: Matthias Wallisch
: Der informelle Beteiligungskapitalmarkt in Deutschland Rahmenbedingungen, Netzwerke und räumliche Investitionsmuster
: Herbert Utz Verlag
: 9783831608751
: 1
: CHF 27.50
:
: Wirtschaft
: German
: 281
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Vermögende Privatpersonen unterstützen als Business Angels vor allem junge Unternehmen mit Kapital und Wissen in ihren Geschäftsvorhaben. Das Handlungssegment dieser Investorengruppe wird als informeller Beteiligungskapitalmarkt bezeichnet. Vorliegende Arbeit untersucht die Aktivitäten von Business Angels in Deutschland vor dem Hintergrund institutioneller Rahmenbedingungen. Die erfolgreiche Organisation von Investments erfordert vielfältige Kooperationsbeziehungen und ist durch eine ausgeprägte soziale Einbettung der Akteure gekennzeichnet. Der schnelle Zugriff auf hochspezifisches Know-how sowie die Entwicklung von Vertrauen und Reputation erweisen sich als wichtige Einflussgrößen. Quantitative und qualitative Analysen verdeutlichen die Bedeutung von Business Angels-Netzwerken und Venture Capital-Gesellschaften im Rahmen des Beteiligungsprozesses und zeigen Chancen und Konfliktfelder auf. Darüber hinaus erfolgt eine detaillierte Darlegung geographischer Strukturen des informellen Beteiligungskapitalmarktes in Deutschland. Aufgrund ausgeprägter regionaler Unterschiede ergeben sich handlungsrelevante Implikationen sowohl aus Sicht der Angel-Investoren als auch für die politische Förderung.
1 EINLEITUNG (Seite 1)

Die kontinuierliche Schaffung von Innovationen gilt als wichtige Quelle ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung (vgl. Mensch 1975). Umfassenden Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmensgründungen kommt in diesem Zusammenhang eine tragende Bedeutung zu. In der unternehmerischen Realität ergeben sich bei der Suche nach Kapitalquellen jedoch oftmals Probleme. Die frühen Phasen des Wachstums einer neuen Firma sind häufig von einer hohen Unsicherheit hinsichtlich des zukünftigen Markterfolges gekennzeichnet (vgl. Baltzer 2000). Die Bereitstellung von Venture Capital (VC) erfolgt zu diesem frühen Zeitpunkt der Unternehmensentwicklung nur selten durch institutionelle Investoren. Stattdessen übernehmen Business Angels eine wichtige Rolle im Rahmen der Frühphasenfinanzierung und fördern hierdurch die Entstehung radikaler Innovationen (vgl. Wetzel 1983, Mason/Harrison 1992, van Osnabrugge 1998, Coveney/Moore 1998).
In den USA hat sich dieser informelle Bereich des Kapitalmarktes bereits in den 1970er und 1980er Jahren erfolgreich etabliert, während die Entwicklung in Deutschland noch ein relativ junges Phänomen darstellt. Erst seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre treten hierzulande wiederholt Business Angels als Kapital- und Wissensgeber in Erscheinung. Trotz seiner jungen Entwicklungsphase wird dem informellen Beteiligungskapitalmarkt ein großes Potenzial zur Förderung von Unternehmensgründungen und Innovationen zugeschrieben (vgl. Nittka 2000). Bisherige Studien konzentrieren sich vor allem auf vertragliche und ökonomische Aspekte des Beteiligungsprozesses (vgl. Schütz 2004, Brettel 2004, Bomholt 2006). Über den Einfluss sozialer Beziehungsmechanismen wie Vertrauen und Reputation liegen bislang nur vereinzelte Kenntnisse vor (vgl. Stuart et al. 2007, Raueiser 2007). Analysen zur geographischen Struktur von Beteiligungsunternehmen und der Bedeutung des räumlichen Umfelds für das Investitionsverhalten fehlen gänzlich. In der vorliegenden Arbeit werden die Aktivitäten von Business Angels daher in einem institutionellen Kontext betrachtet, um die vorhandenen Forschungslücken zu verkleinern.
Matthias Wallisch, geboren 1975, Ausbildung zum Bankkaufmann, Studium der Wirtschaftsgeographie, Betriebswirtschaftslehre und interkulturellen Kommunikation so-wie der betriebswirtschaftlichen Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Abschluss zum Dipl. Geogr. 2003, zum Master of Business Research 2006. Promotion zum Dr. oec. publ. 2009. Von 2003 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie der Universität München bei Prof. Dr. Hans-Dieter Haas. Weitere Veröffentlichungen in den Bereichen regionale Cluster-Entwicklung und betriebliche Standortbewertung sowie zu regionalökonomischen Ausstrahlungseffekten internationaler Flughäfen.
