: Annegret Heitmann
: Herman-Bang-Studien Neue Texte – neue Kontexte
: Herbert Utz Verlag
: 9783831608454
: 1
: CHF 24.80
:
: Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft
: German
: 339
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Herman Bang (1857–1912) ist einer der wichtigsten und meistübersetzten dänischen Autoren der frühen Moderne, der»wundervolle Sachen« geschrieben hat, wie Thomas Mann formulierte. Dieser erste deutschsprachige Aufsatzband zu seinem Werk geht auf ein internationales Symposium zurück, das 2007 anlässlich des 150. Geburtstages von Bang an der Ludwig-Maximilians-Universit& uml;t München abgehalten wurde. Die Beiträger aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden undÖsterreich beleuchten nicht nur das in Dänemark längst kanonisierte Werk aus neuen methodologischen Perspektiven, sondern beziehen auch bislang unterbewertete oder gar unbekannte Texte in ihre Analysen ein. Mit dänischen Zusammenfassungen.

Der›deutsche‹ Herman Bang (Seite 18)

Wie ist das Bangsche Werk nun im deutschsprachigen Raum gelesen worden? Da eine ausführliche Untersuchung der Rezeptions Bangs ein Forschungsdesiderat ist, sollen im Folgenden nur die wichtigsten Entwicklungen skizziert werden. Die früheste Rezeption zu Lebzeiten Bangs war grundlegend einerseits durch die Verspätung derÜbersetzungen, andererseits durch ihre abweichende Reihenfolge im Verhältnis zu den dänischen Originalen geprägt. Fischer versuchte ganz offensichtlich, den deutschen Markt nicht mit Bang zu›übersättigen‹, und brachteÜbersetzungen daher nur zögerlich und in einer Reihenfolge heraus, von der er sich am ehesten einen verlegerischen Erfolg versprach. So erschienen z. B. Ved Vejen und Ludvigsbakke mit einer Verspätung von zwölf Jahren, Tine von dreizehn, Sommerglæder (1901, Sommerfreuden, 1915 und später) von vierzehn, dieüberarbeitete zweite Ausgabe von Haabløse Slægter (1884, Hoffnungslose Geschlechter, 1900) von sechzehn, Stuk sogar mit einer Verspätung von zweiundzwanzig Jahren. Das parallel zum deutschen Durchbruch erscheinende Spätwerk Bangs kam im Regelfall allerdings schneller in deutscherÜbersetzung heraus: die Erzählsammlung Liv og Død (1899, Leben und Tod, 1901) ebenso wie Mikaël schon nach zwei Jahren, Det hvide Hus (1898, Das weiße Haus, 1902 und später) sowie Sælsomme Fortællinger nach vier und De uden Fædreland– nach sechs Jahren im Todesjahr Bangs. Es mag ein Grund für den im Vergleich mit der dänischen Rezeption relativ großen Erfolg des Spätwerks sein, dass es noch in seinem zeitlichen Entstehungskontext rezipiert werden konnte. Dass auf Michael 1906 zwei Jahre später Ludwigshöhe und 1909 dann Das graue Haus sowie Zusammenbruch folgten, dürfte die Einordnung des Bangschen Werkes bei Rezipienten, die nicht des Dänischen mächtig und nicht mit der dänischen Publikationsgeschichte vertraut waren, kaum erleichtert haben.

Annegret Heitmann, geb. 1952. Professorin für Nordische Philologie an der Universität München. Forschungsschwerpunkte u. a. skandinavische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, gender studies, Text-Bild-Bezüge. Veröffentlichungen u. a. über dänische Frauenautobiographik (1994) und Ästhetik der skandinavischen Moderne (1998).
Inhalt6
Vorwort8
Zur Einführung: Geschichte und Perspektiven der deutschen wie internationalen Herman Bang-Rezeption und -Forschung10
Herman Bang und die Karikatur48
Das Geheimnis des Feuilletonisten. Konzeptualisierungen sozialer Mobilität in Herman Bangs Vekslende Themaer (1879–1884)78
»Sonst gibt es hier nichts zu schreiben« – Text und Paratext in Herman Bangs Briefen120
Was er nicht sagte – darüber schrieb er Aphorismen. Oder: Die Kontextproblematik des Aphorismus am Beispiel von Herman Bang148
»… wie eine Kuh einer Windmühle ähnelt«. Roman und Drama in Herman Bangs Theorie und Praxis174
»Katinka glitt in das Leben mit den Zügen hinein, die kamen und gingen«. Raumzeitliche Wahrnehmung und die Eisenbahn in Herman Bangs Ved Vejen198
»Der Fortpflanzung soll gedient werden. Lasst sie zeugen und sterben.«224
Vom Zeugen und Gebären um 1900: Herman Bangs Det hvide Hus2 und Det graa Hus3224
Herman Bangs Roman Mika.l und die zeitgenössische dänische Rezeption260
Der Fluch Europas. Eine topographistische Lektüre von Bangs De uden Fædreland –284
Vorgebliche Unmittelbarkeit. Herman Bangs Textanfänge316
Die Autorinnen und Autoren334