
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Naturwissenschaft
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German
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315
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DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
»Lass das!«, rufen Eltern ihrem Kind zu, wenn es beim gemeinsamen Spaziergang Pflanzen zerstört, sie zertritt oder mit dem Stock zerschlägt. »Schade eigentlich«, finden Menschen, wenn ein Baum gefällt wird. Möglicherweise gibt es eine moralische Intuition, die Pflanzen einschließt. Doch scheint sie nicht sehr weit zu gehen, denn trotz unseres täglichen zerstörerischen Umgangs mit pflanzlichen Lebewesen wird ihr Schutz – sofern sie überhaupt in den Fokus bioethischer Überlegungen rücken – üblicherweise nicht um ihrer selbst willen gefordert. Seit der Einführung des Begriffs »Würde der Kreatur« scheint der Einzug der Pflanzen in die ethischen Debatten unausweichlich. Es wurden Stimmen laut, die behaupten, Eingriffe in das Genom von Pflanzen verstoßen gegen deren Würde. Was genau ist das Schutzgut bei einer »Würde von Pflanzen« und welche Handlungen an Pflanzen stehen demzufolge auf dem Prüfstand? Viele solcher Fragen werden in diesem Band von Vertretern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen erörtert. Erste gemeinsame Ergebnisse zeichnen sich ab und wichtige Fragen für die Weiterführung der Debatte werden herausgestellt.
Von der Seinsordnung zur Wertordnung? Prolegomena zur »Würde« der Pflanzen
(Seite 11)
Hans Werner Ingensiep
Einführung
Prolegomena zur »Würde« der Pflanzen sind notwendig, um den Rahmen vor Augen zu führen, in welchem »phytologische« Fragen in der Philosophie angegangen werden können – ob nun theoretische oder praktische, ob im systematischen oder historischen Zugang. Die theoretische Schlüsselfrage im Hauptteil wird in Analogie zu Kants »anthropologischer« Kernfrage lauten: Was ist die Pflanze? Differenzierter formuliert: Welche Stellung wurde der Pflanze im Seinsgefüge der Natur zugesprochen? Oder konkreter: Welche Hierarchie besteht in der Seinsordnung zwischen Pflanzen, Tier und Mensch? Diese teils metaphysischen bzw. ontologischen Analysen führen auf kritische, epistemologische Fragen: Worin besteht die Identität der Pflanze? Kurz: Was kann ich – als menschliches Subjekt – von Pflanzen wissen? Weiterhin ist zu beachten: Aus welcher Perspektive erfolgte und erfolgt die Rede über die Identität und Hierarchie im Hinblick auf Pflanzen? Die vielfältigen Antworten auf die Grundfragen zur Identität und Hierarchie im Organischen in der abendländischen Philosophie und Biologie wurden in der »Geschichte der Pflanzenseele«1 bearbeitet, woraus einige exemplarische Thesen und Positionen vorgestellt werden. Sie sollen für eine kritische, ethische Diskussion der »Würde« der Pflanze bzw. ihrer Stellung in einer Wertordnung fruchtbar gemacht werden.
Mit Pflanzen hatte der klassische, auf Autonomie basierende Idealismus in der Ethik (z.B. Kant) nichts im Sinn. Moderne Ethiker2 argumentieren utilitaristisch, pathozentrisch oder neurozentrisch, so dass zwar Tiere, aber nicht Pflanzen für einen »moralischen Status « in den Blick kommen, außer in biozentrischen bzw. holistischen Umweltethiken (z.B. bei Altner, Meyer-Abich). Doch die neurozentrischen Positionen dominieren. Demnach können nicht nur Pflanzen ohne ZNS, sondern auch Menschen in bestimmten Lebensphasen den Anspruch auf ethische Berücksichtigung verlieren, z.B. als PVSPatienten, die in ethischer Sicht – wenn sie denn wirklich wegen fehlender neuronaler Aktivität bewusstseins- und empfi ndungslos sind – quasi auf die Stufe der Pflanze hinabsinken. Die Alltagssprache hält dafür in Analogie zur Daseinsweise der Pflanzen den Ausdruck »Vegetieren« bereit, woran in der populärwissenschaftlichen Terminologie der anglophonen Bioethik der Ausdruck human vegetables anknüpft.3 Diese merkwürdige Parallele ist in ontologischer und ethischer Hinsicht aufschlussreich und wird noch exemplarisch analysiert werden. Im Hinblick auf moderne neurozentrische Zugänge in der Ethik ist auch ein aktueller Versuch in der wissenschaftlichen Botanik zu beleuchten, der Pflanzen mittels »Plant Neurobiology« gleichsam ein tierisches Leben einhauchen möchte. Wo liegt hier das Problem? Handelt es sich bereits auf ontologischer und epistemologischer Ebene um einen problematischen Versuch, die Identität der Pflanze zu erfassen? Analysen dieser Art müssen auch die evolutionäre Perspektive einbeziehen, daher die Frage: Welche Lehren können aus der Evolutionstheorie im Hinblick auf die Charakterisierung von Pflanze und Tier gezogen werden?
Sabine Odparlik, geb. 1975, Studium der Biologie und Humanbiologie an den Universitäten Halle und Greifswald, 2004 Diplom, seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bereich Ethik in den Wissenschaften der Universität Jena.
Vorwort
8
Inhaltsverzeichnis
16
Von der Seinsordnung zur Wertordnung? Prolegomena zur »Würde« der Pflanzen
18
Wozu brauchen Pflanzen Würde? – Eine Anfrage aus Kantischer Perspektive
46
Vitalismus oder Lebensphilosophie? Die Pflanze in differenten Diskurskontexten
68
Auf dem Weg in eine postsäkulare Metaphysik oder: Der 17. Mai 1992 als Schlüsseldatum90
92
Pflanzenbiochemie und Pflanzengenetik: Faszinierend – aber eine Würde für Pflanzen ergibt sich daraus nicht
118
Die Stufen des Ethischen und die Pflanze
142
Würde als Grenzbegriff. Erläutert am Beispiel der Würde der Pflanze
168
Die Würde der Pflanze zwischen Gleichheit und Andersartigkeit
190
Grüne Gentechnik – ein Bewertungsmodell
210
Welche Anwendungen der grünen Gentechnik tragen zum kulturellen Fortschritt bei?
230
Die grüne Gentechnik im Fokus der Technikfolgenabschätzung
250
Die Individualität von Pflanzen im Kontext der Diskussion um die Würde der Kreatur
282
Autorinnen und Autoren
310