: Michael A. Orloff
: Grundlagen der klassischen TRIZ Ein praktisches Lehrbuch des erfinderischen Denkens für Ingenieure
: Springer-Verlag
: 9783540340591
: 3
: CHF 45.40
:
: Maschinenbau, Fertigungstechnik
: German
: 391
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Dem Leser werden in anschaulicher Form die Schlüsselideen, -methoden und -beispiele der TRIZ-Methode vorgestellt. So erhält er die Möglichkeit, sich die Hauptinstrumente der TRIZ selbst anzueignen. Die dritte Auflage wurde durch Industriebeispiele erweitert.

Michael A. Orloff

verfügt über 40 Jahre Erfahrung in der TRIZ-Methode. Er ist Urheber von mehr als 50 Erfindungen und Inhaber von Patenten in den USA und Großbritannien und verfasste über 140 Arbeiten im Bereich spezialisierter Computer und Modellierungs- und Versuchssysteme. Außerdem lehrte er mehr als zwei Jahrzehnte an Hochschuleinrichtungen und tritt als Berater in vielen Bereichen der Wissenschaft und Technik auf.

18 Pragmatismus der Phantasie (S. 274-275)

18.1 Nicht-algorithmische TRIZ-Methoden

„Die Entwicklung der Technik, wie jede Entwicklungüberhaupt, verläuft nach Gesetzen der Dialektik. Deshalb gründet sich die TRIZ auf der Anwendung der dialektischen Logik bei der schöpferischen Lösung technischer Aufgaben. Jedoch Logik allein reicht nicht aus. Man muss auf jeden Fall die Besonderheiten der Instrumente berücksichtigen, mit deren Hilfe der Erfinder arbeitet, und dieses Instrument ist ein ganz besonderes– nämlich das Gehirn des Menschen". Das schrieb vor 30 Jahren der Begründer der TRIZ [3].

Er betonte, dass bei jeder Art von Kreativität die starken Seiten des menschlichen Denkens und Charakters maximal genutzt werden. Das sind Seiten wie Intuition, Vorstellungskraft, Ausdauer, die Fähigkeit viel zu arbeiten, Mut, Bildung usw. Um jedoch Fehler und Zeitverluste zu vermeiden, gilt für die kreative Persönlichkeit, wie auch für die Menschheit insgesamt, auch die schwachen Seiten des Denkens zu berücksichtigen, besonders die psychologische Trägheit. G. Altschuller führt folgende zwei Beispiele an:

1. um unter Wasser ein höheres Gewicht zu haben und somit den Auftrieb zu verringern benutzen Taucher Bleischuhe. Mehr als 100 Jahre wurden diese Schuhe nur in einer Größe hergestellt. So waren sie dem einen zu klein und dem anderen zu groß. Und erst ein Jahrhundert später wurden„auseinanderziehbare Schuhe" entwickelt, eine ziemlich einfache, aberäußerst nützliche Verbesserung!

2. Linsen und Brillen waren bereits ca. 300 Jahre vor Erfindung des Teleskops bekannt. 300 Jahre lang kam kein Mensch auf die Idee, die Welt durch zwei hintereinander installierte Linsen zu betrachten! Warum eigentlich? Man war der Meinung, dass Linsen eine verzerrte Darstellung liefern. Zwei hintereinander installierte Linsen mussten (so dachte man mit„gesundem Menschenverstand") zu einer noch stärkeren Verzerrung führen. Diese psychologische Barriere verhinderte das Entstehen des Teleskopsüber 300 Jahre hinweg! Es lässt sich aber wohl kaum eine Erfindung nennen, die einen so revolutionären Einfluss auf die Weltanschauung des Menschen hatte. Das Teleskop eröffnete der Menschheit die Sternenwelt und gab der Wissenschaft einen gewaltigen Entwicklungsimpuls. Es ist kaum vorstellbar, wie weit die Menschheit schon fortgeschritten wäre, wenn das Teleskop 300 Jahre früher erfunden worden wäre.