GELEITWORT DES HERAUSGEBERS6
VORWORT UND DANK8
INHALT10
ABBILDUNGSVERZEICHNIS14
TABELLENVERZEICHNIS15
KARTENVERZEICHNIS16
1 EINLEITUNG18
1.1 Innovationen und informelles Beteiligungskapital18
1.2 Innovations-, Gründungs- und Kapitalmarktforschung in der Wirtschaftsgeographie21
1.3 Ziel und Aufbau der Arbeit27
2 CHARAKTERISTISCHE MERKMALE DES INFORMELLEN BETEILIGUNGSKAPITALMARKTS30
2.1 Privatpersonen als Finanziers und Unterstützer junger Unternehmen30
2.2 Der idealtypische Beteiligungsprozess41
2.3 Die Größe des informellen Beteiligungskapitalmarktes in Deutschland – Eine Annäherung49
3 DIE INSTITUTIONELLE PERSPEKTIVE ALS GRUNDLAGE FÜR DIE ANALYSE VON FINANZSYSTEMEN58
3.1 Das institutionalistische Forschungsprogramm in der Wirtschaftsgeographie58
3.2 Das Finanzsystem aus neoklassischer und institutioneller Perspektive67
3.3 Das Projekt- und Verhaltensrisiko bei der Finanzierung innovativer Unternehmensgründungen70
4 DIE ARENA INFORMELLER BETEILIGUNGKAPITALMÄRKTE: NETZWERKE, SOZIALKAPITAL UND REGIONALE CLUSTER76
4.1 Sozioökonomische Netwerke im Gründungs- und Finanzierungsprozess76
4.2 Sozialkapital und Wissen im Beteiligungsprozess86
4.3 Unternehmensgründungen und Finanzierungsprozesse im Cluster-Kontext94
4.4 Herleitung von Forschungsfragen104
5 METHODISCHE KONZEPTION DER UNTERSUCHUNG109
5.1 Analysemodell und Triangulation109
5.2 Quantitative Erhebung111
5.3 Qualitative Erhebung116
5.4 Sekundärstatistische Daten119
5.5 Auswertungsmethoden120
6 INSTITUTIONELLE RAHMENBEDINGUNGEN FÜR DIE FRÜHPHASENFINANZIERUNG IN DEUTSCHLAND123
6.1 Technologiepolitik und öffentliche Förderinfrastruktur123
6.2 Abgrenzung und Funktionen von Finanzsystemen130
6.3 Banken- und kapitalmarktorientierte Finanzsysteme im Vergleich132
6.4 Nationale Finanzsysteme in einem globalisierten und volatilen Marktumfeld136
6.5 Dezentrale Strukturen im deutschen Finanzsystem139
6.6 Exkurs: Zur Gründungs- und Finanzierungskultur in Deutschland144
7 FUNKTIONEN VON BUSINESS ANGELS-NETZWERKEN UND DEREN BEDEUTUNG IM BETEILIGUNGSPROZESS148
7.1 Entwicklung und Struktur von Business Angels-Netzwerken in Deutschland148
7.2 Koordinationsmechanismen von Angebot und Nachfrage152
7.3 Räumliche Einzugsgebiete von Business Angels-Netzwerken162
7.4 Implikationen für die erfolgreiche Ausrichtung von Business Angels-Netzwerken168
8 DAS AKTEURSSYSTEM DES INFORMELLEN BETEILIGUNGSKAPITALMARKTS IN RÄUMLICHER PERSPEKTIVE172
8.1 Konfiguration von Netzwerkbeziehungen172
8.2 Räumliche Muster von Business Angel-Investments197
8.3 Ansätze zur Integration informeller und formeller Marktsegmente210
9 ZUR RÄUMLICHEN ORGANISATION DES INFORMELLEN BETEILIGUNGSKAPITALMARKTS IN DEUTSCHLAND229
9.1 Business Angels als renditeorientierte Investoren und der Return on Location229
9.2 Die Bedeutung geographischer Nähe im Beteiligungsprozess und Möglichkeiten der Substitution233
9.3 Die funktionale und räumliche Fragmentierung der financial value chain235
9.4 Die räumliche Konstellation von Beteiligungs- und Gründungsprozessen als Ansatzpunkte für weitere Forschungsaktivitäten239
LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS243
ANHANG271