Über die psychologische Trägheit schrieb der Autor der TRIZ folgendes [6]:„Der Erfinder konstruiert eine Reihe von Gedankenmodellen und experimentiert irgendwie mit ihnen. Dabei hat das Denken eines erfinderischen Menschen eine charakteristische Besonderheit: ...als Ausgangsmodell wird meist eine bereits existierende Maschine genommen. Ein solches Ausgangsmodell hat nur eingeschränkte Möglichkeiten, welche die Phantasie hemmen. Unter diesen Bedingungen ist es schwer, eine prinzipiell neue Lösung zu finden. Wenn der Erfinder mit der Definition des idealen Endergebnisses beginnt, ist das Ausgangsschema ein ideales Schema– aufsÄußerste vereinfacht und mit verbesserten Eigenschaften. Die weiteren Denkexperimente sind dann nicht mehr mit der Lastüblicher Konstruktionsformen belastet und sofort entsteht eineäußerst perspektivreiche Richtung: der Erfinder versucht die besten Ergebnisse mit den geringsten Mitteln zu erreichen." Das Bewusstsein kontrolliert unsüber Bilder, die durch Wörter verkörpert werden:„Die Aufgabenstellung erfolgt mit bekannten Termini. Diese Termini sind nicht neutral, sie streben danach, ihre eigenen Inhalte zu erhalten. Die Erfindung aber besteht darin, den alten Termini oder ihrer Gesamtheit einen neuen Inhalt zu verleihen. Der Grund für die Trägheit, welche der technischen Terminologie zu Eigen ist, liegt vor allem auch in der Trägheit des Denkens..."

Vorwort von Prof. Dr. habil. Martin G. Möhrle5
TRIZ-Algorithmen für die Navigation des Denkens: Lehrzeit und Meisterschaft des Erfindens9
Die TRIZ am Anfang des XXI. Jahrhunderts11
Inhaltsverzeichnis15
Einleitung21
1 Erfindung der Zivilisation21
2 Re-Inventing die Schlüsselkonzeption des Studiums und Selbststudiums der TRIZ23
Methoden des Erfindens36
3 Erfindung36
3.1 Entdeckung und Erfindung36
3.2 Niveaus von Erfindungen39
4 Erfinderische Kreativität40
4.1 Erfindung der Theorien des Erfindens40
4.2 Traditionelle Methoden des Erfindens50
5 Klassische TRIZ56
5.1 Ideen der TRIZ56
5.2 Das Werden der klassischen TRIZ58
5.3 Struktur der klassischen TRIZ64
A-Studio: algorithmische Navigation des Denkens70
6 Von der Praxis zur Theorie70
6.1 A-Navigation des Denkens70
6.2 A-Navigatoren des Erfindens74
7 Disziplin der Kreativität84
7.1 Inspiration und Disziplin84
7.2 Meta-Algorithmus des Erfindens90
8 Operative Zone104
8.1 Epizentrum des Problems104
8.2 Ressourcen109
9 Vom Bestehenden zum Entstehenden118
9.1 Widersprüche118
9.1.1 Der Begriff Widerspruch118
9.1.2 Technischer Widerspruch121
9.1.3 Physikalischer Widerspruch124
9.2 Funktionales ideales Modellieren128
9.3 Reduktion und Transformationen136
9.4 Klassifikation der A-Modelle der Transformationen157
Klassische Navigatoren des Erfindens des A-Studios162
10 Navigatoren für Standardlösungen162
10.1 Kataloge komplexer Transformationen162
10.2 Anwendungsprinzipien für Standardlösungen163
11 Navigatoren für die Lösung technischer Widersprüche172
11.1 Integration inverser technischer Widersprüche172
11.2 A-Katalog und A-Matrize spezialisierter Transformationen174
11.3 Prinzipien für die Anwendung der Navigatoren176
11.4 Integration alternativer Widersprüche die CICO- Methode190
12 Modelle für die Lösung physikalischer Widersprüche195
12.1 Integration physikalischer Widersprüche195
12.2 Kataloge der fundamentalen Transformationen199
12.3 Anwendungsprinzipien der fundamentalen Transformationen203
13 Modelle für die Suche neuer Funktionsprinzipien217
13.1 Kataloge technischer Effekte217
13.2 Anwendungsprinzipien für technische Effekte219
Strategie des Erfindens232
14 Steuerung der Systementwicklung232
14.1 Entwicklung von Systemen232
14.2 Ideale Maschine 237
14.3 Wachstumskurve des Hauptparameters eines Systems240
15 Klassische TRIZ- Modelle der innovativen Entwicklung246
15.1 TRIZ-Gesetze der Systementwicklung246
15.2 Linien der systemtechnischen Entwicklung249
15.2.